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Europa und Mittelasien im Fokus der Förderung

17.11.2000 - (idw) VolkswagenStiftung

VolkswagenStiftung in Hannover stellt im Jahr 2000 rund 190 Millionen Mark für Wissenschaft und Technik zur Verfügung

Das Kuratorium der VolkswagenStiftung hat auf seiner letzten Sitzung im Jahr 2000 rund 70 Millionen Mark für Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre bereit gestellt. Darunter sind auch die ersten Bewilligungen im Rahmen der neuen Förderinitiativen "Einheit in der Vielfalt? Grundlagen und Voraussetzungen eines erweiterten Europas" und "Zwischen Europa und Orient - Mittelasien/ Kaukasus im Fokus der Wissenschaft", mit denen die Stiftung Regionen in den Blickpunkt gerückt hat, deren Entwicklung auch für die Wissenschaft eine Herausforderung darstellt.

Mit ihrer dritten Kuratoriumssitzung in diesem Jahr setzt die VolkswagenStiftung erneut wissenschaftspolitische Akzente - und auch das mit Ausstrahlung über Deutschland hinaus. Zu nennen sind hier insbesondere die neuen Angebote für die kommende wissenschaftliche Generation: ein Promotionskolleg Ost/West und ein regionalwissenschaftlicher Aufbaustudiengang Mittelasien/Kaukasus.

In dem gesamten Fördertopf enthalten sind rund 50 Millionen Mark, die im Rahmen des Niedersächsischen Vorab wissenschaftlichen Einrichtungen und Projekten des Landes Niedersachsen zu Gute kommen. Bei diesem Teil der Fördermittel handelt es sich überwiegend um den Gegenwert der jährlichen Dividende auf die VW-Aktien, der der VolkswagenStiftung aus der Beteiligung des Landes Niedersachsen an der VW AG zusteht. "Insgesamt wird die Stiftung im Jahr 2000 somit mehr als 190 Millionen Mark an Fördermitteln vergeben", resümiert Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung.

Mit gut einer Million Mark unterstützt wird das "Promotionskolleg für Doktoranden aus Ost- und Westeuropa", initiiert vom Lotman-Institut für russische und sowjetische Kultur (Professor Karl Eimermacher) und dem Institut für Deutschlandforschung (Professor Paul Gerhard Klussmann) der Universität Bochum. Ziel ist es, zwischen den Teilnehmern aus Ost- und Westeuropa ein Netzwerk interkultureller und interdisziplinärer Kommunikation zu begründen und damit sowohl zur europäischen Verständigung über wissenschaftliche Fragen als auch zur Überwindung bestehender Vorbehalte beizutragen. Damit investiert die VolkswagenStiftung in die Zukunft Europas und europäischer Wissenschaft, denn über das Promotionskolleg wird sich eine ganze Bandbreite von Forschungs- und Kooperationsinitiativen entwickeln können. "Eine derart strukturierte wissenschaftliche Kontaktbörse zwischen West- und Osteuropa gibt es bislang nicht", bestätigt Dr. Wilhelm Krull. So sollen etwa zwei Drittel der Teilnehmer aus Osteuropa kommen. Die Ausbildung ist auf zwei Jahre angelegt, wobei die Kollegiaten in dieser Zeit drei Mal zu einem je vierwöchigen Aufenthalt in Bochum zusammenkommen. Dort möchte man den mittel- und osteuropäischen Kollegiaten auch Wege zeigen, wissenschaftliche Aufbauarbeit im eigenen Land zu leisten. So kann diese Form der Ausbildung zugleich dazu beitragen, den Trend der Abwanderung hoch qualifizierter Wissenschaftler aus diesen Regionen Europas in westliche Länder zu stoppen. Die ersten beiden Jahrgänge werden sich konzentrieren auf die Themen "Kultur - (Staats-)Macht - Gesellschaft: prägende Konstellationen und Interaktionen im 19. und 20. Jahrhundert" und auf "National geprägte Denkformen und Kulturphänomene im 19. und 20. Jahrhundert und ihre internationale Überschreitung."

