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Professor Dr. Wolfgang H. Schrader gestorben

22.11.2000 - (idw) Universität Siegen

Am Freitag, den 17.11.2000 verstarb Prof. Dr. Wolfgang H. Schrader. Mit seinem Tod verliert die Universität Siegen einen Wissenschaftler von hohem Rang und internationalem Ansehen. Sein weitgefächertes wissenschaftliches Engagement als Herausgeber philosophischer Schriften und namhafter philosophischer Reihen sowie als Präsident der Fichte-Gesellschaft in den Jahren 1991 bis 1997 hat zum Ansehen des Faches Philosophie in der akademischen Öffentlichkeit entscheidend beigetragen.

Besondere Erwähnung verlangt die von Wolfgang H. Schrader gemeinsam mit R. Lauth und K. Hiller geleitete Ausgabe der Briefe Karl Leonhard Reinholds -, eines der wenigen großen Wissenschaftlichen Editionsprojekte, das langfristig von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Die von Prof. Schrader gestifteten internationalen Kontakte zu Kollegen und Kolleginnen aus Polen, Süd-Korea und Spanien etwa haben das akademische Leben und den wissenschaftlichen Austausch an dieser Hochschule in vielfältiger Weise bereichert.
Als akademischer Lehrer hat sich Wolfgang Schrader durch seine wahrhaft hingebungsvolle Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses auch aus fernen Ländern wie Korea und Taiwan z.B. große Verdienste erworben. Eine der von ihm angeleiteten Dissertationen hat soeben den Preis dieser Hochschule für die beste Dissertation ausländischer Studierender erhalten. Sein durch Freundlichkeit im Umgang und durch Präzision in der Sache geprägter Stil zu lehren konnte die Studierenden in außergewöhnlicher Weise für die Sache der Philosophie begeistern und befähigte sie zugleich zu eigenständigem Denken und gewissenhaftem Studium.
Am schmerzlichsten aber ist der Verlust dieses Menschen, der durch seine Lauterkeit und Liebenswürdigkeit ebenso wie durch seine unermüdliche Tatkraft uneingeschränkte Anerkennung und Sympathie fand; nicht zuletzt begründet sich dies in einer sein Wesen und Wirken prägenden noblen Bescheidenheit jenseits aller beifallheischender Eitelkeit, die ihresgleichen sucht.
Denjenigen, die mit Wolfgang H. Schrader in der akademischen Welt gelebt und philosophiert haben, ist es ein Anliegen, sein durch die Philosophie bestimmtes Leben in Erinnerung zu rufen und in ehrender Erinnerung zu halten.
Wolfgang H. Schrader wurde am 5. November 1942 in Berlin geboren. Im Anschluss an das Studium der Philosophie, Theologie und Geschichte an den Universitäten Berlin und Heidelberg, erfolgte 1970 die Promotion an der Universität Heidelberg. Die Dissertation wurde 1972 unter dem Titel "Empirisches und absolutes Ich. Zur Geschichte des Begriffs Leben in der Philosophie J. G. Fichtes". Diese weitgespannte Abhandlung zu einem zentralen Begriff der Fichteschen Philosophie ist nicht nur ein für die Fichte-Forschung wegweisendes Werk; sie bildet auch den Ausgangspunkt des bleibend an Fichte ausgerichteten Philosophierens und Forschens von Wolfgang Schraders wissenschaftlichem Werdegang. 1982 habilitierte sich Wolfgang H. Schrader in München mit einer Arbeit zum Thema "Ethik und Anthropologie in der englischen Aufklärung. Studien zum Wandel der moral-sense-Theorie von Shaftesbury bis Hume." Durch dieses repräsentative Standardwerk profilierte sich Wolfgang H. Schrader als vielseitiger Kenner der praktischen Philosophie und Anthropologie, so dass er bereits 1985 den Ruf auf die Universitätsprofessur (C4) für Philosophie an die Universität Siegen erhielt.
Das systematische Hauptgebiet seines Forschens und Lehrens, die praktische Philosophie, wird in zahlreichen Publikationen breit ausgebaut. Dabei werden nicht nur die bereits angelegten philosophiegeschichtlichen Linien - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts, Philosophie des deutschen Idealismus weiterverfolgt, hinzugewonnen wird die Auseinandersetzung mit relevanten Fragestellungen und Lösungsansätzen der Gegenwartsphilosophie, wie Diskurstheorie und analytischer Philosophie, immer gilt sein Interesse auch aktuellen gesellschaftstheoretischen Positionen.
Wolfgang H. Schrader wurde mitten aus dem Leben gerissen. Sein unerwarteter Tod bedeutet für (uns) Schüler und Kollegen den Verlust eines außergewöhnlichen Menschen.
Das letzte Kapitel von Prof. Schraders Fichte-Buch resümiert unter dem Titel "Philosophie und Leben" Fichtes Anstrengungen, dieses Verhältnis als eine spannungsreiche Einheit zu deuten, in der sich gleichermaßen Gefährdung und das Ringen um Erlösung manifestieren.

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