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Kunsthistoriker erschließen einen Schatz der Zeichenkunst

25.09.2002 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Im Jahr 1859 gelangte die Kunstsammlung des aus Würzburg stammenden Malers und Bildhauers Martin von Wagner in den Besitz der Universität Würzburg. Dieser Nachlass birgt einen der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Schatz, nämlich etwa 11.000 Handzeichnungen, darunter circa 3.000 italienische, zum Teil sehr bedeutende Blätter aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Diese Werke werden jetzt unter der Leitung des Kunsthistorikers Prof. Dr. Stefan Kummer wissenschaftlich erschlossen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt.


Der aus Würzburg stammende Maler und Bildhauer Martin von Wagner im Alter von 59 Jahren. Dieser Kupferstich von 1836 stammt von Karl Gotthelf Küchler und befindet sich im Martin von Wagner-Museum der Universität Würzburg.
Zwei Künstler zeichnen bei Lampenlicht nach Statuetten. Lavierte Federzeichnung eines Künstlers aus dem Umkreis des Pier Leone Ghezzi. Diese und andere römische Barockzeichnungen werden in Würzburg im Rahmen eines Forschungsprojekts erschlossen. Die Hauptmasse des Zeichnungsbestandes setzt sich aus Wagners eigenhändigen Zeichnungen sowie aus Blättern zusammen, die er aus dem Nachlass seines Vaters, des Bildhauers Peter Wagner, geerbt hatte. Die italienischen Zeichnungen sind die eigentliche persönliche Sammlung des Künstlers: Wagner hat sie im Laufe von fast 50 Jahren in Rom zusammengetragen. Dort lebte er von 1810 bis 1858 als Kunstagent und -berater des bayerischen Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I. Innerhalb der italienischen sind die römischen Zeichnungen des 17. und 18. Jahrhunderts mit 600 Blatt die größte zusammenhängende Gruppe.

Martin von Wagners Tätigkeit als Kunstagent ist in den vergangenen Jahren erforscht worden: Im Auftrag des Königs gelangen ihm bedeutende Antikenankäufe vor allem aus römischen Adelssammlungen. Einen großen Teil der heute in der Münchener Glyptothek verwahrten antiken Skulpturen hat Wagner in Rom erworben.

Auch seine bildhauerischen Arbeiten, besonders sein Hauptwerk, den großen Fries in der Walhalla bei Regensburg, hat die kunstgeschichtliche Forschung bereits vor Jahren in den Blick genommen. Dagegen sei die Zeichnungssammlung des Künstlers bisher kaum beachtet worden, wie Projektmitarbeiter Dr. Stefan Morét sagt.

In der vor allem aus Künstlern und Gelehrten bestehenden deutschen Gemeinde im Rom der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Martin von Wagner eine Institution. Umso mehr müsse es verwundern, so Dr. Morét, dass Wagner sich offenbar nicht für die Werke seiner in Scharen nach Rom strömenden Künstlerkollegen interessierte: Kein einziges Beispiel der seinerzeit hoch entwickelten nazarenischen Zeichenkunst - etwa eines Overbeck, Cornelius oder Schnorr von Carolsfeld - fand Eingang in seine Sammlung. Stattdessen konzentrierte sich seine Sammeltätigkeit auf Werke der eben vergangenen Epoche, nämlich auf die Barockzeit vom späten 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

Das Forschungsprojekt am Würzburger Lehrstuhl für Kunstgeschichte verfolgt zwei Ziele: Zum einen wird ein wichtiger Kernbestand der Sammlung, die Zeichnungen des römischen Barock, erstmalig durch einen wissenschaftlichen Bestandskatalog erschlossen. Dabei werden die einzelnen Blätter mit den Methoden der Zeichnungsforschung untersucht.

Zum zweiten wird auf der Basis dieses Katalogs das Profil der Wagnerschen Zeichnungssammlung erforscht: Es geht um die Vorlieben Wagners als sammelnder Künstler, seine Erwerbungsstrategien auf dem römischen Kunstmarkt und somit um seinen Geschmack und seine Kunstanschauungen. Hierfür achten die Kunsthistoriker besonders auf die oft durch Sammlerstempel oder spezielle Kennzeichnungen erkennbare Herkunft einer jeden Zeichnung.

All diese Informationen werden mit den im Martin-von-Wagner-Museum der Uni Würzburg sowie im Staatsarchiv in München reichlich vorhandenen Archivalien zu Wagner kombiniert. Die Forschungen von Stefan Morét sollen mit einer umfassenden Ausstellung der römischen Barockzeichnungen der Sammlung Wagner abgeschlossen werden. Ferner ist geplant, die Zeichnungen zu einem späteren Zeitpunkt im Internet zu präsentieren.

Weitere Informationen: Dr. Stefan Morét, T (0931) 888-5576, Fax (0931) 888-4617

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