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Fische sind keine Stiefkinder des Naturschutzes

06.12.2000 - (idw) Bundesamt für Naturschutz

Neun Punkte Programm soll Schutz der heimischen Fischwelt erhöhen

Fische sind keine Stiefkinder des Naturschutzes

Neun Punkte Programm soll Schutz der heimischen Fischwelt erhöhen

BfN baut Kompetenz auch im Meeres-Naturschutz aus

Bonn, 06. Dezember 2000: Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) will sich künftig verstärkt für den Schutz der heimischen Fischwelt in Binnengewässern und in Nord- und Ostsee einsetzen. Keine andere Tiergruppe wird durch das Bundesrecht so wenig abgedeckt wie gerade diese Bewohner unserer Gewässer. Im Wesentlichen unterstehen sie im Binnenland den Fischereigesetzen der Länder. Die ökologischen Auswirkungen der Fischerei in Nord- und Ostsee, die durch die gemeinsame Fischereipolitik der Europäischen Union reguliert wird, sind ebenso bedeutend. "Wir wollen diese Situation ändern und der Politik, Verwaltung und Wissenschaft Daten zur Verfügung stellen, die helfen, die biologische Vielfalt - zu der auch die Fischfauna gehört - in Deutschland zu erhalten. Wir müssen gleichzeitig sowohl mit der Binnenfischerei als auch mit den Meeresfischern über eine nachhaltige ökologische Nutzung der Naturressourcen zu sprechen. Das BfN wird seine Kompetenz im Meeres-Naturschutz durch die Einstellung weiterer Wissenschaftler verstärken," bringt es der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, auf den Punkt. Mit einem Neun Punkte Programm werde das BfN den Schutz der heimischen Fischwelt in den Flüssen, Seen und im Meer erhöhen.

Binnenfischerei
Der Binnenfischerei und den Fischereibehörden der Länder war es in der Vergangenheit nicht möglich, alle Arten, insbesondere viele ökonomisch weniger wichtige, ausreichend zu schützen. So kam es, dass von den 70 einheimischen Süsswasserfischarten 52 vom BfN in der Roten Liste der gefährdeten Tiere Deutschlands aufgeführt sind. Das Bundesamt für Naturschutz plant für die Binnengewässer fünf langfristig angelegte, aufeinander aufbauende Arbeitsschritte:
(1) Es werden Erkenntnisse über die Ökologie und Biologie national und international hochgradig gefährdeter Fischarten gesammelt.
(2) Die Bestands- und Gefährdungssituation dieser Arten wird weiter beobachtet und dabei genauer untersucht.
(3) Es werden Hilfs- und Schutzmaßnahmen ausgearbeitet sowie Pilotprogramme umgesetzt, wie Zucht- und Wiedereinbürgerungsvorhaben von hochgradig gefährdeten Arten.
Die jüngsten Erfolge waren die Entwicklung einer effektiven Vermehrungsmethode für den erst kürzlich in Rhein, Elbe und Oder entdeckten, seltenen und als stark gefährdet geltenden Weißflossengründling (Gobio albipinnatus), mit deren Hilfe der Bestand der Art ohne großen Aufwand geschützt werden kann, sowie der Start eines Wiedereinbürgerungsprogrammes für den Stör (Acipenser sturio) im Odergebiet.
(4) Das BfN wirkt außerdem an Verbesserungen von Rechtsvorschriften mit.
(5) Es untersucht die heute gängigen Praktiken in der Binnenfischerei, um über eine Diskussion mit den "Nutzern" zu einer wirklich nachhaltigen Nutzung zu gelangen.

Meeresfischerei
Die Situation bei den Meeresfischen ist auch nicht blendend: Verschiedene Arten wie Dorsch, Schellfisch, Wittling, Seelachs, Scholle, Hering und Makrele haben in den zurückliegenden zehn Jahren zumindest zeitweise historisch geringe Bestände erreicht. Bei insgesamt zwölf Arten, ohne die eigentlichen Nutzfische, ist die Fischerei für die Bestandsrückgänge mitverantwortlich. Neben vielfältigen direkten Auswirkungen verschiedener Fischereipraktiken (durch Überfischung und Beifänge, Einsatz schwerer Scheuchketten der Baumkurren und Scherbrettern die den Meeresboden durchpflügen) sind auch indirekte Auswirkungen von großer Bedeutung. So führt z.B. die intensive selektive Befischung von großen Raubfischen (z.B. Dorsch) zu einem verminderten Fraßdruck auf deren Beutetieren. Aber auch innerhalb einer Fischpopulation treten Änderungen der Größen- bzw. Alterszusammensetzung auf. Hier wirkt die Fischerei wie ein evolutionärer Selektionsprozeß.
Beim marinen Naturschutz in Nord- und Ostsee soll nach Ansicht des BfN die nachhaltige, ökosystemar tragfähige Nutzung und der Erhalt der biologischen Vielfalt zu den Leitprinzipien gehören. Der Vorsorgeansatz soll angewendet und ein das Ökosystem berücksichtigendes Fischereimanagement so entwickelt und angewendet werden, dass eine Integration der Naturschutzziele in der Fischereipolitik verwirklicht wird. Das BfN plant mit der Verstärkung der Kompetenz unter anderem:

(1) die Erarbeitung von Kriterien zur naturschutzfachlichen Praxis in der Fischerei mit dem Ziel eines Fischerei-Managements, das zum dauerhaften Schutz des Ökosystems Meer beträgt,
(2) die wissenschaftliche Beratung zum Wiederaufbau oder dauerhaften Erhalt von Laicherbeständen durch geeignete Managementmaßnahmen wie die Festlegung von Fangintensitäten oder Flottengrößen,
(3) die Erarbeitung von Gebietsvorschlägen, in denen Fischereibeschränkungen sinnvoll sind und die zu Meeresschutzgebieten weiterentwickelt werden können,
(4) die Prüfung der Naturschutzverträglichkeit von neuen Fischereitechniken, bevor diese großflächig zum Einsatz kommen.
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