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Gustav Lienert und Friedhart Klix: DGPs-Ehrenpreis für zwei Nestoren der deutschen Psychologie

26.01.2001 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Jena (26.01.01) Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) hat erstmals einen Preis für das wissenschaftliche Lebenswerk verliehen. Er ging an den Erlanger Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Gustav Lienert (80) und an den Berliner Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Friedhart Klix (73). Das teilte heute DGPs-Präsident Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen, Entwicklungspsychologe an der Uni Jena, mit.

"Mit Lienert und Klix ehrt die Deutsche Gesellschaft für Psychologie zwei herausragende Wissenschaftler-Persönlichkeiten, die durch ihren unermüdlichen Einsatz und ihre bahnbrechenden Arbeiten einen nachhaltigen Einfluss auf unser Fachgebiet - in beiden Teilen Deutschlands - erzielt haben", so Silbereisen. "Sie prägten nicht zuletzt mit ihrem Engagement für die akademische Lehre ganze Generationen von Schülern." Der Preis für das wissenschaftliche Lebenswerk ist nicht dotiert.

Gustav Lienert, 1920 in Michelsdorf (heute CSR) geboren, promovierte an der Universität Wien 1950 in Medizin und 1952 in Psychologie und habilitierte sich 1961 an der Universität Marburg. Seine erste Professur erhielt er in Hamburg, wechselte 1964 nach Düsseldorf und lehrte von 1974 bis zu seiner Emeritierung 1986 an der Universität Erlangen-Nürnberg. Bereits frühzeitig widmete sich Lienert einem biologisch-medizinisch orientierten Ansatz und gilt heute als Mitbegründer und Nestor dieser experimentellen Richtung in der modernen Psychologie.

In der Psychopharmakologie analysierte er mit wegweisenden Versuchen die unterschiedlichen Wirkungsweisen von Medikamenten auf Individuen. Sein Buch "Testaufbau und Testanalyse" wurde zu einem Standardwerk, ebenso wie zahlreiche von ihm entwickelte Testverfahren. Zugleich sorgte Lienert in der Intelligenzforschung für eine schärferes methodologisches Bewusstsein. Seine so genannte Konfigurationsfrequenz-Analyse zur Auswertung von Datensätzen zählt zu den Meilensteinen für die psychologische Methodik und ist auch in Nachbardisziplinen wie Medizin und biometrische Grundlagenforschung eingegangen.

Friedhart Klix, 1927 im sächsischen Friedersdorf geboren, studierte Psychologie und Mathematik an der Humboldt-Universität Berlin. Nach Promotion und Habilitation arbeitete er dort als Assistent und Dozent, bevor er den Ruf auf eine Professur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena annahm. 1962 kehrte er an seine Berliner Heimat-Universität zurück, wo er über 30 Jahre lang, bis nach der politischen Wende, lehrte. Klix erwarb sich einen Ruf als führender Theoretiker der Kognitionstheorie und wurde mit seinen Arbeiten weit über die damalige DDR hinaus bekannt.

In seinem Buch "Information und Verhalten" verwandte er systemtheoretische Überlegungen aus der Kybernetik, um psychische Prozesse zu erklären. Daneben befasste sich Klix - auch noch nach seiner Emeritierung - mit evolutionsbiologischen Fragestellungen, wie sich kognitive Strukturen im Gehirn des Menschen entwickelt haben: "Erwachendes Denken" (1993) und "Wege und Irrwege der Menschartigen" (1998) sind bedeutsame Publikationen zu diesem Themenfeld.

Friedhart Klix leistete wichtige experimentelle Arbeiten zur Psychologie des menschlichen Gedächtnisses, die von der großen Zahl seiner Schüler fortgeführt werden. Allein 27 Habilitationen betreute er während seiner Ägide als Institutsdirektor an der Humboldt-Universität. Klix, der in Salzburg und Dresden ehrenpromoviert wurde, unterstützte sehr die Bemühungen, die Psychologie in West und Ost nach der politischen Wende wieder zusammenzuführen.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie
Tel.: +49(0)3641-945200
Fax: +49(0)3641-945202
Email: Rainer.Silbereisen@rz.uni-jena.de
http://www.dgps.de
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