Ebenfalls gut eine Million Mark stellt die VolkswagenStiftung für "Start und Erprobung des regionalwissenschaftlichen Aufbaustudiengangs Mittelasien/ Kaukasus" am Zentralasien-Seminar der Humboldt-Universität Berlin (Professor Ingeborg Baldauf) zur Verfügung. Damit wird auf diesem Gebiet in Deutschland eine universitäre Ausbildung etabliert, die Inhalte und Lehrangebote verschiedener Disziplinen in einem Studiengang zusammenführt. Die Teilnehmer sollen sowohl von deutschen als auch von Lehrern aus der Zielregion unterrichtet werden. Gleichermaßen wird das Angebot Studierenden aus der Region Mittelasien/Kaukasus offen stehen. Solch ein Ansatz bringt es zwangsläufig mit sich, dass Englisch zweite Arbeitssprache neben Deutsch ist. Zudem müssen sich die Teilnehmer im Verlauf des Studiums eine Sprache der Zielregion aneignen. Pro Jahr sollen 20 Bewerber aufgenommen werden, die bereits über einen ersten akademischen Abschluss verfügen; die Ausbildung dauert zwei Jahre. Der neue Regionalstudiengang gehört zu den wenigen in Deutschland, die sich auf eine außereuropäische Region beziehen - und ist für den Raum der ehemaligen Sowjetunion ein Novum.

Beispiele von Bewilligungen im Rahmen der Förderinitiativen

Programm "Zwischen Europa und Orient"

Die VolkswagenStiftung hat die ersten Bewilligungen ausgesprochen im Rahmen ihrer Förderinitiative "Zwischen Europa und Orient - Mittelasien/ Kaukasus im Fokus der Wissenschaft". Diese Region geriet nach dem Zerfall der Sowjetunion zunächst aus gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Gründen ins Blickfeld der Öffentlichkeit; die Stiftung trägt nun dazu bei, auch das Forschungsinteresse an Mittelasien und dem Kaukasus zu stärken und die Wissenschaft in der Region aktiv zu unterstützen. Dabei soll nicht zuletzt die Vernetzung deutscher mit in der Region arbeitenden Wissenschaftlern vorangetrieben werden.

Ein Beispiel für eine Erfolg versprechende Förderinitiative ist das Projekt "Bergbaubedingte Schwermetallbelastungen von Böden und Nutzpflanzen in einem Bewässerungsgebiet südlich von Tiflis/Georgien". Dem Zentrum für Internationale Entwicklungs- und Umweltforschung der Universität Gießen und dem Institut für Bodenkunde der Agraruniversität Tbilissi in Georgien werden dafür 364.000 Mark zur Verfügung gestellt (Federführung: Professor Jürgen Felix-Henningsen). In dem Vorhaben geht es um die Gefährdung ausgedehnter landwirtschaftlich genutzter Flächen durch die Ablagerung schwermetallhaltiger Schwebstoffe, die aus Abraumhalden einer Edelmetallmine stammen und sich vor allem auf Grund jahrelanger Bewässerung in den Oberböden angereichert haben und weiter anreichern. Wegen der kontinuierlichen Anhäufung der Schadstoffe in den Nutzpflanzen besteht eine große Gefahr für Mensch und Tier. Die kooperierenden Wissenschaftler wollen zunächst einmal die Belastung der Böden erfassen, damit im Anschluss auf einer gesicherten Datenbasis politische Entscheidungen sowie ökonomisch und ökologisch vertretbare Maßnahmen zum Schutz der Böden und der Nahrungskette getroffen werden können.

