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Wie erleben Eltern die chronische Krankheit ihrer Kinder?

20.09.2002 - (idw) Universität Leipzig

40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie:

Leipzig. Ausdruck des interdisziplinären Zusammenwirkens der Kindermediziner ist die gemeinsame Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie, der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin in Leipzig. Die Kinderchirurgen beschäftigen sich insbesondere mit den Kinderkrankheiten, die operativ behandelt werden müssen. Wichtigstes Anliegen der Tagung ist die Diskussion neuester Operationsmethoden und -details unter den Experten.

Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig und Kongressvorsitzende der Tagung der Kinderchirurgen, Prof. Dr. Joachim Bennek, legte daneben großen Wert auf psychologische Aspekte. Kinder, die von kinderchirurgischen Krankheitsbildern betroffen sind, und deren Eltern leiden nicht selten eine sehr lange Zeit oder ein Leben lang daran. Die an der kinderchirurgischen Klinik tätigen Psychologinnen Dr. Christiane Niemeyer und Birgit Kleber führten zu diesem Thema eine interdisziplinäre Studie durch. Sie untersuchten, wie Eltern die chronische Krankheit ihrer Kinder bewältigen und welche Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen.

Niemeyer und Kleber befragten insgesamt 106 Mütter und 85 Väter von Kindern, bei denen die Diagnose Hydrocephalus (im Volksmund "Wasserkopf" genannt), Spina bifida (gewöhnlich als "offener Rücken" oder "Spaltwirbel" bezeichnet) und Krebs gestellt wurde. Sie adaptierten dazu einen Fragebogen, den Prof. Fritz A. Muthny aus Freiburg zur Krankheitsbewältigung erwachsener Patienten entwickelt hat.

Dabei fielen geschlechtsspezifische Unterschiede auf. Mütter reagierten auf die emotionale Belastung eher depressiv. Sie neigten verstärkt zur Fokussierung auf das kranke Kind. Väter zogen sich tendenziell stärker in ihren Sozialkontakten zurück.

Die Psychologinnen registrierten auch, dass die meisten Eltern auf die Diagnosestellung bei ihrem Kind eher passiv-resignativ reagierten. Dabei zeigten die befragten Eltern sogar einen weitaus stärkeren depressiven Bewältigungsstil als die Patienten der Untersuchung von Prof. Muthny, bei denen selbst eine schwere Erkrankung (Brustkrebs oder Nierenerkrankung) festgestellt wurde. Die Mutter eines Kindes mit Hydrocephalus formulierte ihre Gefühle nach der Diagnosestellung folgendermaßen: "Für mich brach eine Welt zusammen. In meinem Kopf war nur noch Leere. Das Schlimmste war, dass ich mich schuldig fühlte. Warum, weiß ich nicht genau." Ein Vater schrieb: "Ich hatte das Gefühl, 100 Jahre älter geworden zu sein."
Nach einer gewissen Zeit konnte bei fast allen Eltern ein aktiveres Bewältigungsverhalten festgestellt werden.

Insgesamt bestätigte die Befragung, dass die Konfrontation der Eltern mit einer schweren Erkrankung ihrer Kinder ein kritisches Lebensereignis für die Eltern darstellt. Dieses kann erst über einen längeren Zeitraum adäquat verarbeitet werden. Die meisten Eltern benötigen daher besonders während des stationären Aufenthaltes ihres Kindes dringend gezielte psychologische Unterstützung.

weitere Informationen: Dr. Christiane Niemeyer
Telefon: 0341 97 26 731

Dr. Bärbel Adams
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