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Untersuchung zum Privatisierungsgrad der Schulfinanzierung

29.01.2001 - (idw) Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung

Pressemitteilung

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Engpasssituation in den öffenlichen Haushalten und der Dezentralisierung der Ressourcenverantwortung wird den Schulen in den letzten Jahren eine aktivere Rolle bei der Mittelaufbringung abverlangt. Verstärkt hat sich vielerorts auf sie der Druck, zusätzliche Finanzierungsquellen zu erschließen: durch "fund raising", die Einwerbung von Sponsorengeldern und die Erzielung von Erlösen aus Marktaktivitäten.
Im Rahmen einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten und vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung und der Universität Erfurt durchgeführten Untersuchung wurde der Frage nachgegangen, in welchem Umfang staatliche Schulen die öffentliche "Finanzmisere" sowie die inzwischen gesetzlich gewährten Freiräume zum Anlass nehmen, zusätzliche private Mittel zu akquirieren. Mit Hilfe standardisierter Fragebogen wurde Art, Umfang und Verwendung von privaten Drittmitteln an öffentlichen allgemein bildenden Schulen (ohne Sonderschulen) im gesamten Bundesgebiet für die Schuljahre 1996/97, 1997/98 und 1998/99 erhoben.

Von den in die Stichprobe einbezogenen Schulen (3410) antworteten 67,3%. Aufgrund der Antworten ist nach Angaben der Schulleitungen davon auszugehen, dass etwa die Hälfte der Schulen in der Bundesrepublik (53,7%) über keinerlei nennenswerte Drittmitteleinnahmen verfügen. Westdeutsche Schulen (50%) werden gegenüber den ostdeutschen Schulen (35%) häufiger finanziell unterstützt. Des Weiteren gelingt es den Gesamtschulen (62% West) und den Gymnasien (56% West bzw. 45% Ost) gegenüber den Grundschulen (49% West bzw. 34 % Ost), den Hauptschulen (49% West) oder den kombinierten Haupt-Realschulen (32% Ost) häufiger private Drittmittel zu akquirieren. Der Anteil der Schulen mit privaten Einnahmen bleibt damit, so lässt sich konstatieren, deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Sofern die Schulen Drittmittel erhielten, beliefen sich die privaten Zuwendungen der Schulen im Durchschnitt auf 4 250 DM (Median). Dieser Betrag umfasst die durch Fördervereine zur Verfügung gestellten Mittel, Elternspenden, Spenden- und Sponsorengelder privater Organisationen sowie geldwerte Sachleistungen. Hinter diesem Wert verbergen sich mit einer Spannweite von knapp
260 000 DM beträchtliche Unterschiede zwischen den befragten Schulen.

Erhebliche Disparitäten beim Aufkommen an privaten Mitteln zeigen sich im Vergleich der westdeutschen und ostdeutschen Schulen, zum andern im Vergleich der Schularten. Mit durchschnittlich knapp 5 200 DM bzw. 16 DM je Schüler standen den westdeutschen Schulen gut drei Mal mehr Drittmittel zur Verfügung als den ostdeutschen Schulen.
Deutlich wird beim Schulartenvergleich eine relative Besserstellung von Gymnasien und Gesamtschulen gegenüber Grundschulen, Hauptschulen und Realschulen. Während beispielsweise den Gymnasien 16 250 DM (West) bzw. 9 900 DM (Ost) zur Verfügung standen, waren es für die Grundschulen lediglich 3 050 DM (West) bzw. 850 DM (Ost).
Bei dem nach Schularten differenzierten Pro-Kopf-Aufkommen liegen die Gymnasien mit knapp 22 DM (West) bzw. 9,50 (Ost) vor den Grundschulen (17,40 DM bzw. 5,20 DM) und den Gesamtschulen/West (15 DM) bzw. kombinierten Schulen/Ost (4,25 DM). Die westdeutschen Hauptschulen kommen gerade einmal auf einen durchschnittlichen Pro-Kopf-Betrag von 7,70 DM.

Mit knapp der Hälfte des Mittelaufkommens entfällt der größte Teil auf die Fördervereine, über ein Viertel macht der Wert der Sachleistungen aus, etwa jede siebte DM entstammt aus Elternspenden sowie aus Spenden- und Sponsorengelder privater Organisationen.

Vorrangige Verwendung finden die privaten Mittel sowohl zur Verbesserung der schulischen Ausstattung (Unterrichtsmedien, Lehrmittel, Computer und Programme) als auch zur Ausgestaltung des Schullebens (Schulfeiern und Veranstaltungen).

Kontaktadressen:

Prof. Dr. Manfred Weiß

Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Schloßstraße 29, 60486 Frankfurt am Main, Tel. (49-69) 2 47 08-207, Fax: (49-69) 2 47 08-444, E-mail: weiss@dipf.de

Prof. Dr. Horst Weishaupt
Universität Erfurt, Nordhäuser Straße 63, 99089 Erfurt, Tel. (49-361) 7 37 11 72,
Fax: (49-361) 7 37 19 50, E-mail: weishaupt@iaew.ph-erfurt.de
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