675.000 Mark erhält das Geographische Institut der Universität Gießen (Professor Ernst Giese) für das Projekt "Wasserverknappung, Wassernutzungskonflikte und Wassermanagement in Trockengebieten Zentralasiens". Hintergrund sind die sich in Zukunft nach Einschätzung vieler Experten abzeichnenden weltweiten Auseinandersetzungen um die Ressource Wasser, unter anderem bedingt durch das vorzeitige Versiegen von Flüssen beziehungsweise Verlandungsprozesse selbst großer Seen - wie in der hier untersuchten Region Zentralasiens. Ein Problem ist auch, dass mit der Verknappung des Rohstoffs Wasser unter anderem eine erhebliche Verschlechterung der Wasserqualität einher geht, was mehr Erkrankungen und eine höhere Kindersterblichkeit mit sich bringt. Im Rahmen des Projekts sollen daher die Auswirkungen der Wasserverknappung auf Mensch, Umwelt, soziale Lage und Wirtschaft untersucht werden; ebenso wird Ursachenforschung betrieben. Drittes Ziel ist es, Lösungen zu finden, die zu einer Verbesserung der akuten Situation führen und die mittelfristig die Wasservorräte schonen helfen können. Untersuchungsgebiete sind das Issyk-Kul-Becken in Kirgistan, das Ili-Balchasch-Becken in Kasachstan und das Tarim-Becken im chinesischen Xinjiang.

Des Weiteren in dem Programm "Zwischen Europa und Orient" gefördert wird mit rund 650.000 Mark das Vorhaben "'Zerrspiegel': Die Sicht der Russen auf die Völker Mittelasiens und des Kaukasus und umgekehrt: die Russen in der Sicht muslimischer Autoren aus Mittelasien und dem Kaukasus" am Institut für Orientalistik der Universität Halle-Wittenberg (Professor Jürgen Paul). Dabei ist rund die Hälfte des Geldes für die ausländischen Projektpartner in St. Petersburg, Baku und Taschkent vorgesehen, mit deren Hilfe der jeweilige Blick auf den Anderen erfasst werden soll.


Schwerpunkt "Einheit in der Vielfalt"

Vor dem Hintergrund der Chance einer - neu zu definierenden - Einheit und Identität Europas möchte die VolkswagenStiftung mit ihrer Förderinitiative "Einheit in der Vielfalt? Grundlagen und Voraussetzungen eines erweiterten Europas" historische und gegenwartsbezogene Forschungen zum östlichen Europa anstoßen, die die Vielfalt und Heterogenität dieses Kulturraums in den Blick nehmen und zugleich dessen Verbindungen und Bezüge zum übrigen Europa beleuchten sollen. Auch hier wurden jetzt die ersten Bewilligungen ausgesprochen.

Gefördert mit 555.000 Mark wird das Gemeinschaftsvorhaben "Deutsche und ostmitteleuropäische Europa-Pläne" der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Professor Winfried Schulze) und des Instituts für Europäische Geschichte in Mainz
(Professor Heinz Duchhardt). Ziel des Projekts ist es, die in Deutschland, Polen und Ungarn im 19. und 20. Jahrhundert entstandenen Europa-Pläne wissenschaftlich zu erfassen und zu analysieren. In diesen Plänen sind bereits all jene Momente enthalten, die heute "Europa" ausmachen: das Konstrukt der Wertegemeinschaft, das Bemühen um gemeinsame Institutionen und Symbole, die Vorstellung eines einheitlichen, durch Grenzen nicht mehr entscheidend behinderten Wirtschafts- und Lebensraumes. Das besondere Augenmerk wird auf dem Zeitraum zwischen dem Wiener Kongress und dem Zweiten Weltkrieg liegen.

In den genannten Schwerpunkt der VolkswagenStiftung fällt auch das mit knapp 500.000 Mark unterstützte Projekt "Diktaturbewältigung und nationale Selbstvergewisserung an der Semi-Peripherie Europas: Geschichtskulturen in Polen und Spanien im Vergleich" am Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas in Leipzig (Professor Stefan Troebst). In diesem Vorhaben suchen die Wissenschaftler Antwort auf die Frage, inwieweit es in den beiden Ländern Polen und Spanien nach Ende der dort herrschenden autoritären Systeme zu einer Angleichung an politische, kulturelle und ökonomische Standards der Europäischen Union gekommen ist - und damit letztlich auch an das heute von der EU verkörperte Wertesystem. Der Vergleich beider Länder ist vor allem deshalb Erkenntnis versprechend, da sie struktur- und politikgeschichtliche Ähnlichkeiten aufweisen. Untersuchungsgegenstand ist auch die wechselseitige Wahrnehmung in beiden Ländern.

