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Umzug der Bibliotheca Amploniana - Wertvolle Sammlung des 2. Rektors an die Universität zurück

30.09.2002 - (idw) Universität Erfurt

Der Umzug der wertvollen Sondersammlungen der Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt von dem Standort in der Michaelisstraße in die neue Universitätsbibliothek auf dem Campus wurde in dieser Woche erfolgreich abgeschlossen. Aufgrund der Einmaligkeit und Empfindlichkeit der kostbaren Bestände waren hierfür über einen normalen Umzug weit hinausgehende Anstrengungen erforderlich. Mehr als 1.000 Bände Handschriften und 40.000 Bände mit vor 1801 erschienen Drucken sind der Universität als Dauerleihgabe von der Stadt Erfurt übertragen worden.

Herzstück der Bestände bildet die Bibliotheca Amploniana, die in einzigartigem Umfang erhaltene Privatbibliothek eines mittelalterlichen Arztes und Gelehrten. Amplonius Rating de Berka (+ 1435) stiftete der damals neugegründeten alten Erfurter Universität ein Kolleg, ausgestattet mit Stipendien und seiner 633 Bände umfassenden Bibliothek. Nach Auflösung der Universität 1816 gelangte die inzwischen gewachsene Bibliothek in städtischen Besitz.
"Die vor acht Jahren wiedergegründete Universität Erfurt freut sich, mit dieser großartigen Stiftung des zweiten Rektors der alten Erfurter Universität an die große Tradition der Hochschule anknüpfen zu können", so Universitätspräsident Wolfgang Bergsdorf. "Mit der Unterbringung im Neubau der Universitätsbibliothek finden die Bücher beste konservatorische und sicherheitstechnische Bedingungen. Für die vielen Wissenschaftler aus aller Welt, die wegen dieser Schätze nach Erfurt kommen, sind mit den reichen Beständen an Forschungsliteratur der Universitätsbibliothek und einem attraktiven Sonderlesesaal beste Arbeitsbedingungen geschaffen." Man verspreche sich von den Gästen einen vielfältigen wissenschaftlichen Austausch, betonte der Präsident.

In den letzten Monaten wurde eine vollständige Revision der gesamten Sammlung durchgeführt und alle Handschriften, Inkunabeln und empfindlichen Druckschriften "konfektioniert". Hierbei wurden Kartonagen aus alterungsbeständigen Materialien maßgefertigt, sperrende Bücher "gebändigt" und zerfledderndes Kleinschrifttum in Mappen zusammengefasst. Hinzu kamen in großem Umfang Ordnungsarbeiten, da die Sammlung aufgrund ihrer etwas beengten Unterbringung über die Jahrzehnte mit sehr vielen Notbehelfen leben musste. Am Ende wurde alles ausgezählt und ausgemessen, um Umzug und Zielregalierung kalkulieren zu können. Für den Umzug der Handschriften kamen speziell gefertigte Klimakisten zum Einsatz, für die Druckschriften geschlossene Rollwagen aus Holz, um die klimatischen Schwankungen wegen der Empfindlichkeit der Objekte weitgehend auszuschließen.
Selbstverständlich sind Feuerwehr und Polizei in das Umzugsgeschehen eingebunden. Nach Abschluss der Räumarbeiten im Neubau werden die Bestände ab dem 7. Oktober wieder den Wissenschaftlern und interessierten Publikum im Sonderlesesaal vorgelegt, soweit konservatorische Belange bei einzelnen Stücken dem nicht entgegenstehen. Betreut wird die Sammlung weiterhin von schon viele Jahre mit ihr vertrauten Bibliothekarinnen und Restauratoren.
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