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Augsburger Ehrendoktor für Prof. Dr. Frank Steglich

07.12.2000 - (idw) Universität Augsburg

"In Anerkennung seiner herausragenden Beiträge zur experimentellen Physik, insbesondere für die Entdeckung der Supraleitung in Schwere-Elektron Systemen" verleiht die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Augsburg am 11. Dezember 2000 dem Dresdener Physiker und Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Chemische Physik fester Stoffe Prof. Dr. Frank Steglich die Ehrendoktorwürde. Über den außergewöhnlich erfolgreichen Physiker hinaus ehrt die Augsburger Fakultät in der Person Steglichs einen langjährigen Verbündeten, der bereits seit Mitte der 80er Jahre entscheidend zur erfolgreichen Etablierung des Faches Physik an der Universität Augsburg beigetragen hat. Nicht zuletzt beim Aufbau des Bereiches "Elektronische Korrelationen und Magnetismus" hat Steglich sich große Verdienste erworben. Der Festakt beginnt um 17.15 Uhr im Hörsaal 1002 des Physik-Hörsaalgebäudes (Universitätsstraße 1). Gegenstand von Steglichs Festvortrag ist die "Chemische Physik von Clathratverbindungen". Die Laudatio hält Prof. Dr. Siegfried Horn.

Frank Steglich wurde am 14. März 1941 in Dresden geboren. Sein Physikstudium absolvierte er in Göttingen; er schloss es 1966 mit dem Diplom ab. Ebenfalls in Göttingen promovierte er 1966 zum Dr. rer. nat. mit einer Arbeit zur thermischen Leitfähigkeit in dünnen metallischen Filmen. Von Göttingen wechselte er an die Universität Köln, wo er bis 1978 als Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl von Professor Wohlleben arbeitete. Hier habilitierte er 1976 zum Thema "Thermal Properties of Dilute (La:Ce)Al2 Alloys" . In diese Zeit fiel seine bahnbrechende Entdeckung der Supraleitung in dem Schwere-Elektronen System CeCu2Si2. Diese Entdeckung löste eine wahre Flut theoretischer und experimenteller Arbeiten aus, die fast ungebrochen bis zum heutigen Tage anhält. 1978 erhielt Steglich einen Ruf an die TH Darmstadt und wurde dort 1980 Lehrstuhlinhaber am Institut für Festkörperphysik. 1996 wurde er zum Gründungsdirektor des neuen Max-Planck-Instituts für Chemische Physik fester Stoffe in seine Geburtsstadt Dresden berufen. Sein wissenschaftlicher Werdegang in Deutschland wurde durch eine Reihe von Auslandsaufenthalten ergänzt, z. B. 1976 und 1977 am Institut Laue-Langevin in Grenoble, 1982 am IBM Th. J. Watson Research Center in Yorktown Heights, 1983 an der Université de Paris-Sud und mehrmals zwischen 1985 und 1997 an der Tohoku Universität in Sendai.

Das wissenschaftliche Werk von Prof. Dr. Frank Steglich ist ungemein facettenreich: Neben Unordnungsphänomenen in magnetischen Systemen, Beiträgen zum Kondo Effekt und Arbeiten zum Magnetismus von Seltene-Erd Verbindungen nehmen vor allem seine Arbeiten zur Supraleitung eine herausragende Stellung ein.

Mit der Entdeckung der Schwere-Fermion Supraleitung hat er ein vollständig neues Gebiet der Festkörperphysik angestoßen, das bis heute nichts von seiner ursprünglichen Faszination verloren hat. In der metallischen Verbindung CeCu2Si2 wird die Supraleitung von Elektronen getragen, die eine extrem hohe effektive Masse besitzen. Diese Form der unkonventionellen Supraleitung wurde später noch in anderen Systemen gefunden, ist aber bis heute - trotz enormer experimenteller und theoretischer Anstrengungen - nicht restlos verstanden. Für seine Arbeiten in diesem Bereich erhielt Steglich eine Fülle nationaler und internationaler Preise und Ehrungen, u. a. den Förderpreis für deutsche Wissenschaftler aus dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1986), den Hewlett-Packard Europhysics Prize (1989), den Alexander von Humboldt Preis für die Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland (1989) und den American Physical Society International Prize for New Materials (1990).

Steglichs wissenschaftliches Ansehen, aber auch das Engagement, mit dem er sich seit jeher für forschungs- und hochschulpolitische Aufgaben eingesetzt hat, spiegeln sich in einer langen Liste von Mitgliedschaften und ehrenamtlicher Tätigkeiten. Für die Universität Augsburg und insbesondere für deren Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät von besonderer Bedeutung war seine Zugehörigkeit zu dem im Sommer 1987 ministeriell bestellten Berufungsausschuss für die Augsburger Physik: Zusammen mit seinen Kollegen Heinrich Rohrer und Klaus Dransfeld hat Steglich in diesem Ausschuss während der Jahre 1988 bis 1993 sein ganzes Gewicht zugunsten der erfolgreichen Etablierung des Faches Physik an der Universität Augsburg in die Waagschale geworfen. Nicht minder engagiert hat er sich dann für den weiteren Ausbau der Augsburger Physik und die erfolgreiche Einrichtung des Schwerpunktes "Elektronische Korrelationen und Magnetismus" eingesetzt.

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:

Dekan Prof. Dr. Alois Loidl, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Universität Augsburg, 86135 Augsburg, Tel. 0821/598-3602, Fax -3649, e-mail: alois.loidl@physik.uni-augsburg.de

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