Um Diktaturen geht es auch in dem deutsch-rumänischen Kooperationsvorhaben "Nationalkommunismus und Minderheiten in Rumänien 1944 bis 1953", angesiedelt am Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München (Professor Edgar Hösch), das mit rund 340.000 Mark gefördert wird. In diesem übergeordneten Kontext zu sehen ist auch das Projekt "Die Systemfunktion der Gemeinden im NS-Regime. Kommunale Verwaltung und politische Herrschaft im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben/Neuburg 1933 bis 1945". Dem Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Augsburg (Professor Andreas Wirsching) werden dafür 144.000 Mark zur Verfügung gestellt.


Schwerpunkt "Dynamik und Adaptivität neuronaler Systeme"

Die grundlegenden Mechanismen der Informationsverarbeitung bei der Wahrnehmung eines oder gleichzeitig mehrerer Objekte mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften sind immer noch nicht verstanden. Sieht man beispielsweise einen rollenden grünen Ball, werden in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns eine Reihe "neuraler Codes" aktiviert, die den verschiedenen Eigenschaften des Gegenstandes entsprechen - etwa Farbe, Form, Bewegung. Oftmals ist das Gehirn jedoch mit der gleichzeitigen Wahrnehmung mehrerer solcher oder anders verlaufender Ereignisse konfrontiert. Das wirft die Frage auf, wie die Zuordnung der einzelnen neuralen Codes zu einem bestimmten Ereignis möglich ist; wie das Gehirn letztlich auch in der Lage ist, aus einer Fülle an Einzelereignissen eine logisch erscheinende Momentaufnahme zu erstellen. Dieses so genannte Bindungsproblem ist derzeit Gegenstand zahlreicher neurobiologischer Forschungsaktivitäten. Dabei geht es zum Beispiel darum, welche Bedeutung das zeitlich synchrone "Feuern" der Neuronen hat. In diesem Kontext bewegt sich das Gemeinschaftsvorhaben "Dynamik neuronaler Zellverbände - experimentelle und theoretische Untersuchungen", für das das Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/Main und das Institut für Medizin am Forschungszentrum Jülich von der VolkswagenStiftung insgesamt rund 1,4 Millionen Mark erhalten. Untersucht werden im Rahmen dieser Kooperation - und das auf experimenteller und theoretischer Ebene - speziell die Beziehungen zwischen neuronaler Synchronisation und Wahrnehmung beziehungsweise der Gedächtnisleistung beim Rhesusaffen (Frankfurt) und bei der Ratte (Jülich). Das Vorhaben wird von drei jungen, hoch qualifizierten Wissenschaftlern getragen: Dr. Matthias Munk und Dr. Sonja Grün in Frankfurt und Privatdozent Dr. Andreas K. Engel in Jülich.

Schwerpunkt "Intra- und intermolekulare Elektronenübertragung"

Im Rahmen dieser seit 1993 bestehenden Förderinitiative der VolkswagenStiftung werden weitere fünf Vorhaben mit insgesamt knapp zwei Millionen Mark gefördert. Eines davon trägt den Titel "Multi-frequency EPR-studies of electron-transfer processes in photolyases and cryptochromes" und ist am Institut für Experimentalphysik der Freien Universität Berlin angesiedelt. Dabei geht es zum einen um DNA-Photolyasen: Reparaturenzyme, die durch ultraviolettes Licht verursachte Schäden am Erbmaterial beheben. Sie bestehen im Wesentlichen aus zwei Komplexen: Der eine fungiert dabei als Lichtsammler, der andere (FAD) ist essenziell für den Reparaturprozess. Mit den Photolyasen offensichtlich "verwandt" sind die erst vor vier Jahren entdeckten Blaulicht-Photorezeptoren in Pflanzen und Säugetieren, die "Cryptochrome". Sie benutzen ebenfalls den FAD-Komplex. Daher ist zu vermuten, dass der grundlegende Mechanismus für das Sammeln und Umwandeln des Lichts bei Photolyasen und Cryptochromen derselbe ist. Die Cryptochrome haben jedoch keine Reparaturfunktion, sondern spielen eine Rolle bei den Tag-Nacht-Rhythmen der Lebewesen. In dem mit 372.000 Mark ausgestatteten Forschungsvorhaben unter der Leitung von Dr. Stefan Weber geht es nun darum, sowohl bei Photolyasen als auch Cryptochromen den Zusammenhängen zwischen Struktur, Dynamik und biologischer Funktion auf den Grund zu gehen.


