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Krankenhausinfektionen

14.03.2001 - (idw) Universität Ulm

Krankenhausinfektionen
4. Ulmer Symposium vom 27.-30. März
Pressekonferenz am Mittwoch, dem 28. März 2001, 13.00 Uhr im Studio München des Edwin-Scharff-Hauses Neu-Ulm

Die Universität Ulm und das Hylab Zentrum für Hygiene, Neu-Ulm, veranstalten in Zusammenarbeit mit den Fachgruppen "Krankenhaushygiene" und "Klinische Mikrobiologie und Infektiologie" der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), mit der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), der Vereinigung der Hygienefachkräfte Deutschlands (VHD) und dem Arbeitskreis zur Verbesserung der Krankenhaushygiene (AVK) vom 27.-30. März 2001 im Edwin-Scharff-Haus Neu-Ulm das 4. Ulmer Symposium "Krankenhausinfektionen". Tagungsleiter sind Prof. Dr. Reinhard Marre, Leiter der Abteilung Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Ulm, sowie Prof. Dr. Matthias Trautmann, Leiter der angeschlossenen Sektion Klinikhygiene. Zu der Tagung werden zwischen 600 und 700 Teilnehmer vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erwartet. Hygienebeauftragte, Ärzte, Krankenhaushygieniker, Infektiologen, Anästhesiologen, Intensivmediziner, Mikrobiologen, Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Krankenhausapotheker und -ökologen, Hygienefachkräfte, Desinfektoren, Endoskopie-, OP- und Dialyse-Schwestern und -Pfleger finden hier bei über 100 Vorträgen und Postern sowie Diskussionsrunden aktuelle wissenschaftliche Informationen sowie ein Forum des Austausches über einschlägige Fachprobleme. Eine begleitende Industrieausstellung mit über 50 teilnehmenden Firmen ist an den Konferenztagen ab 8.00 Uhr geöffnet.

Die wissenschaftlichen Sitzungen befassen sich neben aktuellen Themen der Klinikhygiene mit: Infektionsübertragungen durch Blut und Organe; Desinfektionsmaßnahmen bei viralen Erregern; Qualitätssicherung in der Krankenhaushygiene; Gram-positiven Infektionen: Die Rolle von Linezolid; Asepsis und Antisepsis bei Maßnahmen am Patienten; Hygienemanagement hochinfektiöser importierter Virusinfektionen; Infektiologie auf der Intensivstation; Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA); Anforderungen an OP-Textilien im Europäischen Normenverbund; Aktuellen Entwicklungen bei Desinfektionsmitteln; Optimierung der Instrumentenaufbereitung in der Praxis; Hygiene in der Dialysetherapie; Multiresistenter Tuberkulose: Globale Entwicklung. Weitere Programmpunkte sind eine Pro- und-contra-Diskussion über die "Verbreitung von Antibiotikaresistenzen durch gentechnisch veränderte Nahrungsmittel", eine Podiumsdiskussion über "Aktuelle Krankenhaushygiene", ein Treffen hygienebeauftragter Ärzte sowie eine Vorstellung dreier aktueller infektiologischer Fälle.

Am Mittwoch, dem 28. März 2001, findet 13.00 Uhr im Studio München des Edwin-Scharff-Hauses eine Pressekonferenz statt, zu der die Vertreter der Medien herzlich eingeladen sind.

Nosokomiale Infektionen

Der Krankenhausaufenthalt stellt bekanntermaßen ein erhebliches infektiologisches Risiko dar. Nosokomiale Infektionen sowie Infektionen durch stationäre Erreger verursachen hohe zusätzliche Behandlungskosten (nach einer Düsseldorfer Studie bis zu 80.000 DM/Fall) und bedeuten eine gravierende Gefahr vor allem für Intensiv- und andere abwehrgeschächte Patienten. Die nosokomiale Pneumonie (NP) erhöht das Mortalitätsrisiko der Betroffenen um bis zu 30%. Um rasch und gezielt intervenieren zu können, muß der Arzt möglichst genau über das potentielle Erregerspektrum Bescheid wissen, das unter anderem von der Vorbehandlungsdauer des Patienten und von der je nach Station unterschiedlichen Erreger- und Resistenzsituation abhängt. So sieht das zum 1.1.2001 in Kraft getretene Infektionsschutzgesetz (IfSG) in § 6 erstmals (im Unterschied zum alten BSeuchG) eine Meldepflicht für Krankenhausinfektionen sowie nach § 23 eine Dokumentationspflicht der Krankenhäuser für nosokomiale Infektionen und für das Auftreten von Krankheitserregern mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen gegenüber Antibiotika vor. Die weitere Konsequenz, nämlich die Hygiene in den Kliniken zu verbessern und strukturell (z. B. personell) zu stärken, wird Aufgabe der Länder sein, die zu entsprechenden Verordnungen ausdrücklich ermächtigt werden.

