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Deutliche Schwächung der deutschen Sportwissenschaft

19.01.2001 - (idw) Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft

Die Entscheidung des BMI zur Zukunft des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) schwächt die deutsche Sportwissenschaft und läutet die Abkehr vom Prinzip einer humanen Spitzensportförderung ein.

Bundesinnenminister Otto SCHILY hat nach Erörterungen im Sportausschuß des Deutschen Bundestages am Mittwoch über die Zukunft und Umstrukturierung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) entschieden. Zentraler Punkt ist dabei die Verlagerung des BISp vom jetzigen Standort in Köln nach Bonn in die Liegenschaft des Statistischen Bundesamtes, mit dem das BISp eine Verwaltungsgemeinschaft eingehen wird.

Durch diese Standortverlagerung und die begleitenden Maßnahmen wird die Leistungsfähigkeit des BISp und damit unweigerlich auch die Leistungsfähigkeit der gesamten deutschen Sportwissenschaft deutlich geschwächt! Durch Herauslösung des BISp aus dem Verbund sportwissenschaftlicher Einrichtungen am Standort Köln (so z.B. Deutsche Sporthochschule, Trainerakademie, Olympiastützpunkt) können die bisherigen Synergieeffekte nicht mehr genutzt werden. Die vom BMI formulierte Funktion des BISp als "Scharnier zwischen Wissenschaft, Staat und Praxis" ist damit kaum noch zu erfüllen!

Dieses wird durch den massiven Personalabbau noch verstärkt: Von ursprünglich etwa 60 Personalstellen sollen nach dem Umzug nach Bonn dem BISp nur noch 25 Stellen erhalten bleiben. Es ist zu fragen, wie das BISp seine Kernaufgabe, die Förderung, Koordinierung und den Transfer sportwissenschaftlicher Forschung für den Spitzensport, mit dieser schmalen Personaldecke weiterhin erfüllen soll.

Bundesinnenminister Otto SCHILY hat zudem bei der Benennung der künftigen Aufgaben des BISp wesentliche Bereiche des Sports ignoriert: So wird mit keinem Wort die Berichterstattung über die bedeutende soziale Funktion des Sports und die darauf bezogene Forschung als Aufgabe des BISp genannt! Eine stärkere Hinwendung zu den Naturwissenschaften, insbesondere zur (Anti-)Dopingforschung, die durch den Erlös aus dem Verkauf der BISp-Liegenschaft in Köln mit mehr als 10 Millionen Mark in unverhältnismäßiger Höhe gefördert wird, kann nicht unwidersprochen bleiben. Um den spitzensportlichen Nachwuchs Deutschlands effizient zu fördern, ihn qualifiziert auszubilden und zu trainieren sowie verantwortungsbewußt zu betreuen, bedarf es auch umfassender Forschungsarbeiten im pädagogischen, sozial- und gesellschaftswissenschaftlichen Bereich! Diese hat das BISp bislang erfolgreich, z.T. auch ressortübergreifend, initiiert und koordiniert. Fiele dieser Bereich künftig weg, wäre dem Spitzensport die Basis genommen und die Abkehr vom Prinzip einer humanen Spitzensportförderung eingeläutet.

Die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft, der Berufsverband der deutschen Sportwissenschaft, hat in der Vergangenheit mehrfach zu den künftigen Aufgaben des BISp Stellung genommen und fordert den Bundesinnenminister nochmals auf:

- die bisherigen Aufgaben des BISp nicht zu beschneiden und einen ausreichenden Personalbestand zu garantieren,

- dem BISp die Aufgabe der Sozialberichterstattung des Sports weiterhin zuzuweisen und die hierzu notwendige sportwissenschaftliche Forschung zu fördern,

- die durch die Umstrukturierung eingesparten und durch den Liegenschaftsverkauf erlösten Mittel für die Förderung der Forschung aller Bereiche der Sportwissenschaft einzusetzen,

- durch geeignete infrastrukturelle Maßnahmen sicherzustellen, daß die Rolle des BISp als Kommunikationszentrum der deutschen Sportwissenschaft auch am neuen Standort in Bonn gewahrt bleibt.


Essen/Hamburg, den 19.01.2001

Prof. Dr. Werner Schmidt
Präsident der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft
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