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47. Biometrisches Kolloquium der Deutschen Region der Internationalen Biometrischen Gesellschaft

05.03.2001 - (idw) Universität des Saarlandes

Vom 20. bis 23. März 2001 treffen sich über 300 Fachwissenschaftler zu ihrer zentralen Jahrestagung in Homburg/Saar, um aktuelle Entwicklungen der Biometrie vorzustellen und zu diskutieren. Es konnten hochkarätige Referenten aus 8 Ländern gewonnen werden, die in insgesamt 120 Vorträgen und Seminaren ihre Forschungsergebnisse präsentieren.

Eine Pressekonferenz findet am Dienstag, den 20.03.2001, ab 12.00 Uhr in den Universitätskliniken des Saarlandes in Homburg (Anatomie, Gebäude 61, Seminarraum A 105/106)statt.

Zum ersten Mal im Saarland präsentieren 300 Wissenschaftler aus acht Nationen die aktuellsten Entwicklungen der Biometrie.

Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit, die engen Bezug zur Krankenversorgung hat, ist die Beantwortung von Fragen, wie beispielsweise:

- Welches ist die nachweisbar optimale Behandlung für den einzelnen Patienten?
- Wie entstehen und wie werden Epidemien, ob HIV oder BSE, am wirksamsten bekämpft?
- Welche Arzneimittel und welche Medizinprodukte bewähren sich in klinischen Studien?
- Wie kann man familiär bedingte Krankheiten erkennen und vermeiden?
- Was sind die Ursachen für das Entstehen einer Krankheit?

Das in diesem Jahr veranstaltete 47. Biometrische Kolloquium findet erstmals im Saarland statt. Die wissenschaftliche Tagungsleitung und Organisation übernimmt das Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Medizinische Informatik der Universität des Saarlandes.

Die Biometrie sieht ihre besondere Aufgabe in der Entwicklung und Anwendung quantitativer Methoden und mathematisch-statistischer Verfahren für die Biowissenschaften. Der spezifische Forschungsinhalt der Biometrie besteht darin, Gesetzmäßigkeiten der belebten Natur zu erkennen, sie in mathematische Regeln zu fassen und daraus Schlüsse für verschiedene Anwendungs-bereiche zu ziehen. Es werden so objektive Bewertungsmöglichkeiten und neue Erkenntnisse auf Gebieten wie Medizin, Molekularbiologie, Genetik und Ökologie gewonnen.

Dies ist eine Herausforderung an die Biometrie und damit auch für die Internationale Biometrische Gesellschaft, zu deren Mitgliedern, neben Mathematikern und Statistikern, auch Wissenschaftler aus Medizin, Pharmazie, Agrarwissenschaft, Psychologie und Genetik gehören. Die International Biometric Society (IBS) entstand 1948 in den USA und umfasst derzeit weltweit 7000 Mitglieder. Davon zählt die Deutsche Region, nach den USA, mit 900 Mitgliedern zu den zahlenmäßig stärksten Regionen. Aufgrund der Vielfältigkeit der Aufgabenbereiche in Forschung, Lehre und Anwendung haben sich mehr als ein Dutzend Arbeitsgruppen in der Deutschen Region etabliert, die ihre Forschungsergebnisse in Homburg präsentieren.

Die Schwerpunktthemen des 47. Biometrischen Kolloquiums an den Universitätskliniken des Saarlandes beziehen sich - naturgemäß - auf die Humanmedizin. Stellvertretend hierzu seien die Bereiche der Evidence-based Medicine, der Infektionsepidemiologie, der Modellierung klinischer Studien und der Bioinformatik genannt.

Die Evidence-based Medicine bezieht sich auf den einzelnen Patienten und dessen optimale Behandlung. Es geht darum, für spezielle Erkrankungen diejenige Behandlung durchzuführen, die aufgrund klinischer Studien als wirksam nachgewiesen ist. Evidence bedeutet die Nachweisbarkeit der optimalen Behandlung. Die Infektionsepidemiologie entwickelt mathematische Algorithmen, mit denen die Entstehung, die Ausbreitung und die Bekämpfung von Epidemien modelliert werden können. Beispiele sind HIV und BSE. Kontrollierte klinische Studien sind die Grundlage für den Fortschritt der Medizin in bezug auf Diagnose, Therapie und Prognose. Klinische Studien für die Zulassung von Arzneimitteln und Medizinprodukten können nur gemeinsam mit dem verantwortlichen Biometriker als gleichberechtigtem Partner des Leiters einer klinischen Prüfung durchgeführt werden.

Neben dem wissenschaftlichen Fortschritt der Medizin, stellt sich auch die Frage nach der Ethik in der medizinischen Forschung. Eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema findet am Mittwoch, den 21.03.2001 statt und ist öffentlich.

Die Bioinformatik ist ein neues und aufstrebendes Fach, das Phänomene der Molekularbiologie und der Genetik erklären soll. Es soll auch Methoden zur Vermeidung familiär bedingter Krank-heiten entwickeln. Das Kolloquium widmet dieser neuen Forschungsrichtung zwei Sitzungen mit international renommierten Wissenschaftlern. Eine Projektgruppe "Bioinformatik" der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) und der Deutschen Region der International Biometric Society (IBS-DR) wird sich in Homburg erstmals konstituieren.

Prof. Dr. Uwe Feldmann, Direktor des Instituts für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Medizinische Informatik der Universität des Saarlandes, und sein Mitarbeiterteam werten die ihnen von der Biometrischen Gesellschaft übertragene wissenschaftliche Tagungsleitung und Gesamt-koordination des Kolloquiums als ehrenvolle Anerkennung ihrer bisherigen wissenschaftlichen Arbeit.

Eine besondere Freude für die örtlichen Veranstalter ist, dass anlässlich des Kolloquiums der 8. Jahrestag der Gründung des Homburger Instituts begangen werden kann. Es ist das jüngste seiner Art. Damit verfügt jede der 37 Medizinischen Fakultäten der Bundesrepublik über ein Biometrie-Institut.

Die Bedeutung der Medizinischen Biometrie in Forschung, Lehre und Krankenversorgung wird auch dadurch unterstrichen, dass das Landesprüfungsamt die Teilnahme an diesem Kolloquium für Ärztinnen und Ärzte im Praktikum als Ausbildungsveranstaltung anerkennt. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Medizinische Biometrie keinesfalls Wissenschaft im Elfenbeinturm betreibt, sondern ein Querschnittsfach für die Humanmedizin darstellt. Biometrie ist im klinischen Studienabschnitt Pflichtfach für Studierende der Medizin. Die Methoden der Medizinischen Biometrie sollen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in die Lage versetzen, künftige Entwicklungen beim Fortschritt der Medizin objektiv beurteilen zu können und zum Nutzen des Patienten anzuwenden.

Weitere Informationen über das 47. Biometrische Kolloquium

www.med-rz.uni-saarland.de/biometrie2001
und über das Homburger Institut
www.med-rz.uni-saarland.de/imbei
sind dem Internet zu entnehmen.
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