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Netzwerk zur Verbindung von Wissenschaft und Schulpraxis

11.01.2001 - (idw) Universität Kassel

Universität Gesamthochschule Kassel richtet ein "Zentrum für Lehrerbildung ein".

Kassel. In der Universität Gesamthochschule Kassel gibt es seit Mai 2000 ein Zentrum für Lehrerbildung (ZLB). Zum neuen Vorsitzenden des Zentrums ist der Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Heinrich Dauber gewählt. Ziel der neuen Einrichtung ist eine an Themen und Projekten orientierte Vernetzung der verschiedenen mit Lehrerbildung befassten Institutionen vor allem in der Region:
- der Universität mit ihren Fachbereichen und fachbereichsübergreifenden Organisationen,
- der Studienseminare,
- der Lehrerfortbildung,
- aber auch der Schulen, Schulämter, Schulverwaltungsämter,
- und nicht zuletzt des Wissenschaftlichen Prüfungsamtes.
Mit ihrem Konzept, Schul- und Unterrichtsforschung mit praxisbezogener Lehrerbildung zu verbinden, hat die GhK seit ihrer Gründung besondere Akzente gesetzt. Dieses Modell wurde erfreulicherweise 1995 in die landesweit geltende Prüfungsverordnung übernommen. Das Ziel einer professionellen beruflichen Identität für Lehrerinnen und Lehrer erfordert aber über die Universität hinaus Kooperation zwischen den Institutionen der Lehrerbildung, die durchaus heterogene Lern- und Ausbildungskulturen aufweisen.
Ein erster Schritt war eine Tagung zur Arbeitsplanung im Juni vergangenen Jahres in Germerode (Werra-Meißner-Kreis). Hier trafen sich Fachleute für Lehrerbildung aus der Region, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende, Lehrerinnen und Lehrer, Vertreter der Schulämter, des HeLP, des Kultusministeriums und stellten - wie zu erwarten war - fest, dass es eine Menge Themen gibt, an denen sich gemeinsam zu arbeiten lohnt. Trotz der unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen von Lehrerbildung in der 1. Phase (Universität), der 2. Phase (Studienseminare) sowie der 3. Phase (Lehrerfortbildung) ist es außerordentlich sinnvoll, wenn zwischen diesen Bereichen nicht Abschottung sondern Kooperation vorherrscht. Dabei sind Probleme wie auch Reformansätze aus der Schulpraxis für die Wissenschaft bedeutsam, wie aus der Wissenschaft entwickelte Innovationen nicht warten sollten, bis eine nächste Generation von Lehrerinnen und Lehrern sie in die Schulen tragen kann.
Infolge der Impulstagung in Germerode etablierten sich mittlerweile nicht weniger als 16 Projektgruppen des ZLB. Sie befassen sich zum Beispiel mit
- Reform der Staatsprüfungen,
- neuen Ansätzen der Primarstufen-Mathematik in allen drei Phasen,
- Schulung von Ausbildungsbeauftragten,
- einer Landkarte von Schulentwicklungsprojekten,
- Begleitforschung für Versuchsschulen in Nordhessen,
- einer institutionsübergreifenden Zeitung,
- Pilotversuchen mit neuen Praktikumsformen für Studierende,
- praxisbezogenem Einsatz neuer Medien in Studienwerkstätten.
Unterstützt wird dieser Vernetzungsprozess durch die Organisation des ZLB: einen Zentrumsrat mit 24 Mitgliedern, einen Zentrumsvorstand mit acht Mitgliedern und eine Geschäftsstelle. Als wichtiges Kommunikationsforum soll auch das Internet genutzt werden: Für Informationen und Kontakte wurde eine Homepage des ZLB eingerichtet, die künftig über dem Austausch von Informationen und der Vermittlung von Kontakten dienen soll.
"Wir haben mit einem Rahmenkonzept begonnen, das schrittweise und praxisnah von allen Beteiligten und Interessierten mit Inhalten gefüllt werden wird", formulierte Heinrich Dauber das offene Angebot der neuen Einrichtung.
Obwohl das ZLB der GhK mit dieser Konzeption eine Besonderheit darstellt, sind ähnliche Einrichtungen mittlerweile an vielen Universitäten verbreitet. Vor allem in Nordrhein-Westfalen wurde in den letzten Jahren eine Reihe von Zentren für Lehrerbildung eingerichtet - allerdings mit massiver Unterstützung der Landesministerien. Auch die vier anderen hessischen Universitäten sind hier organisatorisch aktiv, an einem landesweiten Erfahrungsaustausch fehlt es allerdings noch.
Der anstehende Generationswechsel in der Lehrerschaft sowie der Innovationsbedarf in den Schulen sind Ursachen dafür, dass Lehrerbildung wieder Konjunktur hat. Steigende Studierendenzahlen an der GhK in diesem Bereich, eine erfreuliche Zunahme von Forschungs- und Entwicklungsprojekten, die sich auf Schule und Unterricht beziehen, sowie ein deutliches Interesse aus dem Schulbereich an wissenschaftlicher Fortbildung sind manifeste Anzeichen hierfür.
Mit wachsamem Interesse verfolgt der Vorstand des ZLB die mit der geplanten Einrichtung eines Landesamts für Lehrerausbildung eingeleitete Zentralisierung von Lehrerausbildungsfunktionen in Hessen. "Unser Ansatz bezieht sich auf regionale Vernetzung. Die bisherigen Erfahrungen bestätigen die Praktikabilität dieses Ansatzes. Das HeLP ist ein verlässlicher Kooperationspartner für uns geworden, unsere nächste Jahrestagung werden wir in der Reinhardswaldschule in Fuldatal (Landkreis Kassel) haben. Eine Zentralisierung von Aufgaben der Lehrerausbildung auf der Schulseite in einem Landesamt in Frankfurt wird sicher eine Reihe von gewachsenen regionalen Kooperationsbeziehungen für das ZLB beeinträchtigen. Was wir dafür an Neuem bekommen, ist gegenwärtig noch nicht erkennbar. Bedauerlich ist auf jeden Fall, dass wichtige Stellen aus Nordhessen nach Frankfurt umgesetzt werden sollen", sagte Professor Dauber.
Wer Interesse an näheren Informationen über das Zentrum für Lehrerbildung der GhK hat, kann sich an die Geschäftsstelle wenden: Mönchebergstr. 17, 34109 Kassel, Telefon: 0561/804-2324, Fax: 0561/804-3169, oder sich über die Homepage informieren: www.uni-kassel.de/zlb/

p/jb

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