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"...weil er ein Anderer ist"

30.09.2002 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Wittener Pflegewissenschaftler fordert Dialog zwischen Philosophie und Pflege

"Mit Beginn des neuen Jahrhunderts hat sich offenbar die Auffassung durchgesetzt, dass die Leiblichkeit, das Leiden, das Altern, die einsetzende Unfruchtbarkeit, die abnehmende Potenz, der Herztod und die Sterblichkeit nicht mehr zwingend zur so genannten Natur des Menschen gehören", schreibt der Philosoph Martin W. Schnell, Professor für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke, in dem von ihm herausgegeben Band "Pflege und Philosophie". Was kann die Philosophie beitragen zu einer größeren Humanität des Umgangs mit alten und kranken Menschen? Der ungewöhnliche Ansatz des Bandes reizt zum Weiterlesen.
Die Antwort gibt Martin W. Schnell in seinem Beitrag "Ethik als Lebensentwurf und Schutzbereich". Ausgehend von der These, dass Ethik nie nur ein starres Modell von Regeln sein kann, die man auf einen Lebensbereich anwendet, regt Schnell einen Dialog an zwischen Philosophie und Pflegewissenschaften. Dieser Dialog sollte nicht mit von Vornherein fest verteilten Rollen geführt werden, sondern offen. Schnell versucht dem Leser zu verdeutlichen, dass per se jedes Verhältnis zu einem Anderen bereits ethisch ist, ob ich es will oder nicht. Denn der Andere, ein zu Pflegender sogar in besonderer Weise, nimmt mich "in Beschlag", im Positiven wie im Negativen. Zu einem Pflegebedürftigen kann ich mich nicht nicht ethisch verhalten. Selbst wenn ich ihn ablehne oder sein Leiden verachte, befinden ich mich immer noch in den Grenzen der Ethik. Schnell plädiert unter Rückgriff auf den französischen Philosophen Emmanuel Lévinas, sich dieses Verhältnisses bewusst zu werden und es bewusst zu gestalten. Sein Credo lautet: "Ich bin auf den anderen in ethisch bedeutungsvoller Weise bezogen, nicht weil er mein Freund oder Feind ist oder ein mir völlig Unbekannter, (...) sondern weil der ein Anderer ist."

Martin W. Schnell (Hg.): Pflege und Philosophie; Bern, Göttingen (u.a.) (Verlag Hans Huber) 2002, 299 S., ISBN 3456836767, Preis: 29,95 Euro


Weitere Informationen bei Prof. Dr. Martin W. Schnell, 02302/669-214
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