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"Spielarten von Authentizität"

14.12.2000 - (idw) Universität Hildesheim

Jahrestagung des Graduiertenkollegs "Authentizität als Darstellung" an der Universität Hildesheim vom 14. - 16. 12. 2000

Seit 1995 besteht das Graduiertenkolleg der Universität Hildesheim. In monatlichen Treffen tauschen sich Stipendiaten, Kollegiaten und Professoren über ihre Forschungsarbeit aus, dabei verbindet das Kolleg auf einzigartige Weise den medien- und theaterwissenschaftlichen Bereich mit der Philosophie und den Sozialwissenschaften. Im Rahmen der Tagung werden die Forschungsergebnisse einer größeren Öffentlichkeit präsentiert.

Der Begriff Authentizität ist in den Medien zum Modewort geworden. Nach Talk-Shows, in denen sich 'echte' Menschen über ihre 'wirklichen' Probleme unterhalten, können wir nun 'echten' Seriendarstellern zuschauen, die uns in ihrem Container - glaubt man dem Titelsong von Big-Brother - vor allem zeigen, wie sie wirklich sind.
Warum macht in den Medien ein Begriff von Unmittelbarkeit Mode, der dort im Grunde nie erreicht werden kann? Denn gerade Big-Brother ist sorgfältiger inszeniert als alle anderen Serien, entscheiden doch die RTL-Regisseure, was vom 24-Stunden-Tag in der Sendung übrig bleibt.
Verständlich werden solche Paradoxien erst dann, wenn man Authentizität als Form, Resultat bzw. Effekt medialer Darstellung begreift, Authentizität ist somit nie etwas gegebenes, sondern immer schon vermittelt.
Die Beiträge der Tagung zeigen, wie dieses Authentizitätsparadox einer vermittelten Unmittelbarkeit in den verschiedensten Gegenstandsbereichen verhandelt wird. Dabei geht es um die Konstruktion von 'wahren Fiktionen' in der populären Kultur und im Gegenwartstheater, um die Inszenierung von Geschlecht auf der Bühne und im Film sowie um die Konstruktion von Autorschaft im Film und Theater. Der Begriff gerät zudem historisch in den Blick, wenn verschiedene Authentizitätskonzepte in den Dialog treten oder überraschende Analogien zwischen dem Reden über göttliche Erleuchtung von Asketen der Nachantike und der metaphorischen Rede vom Rauschen der analogen und digitalen Medien zutage treten.
Die Vielzahl der Ansätze spiegelt die Interdisziplinarität des Graduiertenkollegs "Authentizität als Darstellung". Der Begriff gerät darin aus film- und theaterwissenschaftlicher, soziologischer, philosophischer und populärwissenschaftlicher Perspektive in den Blick, verschiedene Methoden und Disziplinen treffen fruchtbar aufeinander.
In der Tagung "Spielarten von Authentizität" werden Ergebnisse des Graduiertenkollegs zueinander in Beziehung gesetzt und zur Diskussion gestellt. Die dialogische Konzeption der Vorträge veröffentlicht aber auch ein Stück vom wissenschaftlichen Arbeitsprozess. Die Jahrestagung zeigt ein gegenwärtiges Resumée der Forschung rund um einen schillernden Begriff, der seit einiger Zeit in unserer Alltagssprache Einzug hält.

Ansprechparter ist Prof. Dr. Jan Berg. Fon: 05121/883730. E-Mail: gradkoll@rz.uni-hildesheim.de
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