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Das Kind als Patient - Ethische Konflikte zwischen Autonomie und Fürsorge

30.09.2002 - (idw) Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen

Internationale Tagung vom 2. - 4. Oktober 2002 in der Evangelischen Akademie Tutzing. Veranstalter: Akademie für Ethik in der Medizin e.V. in Göttingen

(ukg) Vom 2. bis 4. Oktober 2002 findet in der Evangelischen Akademie Tutzing (Bayern) die Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin e.V. statt. Sie steht unter dem Motto "Das Kind als Patient - Ethische Konflikte zwischen Autonomie und Fürsorge". Hintergrund ist das vielfach diskutierte Defizit in der Kinder- und Jugendmedizin, auf das Pädiater schon seit längerem hingewiesen haben: Medikamente, die für Erwachsene zugelassen wurden, werden oft nicht mehr eigens für den pädiatrischen Markt getestet. Nach einer britischen Studie sind beispielsweise 50 bis 90 Prozent aller auf einer Frühgeborenen-Intensivstation verschriebenen Medikamente nicht für die jeweils spezifische pädiatrische Indikation zugelassen (Conroy et al. 1999). "Es kommt häufig vor, dass Kindern Medikamente verschrieben werden müssen, für die keine eigenen Daten zur Kinetik, Toxizität und Bioverfügbarkeit im Kindesalter vorliegen," sagt Tagungspräsidentin Prof. Dr. med. Claudia Wiesemann, Direktorin Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin.

Das ausführliche Programm der Tagung finden Sie unter: http://www.gwdg.de/~ukee/02-10-02.pdf und unter www.ev-akademie-tutzing.de. Die Tagung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Nicht-einwilligungsfähige Patienten stellen für die Medizin eine ethische Herausforderung dar. Auch in der Kinderheilkunde resultieren daraus charakteristische Konflikte. Durch die notwendige Einbeziehung der Eltern und wegen des großen Entwicklungspotenzials von Kindern erhalten die Probleme hier sogar ein besonderes Gewicht.
Wie sehr sich die Öffentlichkeit gerade von solchen Fragen angesprochen fühlt, zeigte die äußerst heftig geführte Diskussion um die Menschenrechtskonvention des Europarates.

Die Forschung an Kindern und Jugendlichen ist aber nur ein Beispiel für ethische Konfliktsituationen, die aus der besonderen Situation des Kindes in der Medizin resultieren. Klinische Entscheidungen stehen im Spannungsfeld von ärztlicher Fürsorge, kindlichen Interessen und elterlicher Entscheidungsautonomie. Aus diesem Spannungsfeld resultieren Fragen, welche die Verwirklichung von Kinderrechten in der Medizin, den Umgang mit dem chronisch kranken und sterbenden Kind, die Bedeutung und Problematik von genetischer Diagnostik, Neugeborenenscreening und Präventionsprogrammen sowie der Umgang mit der ärztlichen Schweigepflicht betreffen.

Diesen Themen sollen auf der Tagung in Hauptvorträgen und wissenschaftlichen Sektionen mit freien Beiträgen nachgegangen werden (s. Programm). Darüber hinaus ist es notwendig, die Erkenntnisse von Nachbardisziplinen wie der Entwicklungspsychologie und Soziologie der Kindheit mit einzubeziehen. Der Umgang mit Kindern und Jugendlichen heute unterscheidet sich in wesentlichen Zügen von früheren Zeiten. Kindern wird heute zu Recht mehr Selbständigkeit und Entscheidungsfreiheit zugetraut und zugestanden. Die Medizin muss sich diesen gewandelten gesellschaftlichen Werten stellen.

Internationale Ausrichtung

Die Tagung wird sich den Fragestellungen aus internationaler Perspektive widmen. Die Veranstalter gehen davon aus, dass eine Kooperation auf europäischer Ebene dringend notwendig ist, um dem gewachsenen Bedarf an internationalen Vereinbarungen gerecht zu werden und die Diskussion in Deutschland zu bereichern. Das Royal College of Paediatrics and Child Health in England hat derzeit die wohl differenziertesten Richtlinien zur Forschung an Kindern und Jugendlichen erstellt. Die Forschung zum diesem Thema in England ist weit vorangeschritten und bezieht schon seit Jahren selbstverständlich sozialpädagogische und psychologische Fragestellungen mit ein. Deshalb wurden zwei renommierte Vertreter der britischen Sozialwissenschaft bzw. Medizinethik eingeladen, die jeweils aktuelle Projekte zur Einwilligungsfähigkeit des Kindes und zur Forschung in der Neonatologie vorstellen.

Weitere Informationen:

Dr. Alfred Simon

Geschäftsführer der Akademie für Ethik in der Medizin e.V.
Humboldtallee 36
37073 Göttingen
Tel 0551-39 3969
simon@aem-online.de

Tagungsadresse:

Evangelische Akademie Tutzing
Doris Brosch (Tagungsorganisation)
Schlossstraße 2 + 4
82327 Tutzing
Tel. 08158/251-125
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