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10 Jahre Forschungszentrum TERRAMARE

08.12.2000 - (idw) Forschungszentrum Terramare, Zentrum für Flachmeer-, Küsten- und Meeresumweltforschung e.V.

Die Dienstleistungseinrichtung für die Meeresforschung in Niedersachsen, das Forschungszentrum TERRAMARE in Wilhelmshaven, besteht am kommenden Sonntag, dem 10. Dezember 2000, zehn Jahre.


Das Forschungszentrum TERRAMARE in Wilhelmshaven Am Sonntag, dem 10. Dezember 2000, begeht das Forschungszentrum TERRAMARE sein 10-jähriges Bestehen. Die Entwicklung hin zu einem Forschungszentrum, wie es in Wilhelmshaven für die Meereswissenschaften in Niedersachsen entstanden ist, nimmt ihren Ausgang anfangs der 60er Jahre: Eine bereits 1962 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vorgelegte Denkschrift zeigt Schritte auf, die unternommen werden müßten, "um eine den Aufgaben (der Meeresforschung) angemessene Kapazität in Forschung und Lehre zu erreichen". 1969 folgt ein Konzept der Deutschen Ozeanographischen Kommission beim damaligen Bundesministerium für Forschung- und Technologie (BMFT) für die Disziplinen der Meeresforschung und Meerestechnik. Ein zweites Gesamtprogramm sieht für den Planungszeitraum 1972 bis '75 unter anderem eine Schwerpunktbildung der Meeres-forschungsaktivitäten vor. Ein Gesamtprogramm Meeresforschung und Meerestechnik schließt sich von 1976 bis '79 an. Bis Mitte der 80er Jahre gibt es dann jedoch kein weiteres Anschlußprogramm des Bundes. Die DFG veröffentlicht 1984 eine Projektstudie für ein Zentrum Marine Geowissenschaften. Diese führt zu einer Flut von Verbesserungs-vorschlägen und ist so Auslöser einer lebhaften Diskussion über die marin-geowissenschaftliche Forschung in Deutschland. Das BMFT beauftragt daraufhin im Januar 1986 die Schweizer prognos AG, "den Bedarf, die Notwendigkeit, die Möglichkeiten und den Nutzen einer zentralen Forschungs- und Serviceeinrichtung im Bereich der meeresgeowissenschaftlichen Forschung in der Bundesrepublik Deutschland zu analysieren". Die prognos-Studie, im November '86 veröffentlicht, schlägt vor, an fünf Standorten sich bausteinartig ergänzende Forschungsschwerpunkte zu bilden. Die Region Wilhelmshaven/Oldenburg wird in diesem Konzept als Schwerpunkt für die Flachmeer- und Küstenforschung hervorgehoben. Regionale Initiative und finanzielle Unterstützung durch das Land Niedersachsen führen schließlich am 10. Dezember 1990 zur Gründung des "Zentrums für Flachmeer-, Küsten- und Meeresumweltforschung e.V. - Forschungszentrum TERRAMARE".
1991 nahm das Zentrum mit der Einstellung der ersten Mitarbeiter seine Arbeit auf. Das Forschungszentrum verfügt als selbständiger Verein - 10 Jahre nach seiner Gründung - über zehn Dauerpersonalstellen, im Jahresdurchschnitt ergänzt durch etwa 15 Mitarbeiter mit zeitlich befristeten Verträgen sowie zwei Zivildienstleistende. Ständig steigende Anforderungen machen die Übernahme bewährter, zeitlich befristet angestellter Personen erstrebens-wert; der seit 1996 mit jährlich knapp 1,4 Mio DM für das Zentrum festgeschriebene Landesmittel-Etat läßt dies bei jährlich steigenden Personalkosten derzeit jedoch nicht zu.
In den vergangenen 10 Jahren sind über das Forschungszentrum knapp 70 Mio Mark vorwiegend in die Region Wilhelmshaven/Oldenburg geflossen. Wesentlichen Anteil an dieser Summe hatten die Bauvorhaben für das eigene Gebäude in Wilhelmshaven und das des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres in Oldenburg, dessen Errichtung ebenfalls über das Forschungszentrum verwaltet wurde. Mit fast 38 Mio DM schlugen Bau und Erstaus-stattung beider Gebäude zu Buche, durch die die Meeresforschung seit Fertigstellung Mitte 1994 in Wilhelmshaven und Oldenburg über zusätzliche 1600m² bzw. 1300m² Nutzfläche verfügt. Zirka 19 Mio Mark verteilten sich auf diverse Drittmittelprojekte, von denen ELAWAT mit einem Finanzvolumen von 8,6 Mio DM und einer Laufzeit von fünf Jahren das bislang umfangreichste war. Die Untersuchung von Prozessen und Mechanismen, die den langfristigen Erhalt des Wattenmeeres