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Leipziger Kinderchirurg Prof. Bennek wird 65

23.04.2002 - (idw) Universität Leipzig

Am 27. April 2002 vollendet der Ordinarius für Kinderchirurgie und Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie der Universität Leipzig, Herr Professor Dr. med. Joachim Bennek, sein 65. Lebensjahr. Mit ihm scheidet in absehbarer Zeit einer der profiliertesten deutschen Kinderchirurgen aus dem aktiven Berufsleben. Schwer vorstellbar für alle, die sein fortdauerndes Engagement, seine Dynamik und sein Standvermögen am Operationstisch kennen.

Am 27. April 2002 vollendet der Ordinarius für Kinderchirurgie und Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie der Universität Leipzig, Herr Professor Dr. med. Joachim Bennek, sein 65. Lebensjahr. Mit ihm scheidet in absehbarer Zeit einer der profiliertesten deutschen Kinderchirurgen aus dem aktiven Berufsleben. Schwer vorstellbar für alle, die sein fortdauerndes Engagement, seine Dynamik und sein Standvermögen am Operationstisch kennen.

Nach Medizinstudium und begonnener chirurgischer Weiterbildung am St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig erhielt Professor Bennek seine kinderchirurgische Ausbildung ab 1963 bei Professor Meißner an der Leipziger Klinik. Nach Facharztanerkennung 1967, Habilitation 1970 und Oberarzternennung 1973 wurde er 1975 zum Hochschuldozenten berufen. Die Ernennung zum Leiter der Abteilung für Neugeborenenchirurgie und Notfallmedizin im Kindesalter sowie zum Stellvertreter des Direktors der Klinik datiert aus den Jahren 1983/84. Nach Berufung zum ao-Professor 1989 und zum C3-Professor für Kinderchirurgie 1994 unter dem Direktorat von Professor Tischer gipfelte sein geradliniger beruflicher Werdegang 1997 in der Berufung zum Ordinarius und zum Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie an der Universität Leipzig. Es erfüllten sich damit für den Jubilar Wünsche und Ziele, deren Grundlagen längst geschaffen, deren Voraussetzungen aber erst in den 90er Jahren vorhanden waren.

Frühzeitig und vorausschauend galt das wissenschaftliche Interesse Professor Benneks der Biomedizintechnik und der kinderchirurgischen Intensivmedizin. Als Beitrag zur kontinuierlichen Senkung der Kindersterblichkeit wurde von ihm das kardiorespiratorische Monitoring in die klinische Praxis eingeführt. Fragestellungen zur Operationsfähigkeit, zum Timing des Operationstermins, zur Auswirkung von Narkose und Operationsstress sowie zur adäquaten Therapie chirurgisch kranker Neugeborener wurden wissenschaftlich bearbeitet und beantwortet. Revolutionierende Neuerungen auf dem Gebiet der Kindertraumatologie, insbesondere die Orientierung auf funktionell-dynamische Behandlungsverfahren, wurden von ihm entscheidend vorangetrieben. Die externe Fixation in der kindlichen Frakturbehandlung und Methoden zur Extremitätenverlängerung durch Kallotasis sind eng mit seinem Namen verbunden. Weitere wissenschaftliche und praktische Impulse setzte er im Zusammenhang mit der organerhaltenden Milzchirurgie, der operativen Korrektur anorektaler Fehlbildungen des Neugeborenen, kontinenzverbessernden Operationen sowie der endokrinen Chirurgie im Kindesalter.

Das außerordentliche berufspolitische und fachliche Engagement Professor Benneks spiegelt nicht nur seine Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie wider, er ist auch Mitglied des Vorstandes der AG "Osteologische Systeme", Gründungsmitglied des Instituts für Kinderimplantologie, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates mehrerer Fachzeitschriften und weiterer Gremien. Er ist Vorsitzender der Akademie für Kinderchirurgie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie und Kongressvorsitzender unserer Gesellschaft in diesem Jahr. Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie ernannte ihn im Jahre 2000 zu ihrem korrespondierenden Mitglied.

Beruflicher Erfolg und wissenschaftliche Kreativität finden ihren Ausdruck in über 500 wissenschaftlichen Vorträgen, 162 Publikationen und 34 Buchbeiträgen. Hervorzuheben ist das soeben erschienene Lehrbuch "Ambulante Chirurgie im Kindesalter". Vorliegende Rezensionen induzieren berechtigten Stolz.

Als Hochschullehrer ist Professor Bennek bei der studentischen Jugend und beim wissenschaftlichen Nachwuchs gleichermaßen angesehen, die er konsequent und mit viel Nachdruck, mitunter auch Druck, fördert. Leipziger Studenten danken ihm persönliche Kontakte, ausgezeichneten Unterricht und die Fähigkeit, in geselliger Runde sehr jung zu werden.

Stete Präsens, unermüdlicher Einsatz, manuelles Geschick, Intuition, die Chance, die gesamte Entwicklung der Kinderchirurgie in ganzer Breite erleben und durchlaufen zu dürfen und das Glück, von seinem Chef besonders gefordert und gefördert zu werden, haben Professor Bennek zu einem gleichermaßen erfolgreichen, wie auch sensiblen und eleganten Operateur gemacht. In diesem Zusammenhang bezeichnete ihn Professor Meißner 1997 als Generalist im alten Sinne.

Professor Bennek lehrte subtiles und gewebeschonendes Operieren. Neuen Entwicklungen in der operativen Kinderchirurgie stellte er sich jederzeit und integrierte diese nach kritischer Prüfung in die Behandlungskonzepte seiner Klinik. Wie seine Vorgänger entwickelte auch er mit seinen Mitarbeitern Operationstechniken und Schwerpunkte, die letztlich die "Leipziger Schule" begründen.

Joachim Bennek hat die Klinik im Sinne der Professoren Meißner und Tischer weitergeführt, er hat sie aber auch mit der ihm eigenen Zielstrebigkeit und mit Beharrlichkeit verändert und weiter profiliert, so dass er mit seinem Ausscheiden eine die gesamte Breite des kinderchirurgischen Spektrums anbietende, stets ausgelastete und bei Ärzten und Patienten gleichermaßen be- und anerkannte Klinik übergeben kann. Dabei ist es sein Verdienst, die ehemals dreigeteilte Klinik durch Integration einer neuen Poliklinik mit Notfallaufnahme und Neubau eines modernen Bettenhauses in den Jahren 1999/2000 zu einer komplexen Einrichtung für das chirurgisch kranke Kind am Standort Oststraße zusammengeführt und damit Kompetenz und Attraktivität des Zentrums für Kindermedizin weiter vorangebracht zu haben.

Stets lag ihm kollegiale Zusammenarbeit, insbesondere mit Kinderanästhesisten, Kinderradiologen und Kinderärzten am Herzen. Und er ist besessen von der Vision eines funktionierenden Kinderzentrums und von einer Kinderchirurgie, die nicht von einem Organ, sondern von einem Lebensabschnitt definiert werden muss. Unter diesen Voraussetzungen sieht er Perspektiven operativer Entwicklungen in der Kinderchirurgie, die er akribisch verfolgt und seiner großen Erfahrung entsprechend interpretiert, in der differenzierten Therapie komplexer Fehlbildungen, der weiteren Spezialisierung des minimal invasiven Gewebemanagements, der Profilierung der ambulanten Chirurgie, dem Tissue engineering als neuen Weg für Gewebe- und Organersatz im Kindesalter sowie dem Einsatz der Robotik auch in der Kinderchirurgie.

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