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Magie des Wissens: Ausstellung über einen Universalgelehrten

30.09.2002 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Mit einer Ausstellung erinnert die Universität Würzburg im Rahmen ihrer 600-Jahr-Feier an einen großen Gelehrten, der vor 400 Jahren das Licht der Welt erblickte: Athanasius Kircher. Damit würdigt die Alma Julia einen Mann, der in Würzburg zwar nur kurze Zeit eine Professur besaß, der aber auch in Rom, wo er zu den berühmtesten Gelehrten seiner Zeit gehörte, den Kontakt mit Würzburg nie aus den Augen verlor.

Die Ausstellung "Magie des Wissens - Athanasius Kircher (1602 - 1680): Universalgelehrter, Sammler, Visionär" ist vom 1. Oktober bis 14. Dezember in der Gemäldegalerie des Martin-von-Wagner-Museums in der Residenz zu sehen. Vorbereitet wurde sie von einem interdisziplinären Arbeitskreis, der mit der Präsentation einen Einblick geben will in den universalen Denkansatz eines Wissenschaftlers der Barockzeit, der einerseits in das traditionelle Denkschema der Antike und der Bibel eingebunden war, andererseits aber mit neuen Entdeckungen konfrontiert wurde.

Kirchers Werk wird in der Ausstellung mit einer Auswahl seiner Publikationen dokumentiert. Briefe an seine Zeitgenossen, etwa an Gottfried Wilhelm Leibniz oder Herzog August von Braunschweig, und ungedruckte Manuskripte ergänzen das Bild. Erstmals werden Kirchers Rechenmaschine (München) und seine Komponiermaschine (Wolfenbüttel) zusammen gezeigt. Zahlreiche Modelle aus alter und moderner Zeit verdeutlichen die Wirkung des Gelehrten auf seine Zeitgenossen und die nachfolgenden Generationen.

Athanasius Kircher wird 1602 in Geisa bei Fulda geboren. Nach seiner Ausbildung in Fulda, Paderborn und anderen Orten und nach seiner Priesterweihe wird er 1629 als Professor für Ethik, Mathematik und orientalische Sprachen an die Universität Würzburg berufen. Hier verfasst er sein erstes Buch mit dem Titel "Ars Magnesia". Von seiner Lehrtätigkeit künden vor allem eine Vorlesungsmitschrift sowie sein Schüler Kaspar Schott (1608 - 1666), der später Professor für Mathematik in Würzburg wurde.

Kirchers Arbeit in der Stadt am Main wird 1631 jäh beendet: Die Schweden unter Gustav Adolf erobern Würzburg. Kircher flieht nach Avignon, wo er seine Lehrtätigkeit am Jesuitenkolleg fortsetzt. 1633 wird er als Nachfolger Johannes Keplers nach Wien berufen. Zeitgleich erreicht ihn jedoch ein Ruf ans Collegium Romanum in Rom, dem er schließlich folgt.

In Rom entfaltet Kircher die volle Breite seines wissenschaftlichen Interesses. Zu seinen ersten Publikationen gehören Arbeiten über die koptische Sprache. Sie sind Ausdruck seines Interesses an ägyptischen Hieroglyphen, das ihn das Leben lang beschäftigt und über deren Entzifferung er der göttlichen Offenbarung näher kommen wollte, die nach seiner Überzeugung bei den alten Ägyptern in ihrer reinsten Form zu finden sein musste.

Kircher ist aber nicht nur ein Mann des Studierzimmers: 1637/38 reist er mit Friedrich von Hessen-Darmstadt nach Malta. Auf dem Rückweg erlebt er die Ausbrüche von Ätna und Vesuv. In letzteren lässt er sich sogar abseilen, um ihn zu vermessen.

In der Folgezeit veröffentlicht Kircher grundlegende Arbeiten und Zusammenfassungen des Wissens seiner Zeit über Magnetismus, Optik, Musik und Akustik, über Astronomie und die unterirdische Welt. Er publiziert Berichte, die er aus China erhält, ebenso wie solche aus Amerika. Gläubig forschend schreibt er über die Arche Noah und den Turm zu Babel. Immer ist er auf der Suche nach dem Verbindenden der Wissensbereiche, auf der Suche nach der göttlichen Weisheit, die er hinter allem verborgen glaubt. Nicht nur Wissen sammelt er: Im Museum Kircherianum trägt er Dinge aus der ganzen Welt zusammen, vom Gewand der Sioux bis zum Samurai-Schwert, von der Runentafel bis zur afrikanischen Skulptur. 1680 stirbt Athanasius Kircher in Rom.

Zur Ausstellung, die vom Universitätsbund Würzburg gefördert wird, erscheinen ein Katalog und ein wissenschaftlicher Begleitband. Öffnungszeiten: 1. Oktober bis 14. Dezember, Dienstag bis Samstag sowie an den Sonntagen 13. und 27. Oktober, 10. und 24. November, 8. Dezember, jeweils von 9.30 bis 12.30 Uhr, und nach Vereinbarung. Am 3. Oktober geschlossen; der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen unter T (0931) 31-2283, Fax (0931) 888-7073, E-Mail: museum.na@mail.uni-wuerzburg.de

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