Wohin mit den Sterbenden? - Hospizbewegung im internationalen Vergleich05.02.2001 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen
Symposium auf Schloss Rauischholzhausen vom 8. bis 10. Februar 2001 Auf Einladung von Prof. Dr. Reimer Gronemeyer und eines Vorbereitungsteams findet vom 8. bis 10. Februar 2001 ein international besetztes Symposium zum Thema "Hospizbewegung im internationalen Vergleich" statt. Das Symposium wurde in enger Zusammenarbeit mit dem renommierten kalifornischen Medizinethiker Prof. Dr. Erich Loewy (Universität von Kalifornien, Davis) vorbereitet. Fachleute aus Wissenschaft und Praxis, die aus Polen, der Tschechei, der Slowakei, Italien, Österreich, Frankreich, den Niederlanden und aus Deutschland kommen, werden auf Schloss Rauischholzhausen erwartet. Praktiker aus Hospizvereinen und Palliativmediziner wollen die praktischen, ethischen, ökonomischen und philosophischen Fragen erörtern, die sich aus der Hospizbewegung ergeben. Zugleich dient das Treffen der Vorbereitung eines größeren internationalen Forschungsprojektes, das europaweit angelegt ist und in Verbindung mit Experten in den Vereinigten Staaten und Kanada konzipiert wird.
In den Ländern Europas und Nordamerikas hat ein großer demographischer Umbruch stattgefunden: Die Zahl der 'Hochaltrigen' nimmt ständig zu, zugleich zerbröckeln vielfach traditionelle Familienbindungen. Eine wachsende Zahl von Menschen verbringt dementsprechend ihre letzten Lebensmonate, -wochen oder -tage in Institutionen wie Pflegeheimen oder Krankenhäusern. Dort geraten oft Pflegende und Gepflegte in schwer erträgliche Lagen, Überforderung auf der einen Seite, das Empfinden, im letzten Augenblick des Lebens abgeschoben zu sein, auf der anderen Seite. Viele alte Menschen fürchten zudem nicht gewollte lebensverlängernde Maßnahmen, fürchten ein schmerzerfülltes leidvolles Lebensende. Welche Antwort geben die europäischen Gesellschaften heute auf diese Frage? Der Umgang mit Sterbenden gibt ja auch Auskunft über die Humanität einer Kultur. Wohin also mit den Sterbenden? Oder besser: Wie soll und kann mit ihnen umgegangen werden? In vielen Ländern wird seit längerem die Einrichtung von Hospizen und von ambulanten Hospizdiensten betrieben, teils auf der Basis von ehrenamtlichem Engagement, teils auch auf der Grundlage medizinischer und institutioneller Spezialisierung (Palliativmedizin). Die Institutionalisierung des Todes wirft indessen viele Fragen auf: Ist das Hospiz die resignierte Antwort einer Gesellschaft, die mit dem Thema Sterben überfordert ist und den Tod deshalb in eine Institution verbannt? Ist das Hospiz die angemessene und humane Antwort auf das 'unmögliche' Sterben in Krankenhäusern und das Verschwinden der familiären Schutzhütte? Wenn Hospize eingerichtet werden, drängen sich eine Reihe sehr drastischer und profaner Fragen auf: die Frage nach dem Geld, die Frage nach der Professionalität des Personals, die Frage nach Sterbehilfe etc. Das Symposium, das einem im Dezember 1999 veranstalteten Treffen folgt, soll diese Themen im Austausch mit Experten aus europäischen Ländern aufgreifen. Bisher ist die sich schnell entfaltende Hospizbewegung vor allem lokal orientiert gewesen. In einem zusammenwachsenden Europa kann sich auch die Hospizbewegung dem internationalen Dialog nicht entziehen. Dazu - so hoffen die Veranstalter - wird das Symposium einen Beitrag leisten können. Kontaktadresse: Prof. Dr. Reimer Gronemeyer Institut für Soziologie Karl-Glöckner-Str.21, Haus E 35394 Gießen Tel.: 0641/99-23205, 99-23206 oder 99-23201 Fax: 0641/99-23219 email: Hospizprojekt@sowi.uni-giessen.de
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