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TA-Akademie misst Zerschneidung der Landschaft

02.02.2001 - (idw) Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg ist nur noch ein Flickenteppich

Baden-Württemberg ist wesentlich stärker zerstückelt, als bisher angenommen. Mittlerweile existieren nur noch sechs zusammen-hängende Naturräume im Land, die größer als 100 Quadratkilo-meter groß sind und nicht durch Straßen oder große Bahnstrecken zerschnitten werden (vgl. Karte im Anhang). Das ergibt die Unter-suchung aktueller Landkarten mit Hilfe des neuen Zerschnei-dungskoeffizienten "effektive Maschenweite" (meff), den Jochen Jaeger an der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg (TA-Akademie) entwickelt hat.*

Der neue Index untersucht dabei die Wahrscheinlichkeit, dass sich zwei Tiere, zum Beispiel Dachse, in einem Gebiet begegnen kön-nen. "Je mehr Barrieren in die Landschaft eingefügt werden, um so geringer wird die Begegnungswahrscheinlichkeit", sagt Jaeger. Seine Untersuchung gemeinsam mit der Landesanstalt für Umwelt-schutz (LfU) zeigt, dass größere unzerschnittene Naturräume in Baden-Württemberg lediglich noch im Nordschwarzwald, auf der Schwäbischen Alb, im Schönbuch, entlang der Grenze zu Frank-reich und nördlich der Jagst bestehen.**

Auch Hohenlohe und Bodenseekreis sind stark zerstückelt

Am stärksten parzelliert sind neben den Stadtkreisen Mannheim, Stuttgart, Ulm, Karlsruhe, Konstanz und Heilbronn auch der eher ländlich strukturierte Bodenseekreis und der Raum Hohenlohe (vgl. Grafik im Anhang). Hier beträgt die effektive Lebensraum-größe in der Regel nur noch zwischen 1, 5 und 5 Quadratkilome-tern, ehe Schienen, Straßen oder auch natürliche Barrieren wie Flüsse und Seen die Ausbreitung und damit auch den genetischen Austausch der Tierpopulationen verhindern.
"Die Zerschneidung und Fragmentierung der Landschaft ist heute eine der wichtigsten Ursachen für den besorgniserregenden Arten-verlust in Mitteleuropa", so Jaeger. Als Beispiel nennt Jaeger das Strohgäu, eine typische Region im Landkreis Ludwigsburg, in der die Fläche, die einer Tierart effektiv als Lebensraum übrig geblie-ben ist, seit Beginn des Jahrhunderts von acht auf drei Quadratki-lometer abgenommen hat. Besonders betroffen davon sind nicht nur Kleinsäuger und Amphibien, sondern auch Vogelarten wie et-wa der Raubwürger, dessen Bestand sich innerhalb der letzen 30 Jahre von 900 auf landesweit 30 Brutpaare verringert hat.

Wichtiger Indikator für die Biologische Vielfalt

Deshalb gilt die "Effektive Lebensraumgröße" auch als ein wichti-ger Indikator für die Biologische Vielfalt. Doch auch so unter-schiedliche Problemfelder wie Wasserhaushalt, Landschaftsbild, Erholungswert und Kleinklima einer Region leiden unter den Zer-schneidungseffekten. Jaeger fordert deshalb, eine Trendwende bei der Zersiedlung der Landschaft zu erreichen.
Um die Datenlage zu verbessern analysiert die TA-Akademie der-zeit gemeinsam mit der Landesanstalt für Umweltschutz (LfU) und dem Institut für Landschaftsplanung und Ökologie der Universität Stuttgart (ILPÖ) auf der Grundlage historischer Karten die Aus-wirkungen der Landschaftszerschneidung im Land bis etwa 1930 zurück. Jäger hofft, dass die Ergebnisse Signalwirkung auch für andere Bundesländer haben werden, für die es solche differenzier-ten Untersuchungen derzeit noch nicht gibt. Die Daten für Grafik und Karte können bei der TA-Akademie abgerufen werden.

Ansprechpartner: Christian Leon, Tel. 0711/9063-170

E-Mail: christian.leon@ta-akademie.de


*Jochen Jaeger: Quantifizierung und Bewertung der Landschaftszerschneidung. Arbeitsbericht Nr. 167 der TA-Akademie, Dezember 2000.
Bestellbar (für Journalisten kostenlos) unter Fax-Nr. 0711/9063-299.


** Jochen Jaeger, Heide Esswein, Hans-Georg Schwarz von Raumer, Manfred Müller:
Landschaftszerschneidung in Baden-Württemberg - Ergebnisse einer landesweit räumlich differenzierten quantitativen Zustandsanalyse.
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