Schwerpunkt "Konstruktionen des 'Fremden' und des 'Eigenen'"

Insgesamt knapp drei Millionen Mark erhalten fünf Projekte, die sich im Rahmen dieses Schwerpunkts mit den Prozessen interkultureller Abgrenzung, Vermittlung und identitätsbildung auseinander setzen. Mit 870.000 Mark gefördert wird ein Kooperationsprojekt des Instituts für Ethnologie der Universität Göttingen (Professor Gordon Whittaker / Dr. Lydia Haustein) und des College of Art der University of Science and Technology im ghanaischen Kumasi (Professor Joyce Janet Stuber). Gemeinsam untersuchen die Wissenschaftler die "Rolle der Bilder bei der 'Inszenierung' kultureller Identitäten in den Medien". Hintergrund ist, dass bedingt durch die derzeit rasant zunehmenden Kommunikationsströme und den weltweit problemlos möglichen Informationsaustausch - Beispiel:
Internet - kulturelle Selbsteinschätzungen und Identitäten immer weniger durch traditionelle Sitten, Riten oder Gebräuche gewonnen werden,
sondern aus einem schier unerschöpflichen Arsenal digitaler Bilder- und Informationsfluten. Um die auf diesem Weg vermittelten Bilderwelten geht es, um die Beeinflussung der kulturellen Identitäten. Dabei soll der Blick gerade auch gerichtet werden auf die kommerziellen Bilderfluten der neuen Medien mit ihrer weltweiten Präsenz - etwa MTV-Sendungen, Millennium-Events oder die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele.


Schwerpunkt "Recht und Verhalten"

In diesem inzwischen beendeten Schwerpunkt wurden die letzten fünf Bewilligungen in Höhe von insgesamt gut drei Millionen Mark ausgesprochen. 780.000 Mark erhält das Sozialwissenschaftliche Institut, Lehrstuhl für Soziologie II der Universität Düsseldorf (Professor Karl-Heinz Reuband) für die Untersuchung der "Determinanten und Wirkungen kommunaler Drogenpolitik auf Bevölkerung und Konsumenten in Abhängigkeit von der strafrechtlichen Praxis, polizeilicher Rechtsdurchsetzung und politischem Diskurs". Ziel des Projekts ist es, die Beziehungen zwischen rechtlichen Vorgaben, strafrechtlicher Praxis, drogenpolitischem Diskurs, Verbreitung des Drogenkonsums und der Einstellung der Bevölkerung gegenüber Drogen zu analysieren. Dabei geht es um die Frage, wie bestimmte Normen und die Geschichte des Drogenproblems Einstellungen prägen und Verhalten bestimmen - auch im Vergleich mit anderen Ländern. Woran liegt es beispielsweise, dass der Drogengebrauch unter Jugendlichen Anfang der siebziger Jahre in Schweden bei einer Verschärfung und zu gleicher Zeit in den Niederlanden bei einer Liberalisierung der Rahmenbedingungen jeweils zurückging? Das Projekt konzentriert sich auf fünf deutsche Städte, darunter Kiel und Hamburg als Repräsentanten einer liberalen sowie Stuttgart und München als Repräsentanten einer repressiveren Drogenpolitik; zugleich Dresden als ein Ort in den neuen Bundesländern, in denen sich Drogenkonsum derzeit erst entwickelt.

