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Sieben Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren starten an der Universität Hannover

01.10.2002 - (idw) Universität Hannover

Präsident Prof. Dr. Ludwig Schätzl überreicht
Ernennungsurkunden

Sieben Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren werden zum Wintersemester 2002/2003 an der Universität Hannover starten. Mehr als 70 Bewerbungen sind aus dem In- und Ausland für die ersten neun Ausschreibungen zur Juniorprofessorin bzw. Juniorprofessor eingegangen. In zügigen Auswahlverfahren haben die Fachbereiche Unterlagen und Kandidaten geprüft. Zum 1. Oktober 2002 starten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihren Gebieten. Nach drei Jahren werden ihre Leistungen in Forschung und Lehre von Gut-achtern bewertet, nach positivem Ergebnis können sie weitere drei Jahre forschen und lehren. In den nächsten Monaten werden weitere Stellen ausgeschrieben und besetzt. Im folgenden werden die neuen Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren kurz porträtiert.

Partielle Differentialgleichungen
"Einen Reiseführer von Hannover habe ich bereits gelesen und nun bin ich neugierig auf vieles", meint Dr. Jörg Seiler (33). Nach seinem Studium in Mainz promovierte er an der Universität Potsdam. Partielle Differentialgleichungen bilden den Bereich, in dem der Mathematiker bereits in vielen wissenschaftlichen Projekten gearbeitet hat. Die Wissenschaftler beschäftigen sich unter anderem mit Zuständen und Vorgängen zum Beispiel in Natur und Ingenieurwissenschaften und versuchen, diese mathematisch zu modellieren und zu analysieren. "Viele Forschungsansätze sind auch von der Physik angeregt", sagt Seiler zum Forschungsgebiet. Festlegen möchte sich der 33-jährige für die Aufgaben in Hannover nicht. "Ich werde mich umschauen, an welchen Projekten gearbeitet wird und wie wir im Team gemeinsam forschen können."

New Economic Geography
Dr. Ingo Liefner (29) kennt seinen zukünftigen Forschungsbereich sehr genau. In den Bereichen Wissensgenerierung und Wissensmanagement sowie Technologischer Wandel, Unternehmensgründungen und Innovationen hat der Geograph an der Universität Hannover bereits intensiv geforscht. "Das Potenzial an Forschungsleistungen und Studierenden hier in Hannover ist für den Bereich Wirtschaftsgeographie ideal. Die Leistungen der vergangenen Jahre zeugen von hoher Qualität. Hier existiert ein Umfeld, das ich für meinen Weg als optimal ansehe", beschreibt Liefner. Hannover soll als einer der besten Standorte für Wirtschaftsgeographen den Ausgangspunkt für seine zukünftigen Forschungsprojekte zur Wirtschaftsentwicklung in China bilden. Doch die Hochschule lebt von ihren Studierenden: die Geographiestudierenden sollen eng in aktuelle Projekte mit einbezogen werden und neuesten Erkenntnisstand vermittelt bekommen. "Sicherlich ist die Arbeitsbelastung nun größer als in der Position des wissenschaftlichen Mitarbeiters, aber es ist auch eine große Herausforderung", so Liefner.

Aufenthalts-orientierte Dienste in Mobilfunknetzen
"Mein erster Kontakt zu Hannover war die Universitätsbibliothek. Da habe ich viele Stunden gesessen und gelesen und viele Artikel kopiert. Es gibt Literatur, die nur hier in Hannover zu bekommen ist", beschreibt Dr. Kyamakya Kyandoghere (36). Seine Entscheidung für Hannover fiel bereits vor zwei Jahren. Nach seinem Studium in der Universität von Kinshasa ging der aus dem Kongo stammende Ingenieur nach Deutschland. Mit einem DAAD Stipendium promovierte er an der FernUniversität Hagen. Im Fachgebiet Aufenthalts-orientierte Dienste in Mobilfunknetzen forscht er wie der "Verkehr" in Mobilfunknetzen abläuft, reduziert und optimiert werden kann. Jeder Handynutzer verursacht auch ohne Gespräche Signale in den Netzen. "Fast jeder hat ein Handy, wenn er mit dem Auto unterwegs ist, somit können durch die Kontakte im Netz auch Faktoren wie Verkehrsaufkommen und Stau gemessen werden", erklärt Kyandoghere. Sichtweisen, die neue Wege und Nutzungen der Mobilfunknetze eröffnen.