gewährleisten, standen hier im Vordergrund. Die spektakulären "Schwarzen Flecken" waren dabei ein Untersuchungsgegenstand. - Andere Projekte befaßten und befassen sich mit der Muschelfischerei, Strukturaufklärung, Wirkung und Nachweis von Giftstoffen aus dem Meer, die auch in die menschliche Nahrung gelangen können, der Meeresbiotechnologie und anderem mehr. Geldgeber für die Projekte waren bislang die EU, das bmb+f, das Umweltbundesamt UBA, die DFG, die Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück und die Wattenmeerstiftung. Auch regional wurde das Forschungszentrum unterstützt, so zum Beispiel durch die Oldenburgische Landesbank beim Bau von Bioreaktoren, durch die Nord-West Oelleitung GmbH (NWO), sowohl finanziell als auch durch die Erlaubnis, die Anlagen für Versuche mit zu nutzen und auch durch die in der Region ansässigen Bäckereien Eden, Kempe, Rohlfs, Siemens, die das Projekt eines Algenbrötchens unterstützten.
Die Hauptaufgabe des Forschungszentrums TERRAMARE ist die eines Dienst-leistungszentrums für die niedersächsische Meeresforschung, die wesentlich durch die neun wissenschaftlichen Gründungsmitglieder Universität Oldenburg, die ehemaligen Fachhochschulen Ostfriesland und Wilhelmshaven, die Senckenbergische Naturfor-schende Gesellschaft, das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung, das Landesamt für Bodenforschung, das Institut für Vogelforschung, die Forschungsstelle Küste, Norderney und die Nationalparkverwaltung repräsentiert wird. - Neben Laborraum und diversem Gerät, bereitgehalten vom Zentrum für seine Mitglieder, nach Maßgabe der Auslastung aber auch externe Benutzer, werden vor allem diese Aufgaben erfüllt:
Allgemeine Projektbegleitung: Hierzu gehören die finanzielle Abwicklung, fallweise auch die personelle Betreuung, wissenschaftliche Beratung und die allgemeine Koordi-nation.
Bibliotheksdienste: Die Literaturversorgung der FTM-Nutzer wird durch zwei jeweils halbtags beschäftigte Bibliothekarinnen sichergestellt. Gute Verbindungen zu nationalen und internationalen Vereinigungen meereskundlicher Bibliotheken und Informations-zentren helfen ihnen dabei. Bei der Informationsvermittlung werden sie darüber hinaus durch den Koordinationsbereich unterstützt.
EDV-Dienste: Die fortschreitende Vernetzung, vor allem der Wilhelmshavener Mitglieder intern und auch untereinander wird von der EDV-Abteilung des Forschungszentrums im Verbund mit der Fachhochschule ganz wesentlich vorangetrieben. Generell bietet der EDV-Bereich den Mitgliedern Unterstützung in Hard- und Softwarefragen und beim Betrieb der EDV-Anlagen
Werkstattdienste: Entwurf, Bau und Wartung von Mess- und Probenahmegeräten gehören zu den wesentlichen Aufgaben der Werkstatt.
Zu umfangreich wäre an dieser Stelle eine detaillierte Darstellung dessen, was in den vergangenen zehn Jahren am Forschungszentrum geschehen ist. Nur exemplarisch seien neben den Projekten noch einige internationale Tagungen genannt, die von TERRAMARE oder unter seiner Beteiligung organisiert wurden: Im September 1997 fand Muddy Coasts statt, eine Senckenberg-Konferenz zu Hydrologie, Sedimentologie, Geochemie und Ökologie von Wattenküsten. Im September 1998 schloß sich EMBS 33, das Symposium der europäischen Meeresbiologen an, und im November des gleichen Jahres ging es bei MARSKAT um die Sedimentologie und Geochemie von Skagerak und Kattegat.
Spannende zehn Jahre sind vergangen, für die kommenden wünschen sich die Mitarbeiter des Forschungszentrums TERRAMARE ebenso interessante neue Projekte, die sie im Verbund mit ihren Mitgliedern durchführen möchten. Je nach Kapazitätsauslastung und Absprache finanzieller Gegebenheiten sind selbstverständlich auch Nichtmitglieder als Projektpartner herzlich willkommen. Ebenso kann das Kurslabor für meereskundliche Kurse genutzt werden.
Eine offizielle Feierstunde zum 10-jährigen Jubiläum, zu der Vertreter der Mitgliedsinstitutionen und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur erwartet werden, wird im Frühjahr 2001 stattfinden.

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