Mit 500.000 Mark in diesem Schwerpunkt gefördert wird das Vorhaben "Ärztliche Leitlinien: Professionelle Normbildung, Recht und Empirie" am Institut für Gesundheits- und Medizinrecht der Universität Bremen (Professor Dieter Hart). Hier wird der Entwicklung Rechnung getragen, dass in den vergangenen Jahren rund Tausend neue Leitlinien für Ärzte aufgelegt wurden, die ärztliches Handeln erleichtern sollen. Im Verbund wollen Wissenschaftler aus der Medizin, der Psychologie und den Rechtswissenschaften nun klären, welche Rolle die Leitlinien im Hinblick auf die Qualitätssicherung, die Festlegung ärztlicher Versorgungsstandards und den Patientenschutz spielen - wie letztlich aber auch Richter mit den Bestimmungen umgehen, und welche Bedeutung die Richtlinien und damit auch der medizinische Sachverstand für rechtliche Entscheidungen haben.


Weitere Förderungen außerhalb der Schwerpunkte und Programme

Im Falle besonderer wissenschaftlicher Qualität und Originalität des Vorhabens fördert die VolkswagenStiftung Vorhaben außerhalb der von ihr festgelegten Schwerpunkte und Programme. Ein Beispiel ist das an der Universität Hannover angesiedelte Gemeinschaftsprojekt zur Abwasser-reinigung an verstädterten Orten von Professorin Sabine Kunst, Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik, sowie Professorin Hille von Seggern, Institut für Freiraumentwicklung und Planungsbezogene Soziologie. Die Wissenschaftlerinnen sind auf der Suche nach einem
ökologisch-ökonomisch sinnvollen Umgang mit Abwasser, nach einer naturnahen Abwasserreinigung - etwa mithilfe von Pflanzenkläranlagen oder natürlicher Abwasserteiche an Stelle der vielerorts typischen Kläranlage. Der Ansatz der Forscherinnen ist interdisziplinär; sie führen wasserwirtschaftliche, biologische, landschafts-ökologische und freiraum-architektonische Aspekte zusammen. Zudem soll die Bevölkerung in die Diskussion über eine umweltverträglichere Abwasserbeseitigung einbezogen werden. Als Praxisbeispiel dient die verstädterte Ortschaft Groß Mahner im Raum Salzgitter. Die VolkswagenStiftung stellt den hannoverschen Wissenschaftlerinnen insgesamt rund 750.000 Mark zur Verfügung.

Ebenfalls außerhalb der thematischen Schwerpunkte mit 530.000 Mark gefördert wird das Projekt "Diversität, Dynamik und Strukturierungsmechanismen arborikoler Arthropodengemeinschaften gestörter und primärer Waldökosysteme im temperaten Mitteleuropa" am Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie am Biozentrum der Universität Würzburg (Dr. Andreas Floren). Das Wissenschaftlerteam beschäftigt sich hier mit Biodiversitätsforschung in den Baumkronen unserer Breitengrade. Ziel ist es zum einen, deren Bedeutung als Ganzes für ein funktionierendes Ökosystem näher kennen zu lernen. Von Interesse sind dabei vor allem die vielfältigen Interaktionen zwischen den dort lebenden Gliedertierchen - etwa Ameisen, Käfer, Geradflügler, Schlupfwespen oder Spinnen. Als Vergleich dienen vorausgegangene Untersuchungen in südostasiatischen Tieflandregenwäldern. Zudem wollen die Forscher konkret bestimmen, welche Auswirkungen Eingriffe des Menschen auf die Struktur des Waldes und auf die Artenzusammensetzung in den Baumkronen im Besonderen haben. Die Untersuchungen erfolgen im polnischen Bialowieza-Nationalpark, dem einzigen größeren Tieflandurwald Mitteleuropas, sowie zum Vergleich in nahe gelegenen Wirtschaftswäldern unterschiedlicher Nutzung mit ihren von Menschen verursachten Störungen.


Kontakt:
VolkswagenStiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Christian Jung, Tel.: 0511/8381-380, e-mail:jung@volkswagenstiftung.de


Kontakthttp://www.volkswagenstiftung.de/presse00/p171100.htm
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