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Preisgekrönte Rechtsgeschichte der Neuzeit

15.11.2000 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

Verleihung des Preises der Balzanstiftung an Prof. Michael Stolleis am 15. November 2000 in Rom

FRANKFURT. "Die Ergebnisse rechtshistorischer Forschungen liefern keine Handlungsanweisungen für die aktuelle Politik und keine verlässlichen Prognosen für die Zukunft. Aber sie zu missachten bedeutet zum einen, eine der wesentlichen Erkenntnisquellen für Voraussagen über die Wirkungsweise von Normen zu übergehen. Wichtiger aber ist zum anderen, dass die geschichtliche Frage den zentralen Zugang zu den Kräften bietet, die Individuum und Gesellschaft zu dem gemacht haben, was sie heute sind. Rechtshistoriker haben hieran auf ihrem Sektor der Kultur Anteil. Und da es vor allem die Jahrhunderte der Neuzeit sind, die unser Bewusstsein prägen, bin ich glücklich, dass der 'neueren Rechtsgeschichte', die erst seit einer Generation so genannt wird und sich entfaltet hat, die große Anerkennung eines Premio Balzan zuteil geworden ist." Mit diesen Worten wertete der Rechtshistoriker Prof. Michael Stolleis die Verleihung des mit 500.000 Schweizer Franken dotierten Preises der Balzan-Stiftung. Er ist einer von vier Preisträgern in den Kategorien Kultur- und Naturwissenschaften. Der Preis wird am 15. November in Anwesenheit des italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi in Rom verliehen.

Die Jury der privaten Stiftung hatte die diesjährigen Preisträger bereits Anfang September bekannt gegeben. Sie würdigt mit der Verleihung an Stolleis für das Gebiet der Rechtsgeschichte der Neuzeit "einen der bedeutendsten Historiker für deutsches Recht, besonders für öffentliches Recht." Er habe "die grundlegenden Begriffe, die zu den Ursprüngen des modernen Staates und seiner Durchsetzung gehören, eingehend untersucht und damit ein großes Interesse nicht nur unter den Gelehrten, sondern auch beim gebildeten Publikum in Deutschland, Europa und den Vereinigten Staaten erregt."

Stolleis, geboren 1941, ist seit 1974 Professor für Öffentliches Recht und Neuere Rechtsgeschichte an der Goethe-Universität so wie geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte. Er hatte mit seiner dreibändigen Geschichte des öffentlichen Rechtes in Deutschland ein Standardwerk vorgelegt, das auch international breite Anerkennung gefunden hat. Die drei Bände spannen den Bogen von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Nationalsozialismus; sie waren 1988, 1992 und 1999 erschienen. Ob nun auch noch ein vierter Band für die Zeit der Bundesrepublik und der Deutschen Demokratischen Republik von ihren Anfängen bis zur deutschen Wiedervereinigung (1989/1990) folgen wird, lässt Stolleis offen. Es gäbe Verlockungen, das Unternehmen zu beginnen, aber die eigene Nähe zum Gegenstand, ständig wachsende Stoffmassen und eine möglicherweise verzerrte Perspektive böten ein erhöhtes Risiko zu scheitern.

Die schweizerisch-italienische Fondation Internationale Prix E. Balzan würdigt weltweit kulturelle, wissenschaftliche und humanitäre beziehungsweise friedensstiftende Leistungen. Sie hat im Verlaufe von 25 Jahren 77 Persönlichkeiten und Institutionen ausgezeichnet. Die bisher ausgerichtete Preissumme beläuft sich auf rund 29 Millionen Schweizer Franken.

Die Stiftung wurde 1956 von Angela Lina Balzan, Tochter von Eugenio Balzan, zu dessen Ehre eingerichtet. 1961 wurde der erste Balzan-Preis an die Nobel-Stiftung verliehen. Balzan war politisch engagierter Journalist und langjähriger Mitbesitzer des "Corriere della Sera". Seine Tochter brachte sein beachtliches Vermögen in die Stiftung ein. Balzan emigrierte 1933 aus dem faschistischen Italien in der Südschweiz, wo er 1953 verstarb.

Drei voneinander unabhängige Gremien nehmen die Aufgaben der Fondation Internationale E. Balzan wahr. In Zürich wacht der Stiftungsrat "Fonds" unter der neu gewählten Schweizer Präsidentin Dr. Luisa Bürkler-Giussani über das Stiftungsvermögen. Der von Bruno Bottai präsidierte Stiftungsrat "Preis" in Mailand sorgt für die Einhaltung der Stiftungsziele und legt die Richtlinien für die Preisvergabe fest. Das Preisverleihungskomitee schließlich - bestehend aus international renommierten Humanisten, Wissenschaftern und Kunstschaffenden - legt jährlich die zu prämierenden Gebiete fest und ernennt die Preisträgerinnen und Preisträger.

Nähere Informationen: Prof. Dr. Michael Stolleis, Institut für Öffentliches Recht; Telefon: 069/798-28692 oder Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte; Telefon: 069/789-78102

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