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"National befreite Zone" Unwort des Jahres 2000

23.01.2001 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

Unwort des Jahres feiert 10-jähriges Jubiläum

FRANKFURT. Unwort des Jahres 2000 ist der rechtsextremistische Begriff national befreite Zone (auch: "zeckenfreie Zone"). Die Jury wählte damit einen Begriff, der auf zynische Weise Gebiete und Orte umschreibt, aus denen durch terroristische Übergriffe Ausländer und Angehörige anderer Minderheiten vertrieben wurden und die Einwohner durch Einschüchterung daran gehindert werden, sich offen gegen derartigen Terror zu wehren.

Als weitere besonders kritikwürdige Unwörter wertet die Jury der Unwort-Aktion:
- Überkapazitäre Mitarbeiter als eine sprachliche
Degradierung von Arbeitnehmern eines Schweizer Unternehmens, die nur noch nach ihrem (Un)Wert als nicht mehr gewinnbringende Betriebselemente eingestuft werden.
- Separatorenfleisch als Verschleierung von Fleischabfällen, die gerade in der aktuellen BSE-Krise mehr als nur gefahrlos genießbare Materie, sondern auch riskante Reste von infiziertem Material enthalten können, worüber die Wortbildung hinwegtäuscht, weil sie fachsprachliche Seriosität beansprucht.
- "Dreck weg!" als Parole der CDU Darmstadt, unter der in der ausführlichen Internetversion selbst nach öffentlichen Protesten und nach einer "Korrektur" weiterhin verschiedene Gruppen "unliebsamer" Menschen aufgeführt wurden.

Etwa 70 Prozent der über 2000 Einsendungen hatten eine deutliche Kritik am Begriff '(Deutsche) Leitkultur' gefordert; auch in der Jury wurde diese Ansicht geteilt. Sie sah in der Auseinandersetzung allerdings auch Chancen für eine fällige Diskussion über kulturelle Werte, die in Deutschland als unverzichtbar gelten soll(t)en. Ohne eine allgemeine Klärung dieser Fragen wäre der Begriff in der gegenwärtigen Diskussion um Einwanderung und Integration freilich in hohem Maße missverständlich und könne gefährliche Assoziationen eines deutschen Führungsanspruchs und einer Diskriminierung fremdkultureller Erscheinungen auslösen.

Diese Aspekte seien indes in der öffentlichen Diskussion des vergangenen Jahres bereits allgemein erörtert worden, und der Diskussion wäre durch eine Unwort-Rüge nichts mehr hinzuzufügen. Darum hielt es die Unwort-Jury für sinnvoll, auf Unwörter aufmerksam zu machen, die nur scheinbar weniger bedeutsam sind, aber sehr viel direkter die Menschenwürde in Zweifel ziehen und/oder einer Täuschung der Bevölkerung dienen.

(Ausführlichere Begründungen können unter den unten angegebenen Nummern bzw. dem Kennwort 'Unwort des Jahres' bei Prof. Schlosser, Senckenberganlage 27, PF 161, 60054 Frankfurt angefordert werden.)

Die Wahl eines "Unworts des Jahres" feierte in diesem Jahr ein kleines Jubiläum: sie war zum zehnten mal ausgeschrieben worden. Erstmals war zu dieser sprachkritischen Aktion 1991 aufgerufen worden.

Der Jury für das 'Unwort des Jahres' gehörten die vier ständigen (wissenschaftlichen) Mitglieder Prof. Margot Heinemann (Görlitz-Zittau), Prof. Albrecht Greule (Regensburg), Prof. Rudolf Hoberg (Darmstadt) und der Sprecher der Jury, Prof. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a.M.), an. Die beiden Vertreter der Sprachpraxis waren für die Wahl 2000 Dr. Petra Lidschreiber vom SFB Berlin und der Schweizer Schriftsteller und Journalist Dr. Ernst Nef aus Augwil-Lufingen.

Nähere Informationen: Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser, Fachbereich Neuere Philologien, Sprechwissenschaftlicher Arbeitsbereich, Telefon 069/798-22275 oder - 23114, Fax: 069/798-28332; E-Mail: schlosser@lingua.uni-frankfurt.de, Internet: http://www.unwortdesjahres.org
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