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Heidelberger Musikwissenschaftler präsentieren Hörfunkfeature über die Funkoper

14.02.2001 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Am 4. März 2001 um 20.05 Uhr strahlt SWR 2 das Hörfunkfeature "Oper ohne Bühne ..." aus - Studienprojekt des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Heidelberg beim Südwestrundfunk

Am 4. März 2001 um 20.05 Uhr strahlt SWR 2 das Hörfunkfeature "Oper ohne Bühne ..." aus. Die Sendung präsentiert Ergebnisse des Studienprojektes "Funkoper", das aus einer Seminarveranstaltung des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Heidelberg hervorgegangen ist. Die Autoren des Features sind Prof. Dr. Silke Leopold, Isabella Plachcinska, Andreas van Leeuwen, Gregor Herzfeld und Christian Bauer.

Viele der Sonderformen, die die Gattung Oper im Laufe ihrer vierhundertjährigen Geschichte hervorgebracht hat, erlebten nur eine kurze Blüte. Dazu gehört auch die Funkoper. Ihr Schicksal ist untrennbar mit dem Medium verknüpft, für das sie ursprünglich erdacht wurde. 1929 wurde sie mit dem Lindbergh-Flug von Bert Brecht, Kurt Weill und Paul Hindemith aus der Taufe gehoben.

Ursprünglich als eine Art Gegenstück zum zeitgleich entstandenen Hörspiel konzipiert, erlebte die Funkoper in den fünfziger Jahren, als sich die technischen Möglichkeiten der Musikübertragung immens verbesserten, eine Blütezeit. Seit das Fernsehen in der Medienwelt die Führung übernommen hat, ist die Funkoper nahezu tot, und das, obwohl der Hörfunk selbst durchaus lebendig und breitenwirksam geblieben ist.

Das Musikwissenschaftliche Seminar der Heidelberger Universität hat der Funkoper eine eigene Seminarveranstaltung gewidmet und dabei Werke zu Tage gefördert, die seit Jahren, ja sogar seit Jahrzehnten in den Rundfunkarchiven schlummerten. Bekannte Komponisten wie Hans Werner Henze oder Hans Ulrich Engelmann haben Funkopern geschrieben, um das neue Medium Radio für eine Erweiterung ihrer künstlerischen Klangsprache zu nutzen. Andere, weniger bekannte Komponisten haben versucht, über die neue Gattung im musikalischen "Establishment" Fuß zu fassen (zumeist jedoch erfolglos).

Die Analysen der Werke und die Fragestellungen, die aus der Seminarveranstaltung des Musikwissenschaftlichen Seminars hervorgegangen sind, hat die "Studiengruppe Funkoper" unter der Leitung von Prof. Dr. Silke Leopold zu einem aufwendigen Hörfunkfeature umgearbeitet. Es beinhaltet Hörbeispiele wichtiger (und weniger wichtiger) Funkopern, kurze Interviews mit den Autoren der Sendung sowie Originaldokumente aus der Zeit der Entstehung der Gattung Funkoper. In einer Folgesendung präsentiert SWR 2 am 11. März um 20.05 Uhr Everett Helms Die Belagerung von Tottenburg, ein Auftragswerk des SDR aus dem Jahre 1956 mit Fritz Wunderlich in einer der Hauptrollen.

Was sind die gattungsspezifischen Charakteristika der Funkoper?

In einer Art Werkstattarbeit widmete sich jeder der fünf Autoren der Studiengruppe unterschiedlichen Aspekten der Funkoper. Prof. Dr. Silke Leopold beschäftigte sich mit der historischen Genese und dem künstlerischen Schicksal der Gattung, exemplifiziert an der Funkoper Der Lindbergh-Flug von Brecht, Weill und Hindemith. Andreas van Leeuwen untersuchte die Frage, ob die Funkoper einen ihr eigenen, unverwechselbaren Musikstil hervorbringen konnte. Er kam zu dem Schluss, dass alle wichtigen Musikrichtungen gängiger Genres auch in der Funkoper Verwendung fanden, einschließlich solcher Techniken und Stilmittel, die eigentlich dem Hörspiel oder der Filmmusik entstammten.

Gregor Herzfeld analysierte eine Reihe von Funkopern unter dem Aspekt des dramaturgischen Bauplans. Er stellte fest, dass neben dem "dramatischen" Modell (das sich an der konventionellen Bühnenoper orientiert) auch und vor allem das "epische" Modell und das "episch-dramatische" Modell als Mischform von Darstellung und Erzählung der Funkoper eigen ist. Christian Bauer widmete sich der textlichen Dimension von Funkopern und kam zu dem Schluss, dass Funkopern besonders für Prosatexte oder Sujets mit aktuellem Bezug offen waren. Isabella Plachcinska beschäftige sich mit einer besonders interessanten Frage, nämlich dem Problem des Eigenwertes von Funkopern als Gattung. Demnach fanden viele als Funkopern konzipierte Werke in bearbeiteter Form ihren Weg auf die Opernbühne (zurück); die Gattung Funkoper diente den Komponisten in diesem Falle gewissermaßen als Trittbrett für eine Karriere als Bühnenkomponist.

Die Autoren der Sendung sind sich einig in der Feststellung, dass die Funkoper zwar ein durchaus lohnendes Experiment war und als solches auch von den betreffenden Komponisten geschätzt wurde, sie letztlich jedoch scheitern musste, nicht zuletzt, weil die Beschränkung auf die rein auditive Rezeptionsebene dem Hörer sehr viel an Imagination abverlangte. Die funktechnischen Mittel, die zum Einsatz kamen, konnten dieses Problem nur unzureichend kompensieren - das neue Medium Fernsehen war dazu eher in der Lage.

Rückfragen bitte an:

Prof. Dr. Silke Leopold
Musikwissenschaftliches Seminar, Universität Heidelberg
Tel. 06221 542781
silke.leopold@urz.uni-heidelberg.de

oder:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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