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Defizite bei Arzneimittelprüfungen in der Pädiatrie

19.01.2001 - (idw) Philipps-Universität Marburg

Internationales Symposium am 9. und 10. Februar in Marburg über klinische Studien im Kindesalter

Etwa zwei Drittel aller Arzneimittelanwendungen in der Kinderheilkunde erfolgen ohne formale Zulassung bezüglich Alter, Dosierung und Darreichungsform. Die Ärzte sehen sich daher häufig gezwungen, Kindern und Jugendlichen Medikamente zu verschreiben, die ausschließlich für Erwachsene zugelassen sind. Auf diesen Missstand hat der Direktor der Universitäts-Kinderklinik in Marburg, Professor Hannsjörg Seyberth, in jüngster Zeit wiederholt aufmerksam gemacht und klinische Studien gefordert, um die Arzneimittelsicherheit im Kindesalter zu verbessern.

Am 9. und 10. Februar 2001 findet im Marburger Sorat-Hotel ein interdisziplinäres Symposium zum Thema "Kinder in klinischen Studien - Grenzen medizinischer Machbarkeit?" statt. Veranstalter sind das Zentrum für Kinderheilkunde der Marburger Philipps-Universität und die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e.V., in der Professor Seyberth Vorsitzender der Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter ist. Aktueller Anlass ist die im vergangenen Dezember vom Europaparlament und vom Europarat verabschiedete neue Richtlinie zur Durchführung klinischer Studien, die künftig auch klinische Studien bei Kindern ermöglicht. Für die Umsetzung müssen in den einzelnen Ländern praktikable Wege gesucht werden. Das Thema soll in den nächsten Tagen auch den Bundestag beschäftigen.

Während des Marburger Symposiums sollen die besonderen Probleme einer kindgerechten Arzneimittelanwendung von Vertretern aus der Pädiatrie, der klinischen Pharmakologie, der Psychologie, der Rechtswissenschaften, der Ethik und der Politik erörtert werden. Dabei sollen nicht zuletzt die entwicklungsabhängigen physiologischen und psychologischen Bedingungen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen besondere Berücksichtigung finden. Außerdem sollen die juristischen und ethischen Rahmenbedingungen für solche klinischen Studien innerhalb der EU einer kritischen Revision unterzogen werden. Experten aus Frankreich, Großbritannien, Österreich und den USA werden ihre internationalen Erfahrungen in die Diskussion einbringen.

Der Diskurs soll nach den Worten von Professor Seyberth Anregungen dazu geben, wie eine Öffnung zu mehr Arzneimittelprüfungen bei Kindern geregelt werden muss, "damit ausschließlich das Wohl der Kinder als absolut übergeordnetes Ziel erhalten bleibt und dennoch eine dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechende Pharmakotherapie in der Pädiatrie optimiert wird".

Weitere Informationen unter Tel.: 06421/2866228 oder 2866229
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