Resistente Tbc

Der Umgang mit resistenten und multiresistenten Tuberkuloseerregern, ursprünglich eher ein Problem sozial schwacher Länder, wird nun auch hierzulande zur wachsenden medizinischen Herausforderung. Erhebungen der WHO zufolge sind resistente Tuberkuloseerreger (z.B. Mycobacterium tuberculosis) mittlerweile in etwa 13% aller Tuberkulosefälle involviert. In Deutschland stieg die Zahl von ca. 1,6% im Jahr 1987 auf knapp 6% im Jahr 1993 an. Beim Ulmer Symposium wird nicht nur die aktuelle Situation in Deutschland, sondern auch die globale Problematik mit den Schwerpunkten Südostasien (Nepal) und Südamerika erläutert. Aus Deutschland wird der besonders schwerwiegende Fall eines Patienten mit Lungentuberkulose dargestellt, gegen deren Erreger keines der bekannten Tuberkulosemittel Wirkung zeigte.

Lassa-Fieber

Vor anderthalb Jahren verursachte der Krankheitsfall eines an Gelbfieber erkrankten Kameramannes, der die Infektion an der Elfenbeinküste erworben hatte, Schlagzeilen in der Presse. Die seinerzeit damit befaßten Kliniker aus Frankfurt an der Oder und Berlin werden in Ulm darüber berichten. Ferner wird im Rahmen der Sitzung "Hygienemanagement hochinfektiöser importierter Virusinfektionen" auch der Fall einer im Januar 2000 nach Schwäbisch Hall importierten akuten Lassa-Viruskrankheit vorgestellt. Dabei werden die Frage nach einem länderübergreifenden Konzept zum Management und zur Kontrolle lebensbedrohender hochansteckungsfähiger Infektionskrankheiten sowie das Vor-Ort-Management der dabei auftretenden hygienischen Probleme diskutiert.

Neues Antibiotikum

Besonderes Interesse dürfte auch die Vorstellung eines neuen Antibiotikums der Pharmacia Corporation auf sich ziehen, das ab Herbst 2001 unter dem Namen ZYVOXID® in Deutschland und Österreich erhältlich sein wird. Es handelt sich um das erste Antibiotikum mit einem völlig neuartigen Wirkmechanismus gegen grampositive Infektionen (Staphylokokken, Enterokokken) im Krankenhausumfeld. ZYVOXID® wird in Großbritannien zur Behandlung nosokomialer und ambulant erworbener Lungenentzündungen sowie Haut- und Weichteilinfektionen eingesetzt. In-vitro-Studien mit klinischen Isolaten weisen darauf hin, daß die Substanz auch gegen solche Bakterien, die Resistenzen gegen eine oder mehrere andere Klassen von Antibiotikawirkstoffen entwickelt haben, wirksam ist.

Weltweit ist die Medizin mit zunehmenden Problemen bei der Behandlung grampositiver Infektionen konfrontiert. Neue und effektive Ansätze sind dringend erforderlich. Grampositive Bakterien gelten derzeit als eine der größten Herausforderungen im Bereich nosokomialer Infektionen. Einer europäischen Studie mit mehr als 10.000 Patienten zufolge erkrankten 45% während ihres Krankenhausaufenthaltes an einer Infektion. Daneben tragen ambulant erworbene Infektionen zu einer signifikanten Anzahl jährlicher Krankenhauseinweisungen bei. ZYVOXID® ist der erste Vertreter aus der Stoffklasse der Oxazolidinone. Sein Wirkstoff greift in eine sehr frühe Phase der bakteriellen Eiweißsynthese ein. Diese Eigenschaft hat er allen anderen Antibiotika voraus. Ohne Eiweißproduktion können sich Bakterien nicht vermehren und sterben ab. Da ZYVOXID® nicht natürlich vorkommt, ist eine Kreuzresistenz mit anderen Antibiotika unwahrscheinlich.

Weitere Informationen unter http://www.uni-ulm.de/khinfekt/index.htm

Kontakt: Prof. Dr. Reinhard Marre, Tel. 0731-50-24600, -24601, Prof. Dr. Matthias Trautmann, Tel. 0731-50-26950, -26951
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