Didaktik der Physik
"In Hannover hoffe ich auf Bedingungen, in denen zahlreiche fächerübergreifende Kooperationen möglich sind. Im Zentrum für die Didaktik der Natur- und Sozialwissenschaften ist dies mit Fachdidaktikern und Erziehungswissenschaftlern bereits möglich. Ich würde es gern auch mit der Physik initiieren", beschreibt Dr. Claudia von Aufschnaiter (32) ihre zukünftige Arbeit. Die promovierte Physik-Didaktikerin aus Bremen möchte in Projekten mit Schulen erforschen, wie Schüler lernen und welche Maßnahmen die Entwicklung der Kinder fördern. Als Habilitationsstipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft bringt sie bereits zu diesem Themenkreis ein Forschungsprojekt mit an die Universität Hannover. Als "reine" Physikerin hat sich von Aufschnaiter nie verstanden. "Im Studium habe ich es gemerkt, dass ich Lehren und Lernen in der Physik verbinden wollte, so entstand dieser Focus meiner Forschung", sagt sie. In diesem Semester absolviert sie noch einen Forschungsaufenthalt in London, um neue Daten und aktuelles Material für ihre Forschung zu sammeln. Im nächsten Jahr zieht sie dann in die Leinestadt.

Entwurf analoger Schaltungen
Analoge Schaltungen sind im täglichen Leben nicht mehr wegzudenken, aber kaum einer, außerhalb der Fachwelt kennt sie. Sie ermöglichen die Verarbeitung der kontinuierlichen Signale unserer Umwelt, insbesondere an der Schnittstelle zu elektronischen Geräten wie Computern oder CD-Spielern. Ohne sie wären weder Hifi-Anlagen, Fernseher und Handys, noch ABS oder Airbags denkbar. Dr.-Ing. Lars Hedrich (36) hat in diesem Bereich promoviert und seine Forschung auf diesem Gebiet seit einigen Jahren als Kopf einer kleinen Gruppe an der Universität Hannover vorangetrieben. Als Juniorprofessor wird er weiter daran arbeiten, seinen Traum vom automatischen Entwurf komplexer analoger Schaltungen zu verwirklichen.

Mikrobielle Ökologie des Wassers
Die weiteste Anreise hatte Dr. Heide Schulz (32). Sie wechselte von der University of California an die Universität Hannover. Durch ein Postdoc-Stipendium kam sie nach der Promotion in Bremen dorthin und hat zahlreiche Projekte in dem Bereich der Mikrobiologie begleitet. Schulz ist auch auf Meeresbiologie spezialisiert und so erforscht sie Bakterien in Gewässern und Meeren. Auf Forschungsfahrten unter anderem vor Südamerika, Chile und Mexiko hat sie entscheidende Forschungs-leistungen erbracht. Ein spezielles Bakterium, das größte was je gefunden wurde, hat sie entdeckt. Es ist eindreiviertel Millimeter groß. "Bakterien sind nicht eklig, sie sind nützlich und in der Ökologie ein oft nicht beachtetes Kernstück", sagt Schulz. Das möchte sie später auch ihren Studierenden vermitteln. Von Hannover hat sie ein wenig gesehen, doch schon jetzt ist sie sich sicher, dass es für sie die "richtige Größe" hat. "Es ist schön überschaubar und alles ist so prima zu erreichen", meint die Forscherin schon jetzt.

Molekularbiologisches Verfahren in der obstbaulichen Forschung
"Mit der Juniorprofessur bietet sich mir die Chance in relativ kurzer Zeit und damit auch nicht wie der Durchschnitt erst mit Anfang 40, den nächsten akademischen Schritt zu schaffen", beschreibt Dr. Iris Szankowski (29). Die Molekularbiologin hat erst in diesem Jahr promoviert und wird nun den Bereich "Molekularbiologisches Verfahren in der obstbaulichen Forschung" übernehmen. Pilz- und Bakterienbefall sind im Obstbau ein Problem, dem die Forscherin nun auch mit gentechnischen Methoden nachgehen will. "Zuerst steht die Entschlüsselung der molekularen Mechanismen an, um daraus ableiten zu können, welche Maßnahmen helfen, Bäume resistenter zu machen", meint Szankowski. Die geforderte Selbstständigkeit und Selfmanagment, die mit der Juniorprofessur verbunden sind, freuen sie. "Auch wenn nun in absehbarer Zeit Hobbies wie Sport und Lesen weiterhin zu kurz kommen."

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