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Peter Flury ist tot

10.01.2001 - (idw) Bayerische Akademie der Wissenschaften

Der an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften beheimatete Thesaurus linguae Latinae hat seinen Generalredaktor verloren. 27 Jahre - länger als jeder seiner Vorgänger - hat Dr. Peter Flury die Verantwortung für die Arbeit an diesem weltweit einzigartigen Wörterbuch des antiken Lateins getragen.

Mit einem Höchstmaß an persönlichem Einsatz sorgte er dafür, dass das bekannte Lexikon, das die Fundamente der europäischen Kultur aufarbeitet und seit 52 Jahren als internationales Gemeinschaftsprojekt besteht, zu einem Muster von Verlässlichkeit und Effektivität geworden ist: Wenn man wissen möchte, in welchem Zusammenhang ein lateinisches Wort verwendet worden ist, wie es sich in der Antike entwickelte und welcher Autor es wie in seine Texte einfließen ließ, dann benützt man weltweit den Thesaurus linguae Latinae. Dabei kann man sich bei den in der Ära Flury erschienenen Bänden noch mehr als früher auf zuverlässige Information verlassen - und trotzdem kam das große Werk unter seiner Führung in eindrucksvoller Stetigkeit voran.

Der Schweizer Peter Flury, der seine Doktorarbeit über die antike Komödie ("Liebe und Liebessprache bei Menander, Plautus und Terenz") geschrieben hat und von 1966 bis 1969 als Stipendiat ein erstes Mal Thesaurus-Luft geschnuppert hatte, übernahm am 1. April 1974 die Verantwortung für dieses mittlerweile von 26 Akademien und wissenschaftlichen Gesellschaften aus 19 Ländern getragene Unternehmen. Er selbst brachte viele hunderte Spalten des beim Buchstaben "P" angelangten Wörterbuches in die endgültige Form; vor der Drucklegung kritisch gelesen hat er praktisch alles, was in seiner Amtszeit publiziert worden ist. Mit hoher wissenschaftlicher Kompetenz und großem persönlichen Einsatz führte Peter Flury das lexikographische Großunternehmen erfolgreich in das Computer-Zeitalter. Bei alldem trat der am 8. Juni 1938 in Graubünden geborene Sohn eines protestantischen Pfarrers stets gerne hinter dem Werk zurück. Beeindruckend auch, wie er neben seinem immensen Arbeitspensum immer noch Zeit und Kraft zu mannigfaltiger sportlicher und musikalischer Betätigung gefunden hat.

Am 5. Januar 2001 verstarb Dr. Peter Flury nach schwerer Krankheit. Seine Sorgfalt, sein Wissen, seine Erfahrung und seine menschliche Größe werden dem Thesaurus linguae Latinae und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften fehlen.
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