Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 25. Oktober 2014 

Qualitätssicherung erfordert mehr als "Der Kunde ist König"

15.12.2000 - (idw) Universität Dortmund

Lebhafte Diskussionen über Qualitätsmanagement und Logistik kennzeichneten in dieser Woche einen Besuch von Staatssekretär Dr. Alfred Tacke als dem Berliner Wirtschaftsministerium bei Dortmunder Forschern und Unternehmen.


Experten beim Qualitätsspiel Wie kann das Qualitätsmanagement verbessert werden, damit kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gegen Großunternehmen bestehen können? Wie können KMU's aller Branchen nützliche Forschungsergebnisse zum Thema Qualität, Logistik und Mitarbeitermotivation zum eigenen Nutzen verwerten?
Diese Fragen boten heißen Diskussionsstoff anläßlich des Besuchs von Dr. Alfred Tacke, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) bei der Dortmunder Initiative zur rechnerintegrierten Fertigung e.V. (RIF) und dem Lehrstuhl für Qualitätswesen in der Fakultät Maschinenbau an der Universität Dortmund. Der Staatssekretär war am Mittwoch (13. Dezember) in den Dortmunder Technologiepark gekommen, um sich über die Forschungsprojekte zu informieren, die sein Ministerium durch die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) bei der Dortmunder Forschungsstelle fördert.

Forschungsvorhaben zur Qualitätssicherung
Spannende Projektergebnisse wurden ihm dabei von Professor Horst-Artur Crostack, dem Fraunhofer-Institut für Materialfluß und Logistik, der Bundesvereinigung Logistik und der Forschungsgemeinschaft Qualität e.V. vorgestellt. Hautnahe betriebliche Erfahrungen brachten die Firmen Busch-Jäger-Elektro (Lüdenscheid) und Nord-West-Color (Dortmund) in die Diskussion ein. "In der Fotolaborbranche ist die Geräteausstattung bei allen weitgehend gleich, deshalb ist die Mitarbeitermotivation ein bedeutender Erfolgsfaktor im Wettbewerb", berichtete Peter Peisert von der Firma Nord-West-Color. Durch ein Forschungsvorhaben habe man diese so steigern können, daß Krankenstand und Reklamationen deutlich sanken und Qualitätskennziffern ebenso deutlich stiegen. "Wir hatten Erfolg, weil bei uns Qualitätsmanagement sich nicht auf Parolen wie 'Der Kunde ist König' beschränkt", erläuterte Peisert.
Von diesen und anderen Dortmunder Forschungsergebnissen zeigte sich der Staatssekretär beeindruckt. Die Bedeutung von Qualität für den Wirtschaftsstandort Deutschland allgemein, besonders aber die Zukunftsfähigkeit innovativer kleiner und mittlerer Ruhrgebietsunternehmen blieb in der Diskussion unumstritten. Vor dem Hintergrund der Ausweitung von E-Commerce und der steigenden Bedeutung der Logistik kam die Problematik in einen aktuellen Fokus. KMU's aus unterschiedlichen Branchen schließen sich immer häufiger zu strategischen Allianzen und 'virtuellen Unternehmen' zusammen, um der Großindustrie Konkurrenz machen zu können. Doch die Umsetzung von Qualitätsstandards in die betriebliche Realität ist manchmal problematisch.
____________________________________________________________
Tacke: Lernen durch Internet und Intranet

Während Großunternehmen oft eine Stabsstelle für Qualitätssicherung haben, muss in kleineren Betrieben jeder bei der Qualitätssicherung an einem Strang ziehen, vom Chef bis zum Facharbeiter. Wie man das am besten erreicht, finden die Forschungsprojekte heraus. Doch wie kann man sicherstellen, dass viele Firmen sich diese Ergebnisse zu Herzen nehmen und im Betrieb effektiv umsetzen? "Ich sehe dabei eine besondere Rolle für das netzbasierte Lernen durch das Internet", betonte Staats-sekretär Dr. Alfred Tacke.

Seine Anregungen wurden von den Forschern gern aufgenommen. Zwei Projektpräsentationen gaben der Diskussion hierzu weitere Nahrung: Ein neues Qualitätsmanagement-Dokumentationssystem auf dem Intranet und das für die Mitarbeiterschulung entwickelte Unternehmensplanspiel "Q-Key" "Es ist gut, für Forschung und Unternehmen, solch einen fruchtbaren Austausch mit der Politik zu haben und im kleinen Kreis Meinungen auszutauschen zu Querschnittsthemen, die uns alle drücken - egal welche Branche wir vertreten. Dies wird immer dringender," sagte Dr. R.-J. Ahlers von der Forschungsgemeinschaft Qualität e.V. Auch Dr. J. Schöttler vom BMWi zeigte sich hochzufrieden mit den Ergebnissen des Tages: "Wir haben viele Anregungen bekommen zu Themen, die nun in allen Unterneh-men pressieren. Das möchten wir nun so schnell wie möglich weitervermitteln." Der Staatssekretär nahm vor allem eines mit auf den Weg: "Das Ministerium wird seinen Beitrag dazu leisten, die Bedeutung von Qualitätsmanagement, Logistik und E-Commerce in kleinen und mittleren Unternehmen zu verbreiten".


Bildzeile:
Experten für Qualitätssicherung trafen sich am 13. Dezember an der Universität Dortmund: Prof. Dr.-Ing. Klaus Heinz, Staatssekretär Dr. Alfred Tacke, Prof. Dr.-Ing. Horst-Artur Crostack, Klaus Epe von der Firma Busch-Jaeger-Elektro in Lüdenscheid sowie J. Decker von der Bundesvereinigung Logistik in Bremen und der Vorstandsvorsitzende der Forschungsgemeinschaft Qualität in Frank-furt, Dr. R. J. Ahlers. (Foto: Wolfgang Herzberg)
uniprotokolle > Nachrichten > Qualitätssicherung erfordert mehr als "Der Kunde ist König"

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/66711/">Qualitätssicherung erfordert mehr als "Der Kunde ist König" </a>