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Am Rande der Städte

06.03.2001 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Wer sich modernen Städten durch Vororte und großzügige Villensiedlungen, vorbei an Gewerbegebieten, Brachflächen und Freizeitanlagen nähert, weiß häufig nicht, ob er sich schon innerhalb oder noch außerhalb der Stadt befindet. Die Randgebiete der Stadt, in denen sich das pulsierende urbane Leben ankündigt, sind ein vielfach genutzter und in der kommunalen Politik häufig umstrittener Raum. Dies war in früheren Zeiten nicht anders als heute: Beiderseits der Stadtmauer waren Gewerbe und anrüchiges Leben, Klöster und unschuldiges Freizeitvergnügen beheimatet. Diesem Grenzraum, ohne den keine Stadt bestehen kann, ist das 32. Frühjahrskolloquium des Instituts für vergleichende Städtegeschichte an der Universität Münster vom 26. bis 28. März 2001 gewidmet. 100 in- und ausländische Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen werden der europäischen Stadt und ihrem Rand vom Mittelalter bis in die Gegenwart nachspüren.

Nach einer Einführung in das Tagungsthema durch Prof. Dr. Peter Johanek, Direktor des Instituts für vergleichende Städtegeschichte, wird Dr. Bärbel Brodt (Münster) anhand englischer Städte des Spätmittelalters zeigen, dass ihre Mauern die Stadt nicht nur vom Land trennten, sondern sie auch mit diesem verbanden und dass den Mauern vielfältige religiöse und wirtschaftliche Aufgaben zukamen. Anschließend beweist Privatdozent Dr.. Wolfgang Schmid (Trier) unter dem Stichwort "Am Brunnen vor dem Tore", dass der Rand der Stadt schon im 15. und 16. Jahrhundert von der Stadtbevölkerung zur Freizeitgestaltung genutzt wurde.

Den zweiten Tag der Tagung eröffnet Dr. Thomas Hill (Kiel), der am Beispiel Bremens die "Ränder der Stadt und des städtischen Einflusses im Mittelalter" beleuchtet. In der Folge werden Prof. Dr. Bernhard Sicken und Dr. Thomas Tippach (beide Münster) das schwierige Miteinander von Zivilbevölkerung und Militär in Festungsstädten des Kaiserreichs skizzieren. Am Nachmittag behandelt zunächst Dr. Wolfgang Maderthaner (Wien) die Wiener Vorstädte, bevor Prof. Dr. Ursula v. Petz (Aachen) unter dem Motto "100 Jahre Gartenstadt" ein Siedlungsmodell charakterisiert, das am Rand vieler Industriestädte seit der Jahrhundertwende Schule machte.

Dass der Stadtrand ein Raum ist, der in unserem Jahrhundert immer schwerer zu fassen ist, zeigt am dritten Tag zunächst Dr. Christoph Bernhart (Erkner bei Berlin) am Beispiel der Stadterweiterung Groß-Berlins in den Jahren 1871-1933. Der Blick auf die Entwicklung des Stadtrands in der Nachkriegszeit (Jörn Weinhold, Weimar) und in der Gegenwart europäischer Großstädte (Prof. Dr. Joachim Burdack, Leipzig) beschließt die Tagung.

Für interessierte Bürger macht das Institut für vergleichende Städtegeschichte mit seinem schon traditionell öffentlichen Vortrag ein öffentliches Angebot: Am Montag, 26. März 2001, spricht um 20.15 Uhr im Vortragssaal des Landesmuseums Prof. Dr. Frank Rexroth (Göttingen) über "Grenzen der Stadt, Grenzen der Moral. Der urbane Raum im Imaginarium der spätmittelalterlichen Londoner Bürgergesellschaft".

Die Vorträge der Tagung werden in einem Band der Reihe "Städteforschung" des Instituts für vergleichende Städtegeschichte veröffentlicht. Wie in jedem Jahr wird der Träger des Instituts, das Kuratorium für vergleichende Städtegeschichte, in Verbindung mit der Tagung seine Mitgliederversammlung abhalten und künftige Arbeitsvorhaben beraten.


Weitere Informationen: Dr. Franz-Joseph Post, Institut für vergleichende Städtegeschichte an der Universität Münster, Syndikatplatz 4/5, 48143 Münster, Telefon: 0251/48231-0;
E-mail: istg@uni-muenster.de
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