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Arbeitslosigkeit "vor Ort" bekämpfen

02.03.2001 - (idw) Institut Arbeit und Technik

Regionale Arbeitsmarktkonferenzen in NRW entwickeln Eigendynamik und Professionalität - Weitere Verbesserungen angestrebt - Institut Arbeit und Technik untersuchte Effektivität von Arbeitsmarktprogrammen

Die regionalisierte Arbeitsmarktpolitik in NRW greift: die Akteure vor Ort nutzen die ihnen vom Land eingeräumten Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten und entwickeln zunehmend Eigendynamik und Professionalität bei der Förderung von benachteiligten Arbeitslosen. Dass jedoch die Effektivität der Programmumsetzung erhöht werden kann, zeigen Untersuchungen des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) zu den arbeitsmarktpolitischen Landesprogrammen, die von 1994 bis 1999 mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds in Höhe von rund 281 Millionen ECU in NRW durchgeführt wurden.

Die untersuchten Landesprogramme ("Arbeit und Qualifizierung", "Zielgruppenorientierte Qualifizierung" sowie das "Wiedereingliederungsprogramm für Berufsrückkehrerinnen") können ergänzend zur Förderung nach dem Arbeitsförderungsgesetz eingesetzt werden und zielen vorrangig auf Langzeitarbeitslose, Jugendliche unter 25 Jahren und Berufsrückkehrerinnen. Die regionalen Arbeitsmarktkonferenzen, denen Vertreter der Arbeitsämter, Kommunen, Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften, Weiterbildungsträger u.a. angehören, können über den Einsatz der Fördermittel und die Gestaltung von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen weitgehend selbst entscheiden.

Dass eine solche Regionalisierung der Arbeitsmarktpolitik sinnvoll und zweckmäßig ist, zeigt die Arbeitsmarktanalyse des IAT, aus der regionale Besonderheiten hervorgehen: So weist die rheinische Metropole Köln, wo 1997 bereits die Dienstleistungen rund drei Viertel der Beschäftigung stellten, die höchste Arbeitslosenquote unter den Vergleichsgebieten auf. Im Arbeitsamtsbezirk Krefeld hat seit 1992 eine überproportionale Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt. Dies wird durch eine besonders starke Zunahme der Langzeitarbeitslosigkeit unterstrichen. Der ländliche Arbeitsamtsbezirk Coesfeld ist positiver "Ausreißer": Die Beschäftigung entwickelte sich hier positiver, die Arbeitslosenquote besser als in NRW und in den anderen untersuchten Regionen, der Dienstleistungssektor - scheinbar am Ende der NRW-Skala - gewinnt an Gewicht durch eine überproportionale Ausweitung der Dienstleistungs-Beschäftigung und nicht - wie in anderen Regionen - durch den Wegfall von Industriearbeitsplätzen.

Die im Zuge der Regionalisierung der nordrhein-westfälischen Arbeitsmarktpolitik entstandenen Handlungsspielräume werden in den Regionen je nach Entwicklung und Lage auf dem Arbeitsmarkt, regionalen Zielgruppen von Fördermaßnahmen und Interessen der arbeitsmarktpolitischen Akteure ganz unterschiedlich genutzt. Da seit Beginn der 80er Jahre auf Bundesebene immer mehr arbeitsfördernde Leistungen abgebaut wurden, hatten die Kommunen als Träger der Sozialhilfe zunehmend die Folgekosten von Arbeitslosigkeit zu tragen. Dadurch waren diese gezwungen, in den Bereichen Arbeitsmarktpolitik und Beschäftigungsförderung Strategien zur Entlastung ihrer Sozialetats zu entwickeln. In den vergangenen Jahren ist daher eine Reorganisation der Arbeitsmarktpolitik zu beobachten, die einhergeht mit einer Dezentralisierung von Politik und einer zunehmenden lokalen bzw. regionalen Vernetzung der Akteure.

Die Handlungsspielräume der regionalisierten Arbeitsmarktpolitik werden allerdings nicht voll genutzt. Innovative Initiativen im arbeitsmarktpolitischen Bereich gingen bislang weniger von der regionalen Ebene, sondern von der Landesebene aus. Durch eine stärkere Verzahnung von Struktur- und Arbeitsmarktpolitik könnten zudem Synergien für die regionale Entwicklung genutzt werden, stellen die IAT-Wissenschaftler fest. In den Regionen fehlen zumeist Visionen zur Beseitigung der Strukturprobleme und der daraus resultierenden Arbeitslosigkeit. Effektivitätssteigerungen sind möglich und im Hinblick auf die jetzt begonnene neue Förderphase mit einer weiterreichenden Regionalisierung der nordrhein-westfälischen Arbeitsmarktpolitik auch erforderlich. Innerhalb eines mit dem Land abgestimmten Rahmens erhalten die Regionen künftig mehr Autonomie und eine größere Flexibilität in ihrer Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit, was den Regionen jedoch gleichzeitig mehr Professionalität abverlangen wird.

Renate Büttner/ Josef Muth: Begleitende Evaluierung der ESF-Interventionen im Rahmen des Operationellen Ziel-3-Programms der Phase 1994-1999 in Nordrhein-Westfalen - 2. Zwischenbericht

Graue Reihe des Instituts Arbeit und Technik 2000-08
Die Untersuchung ist im Internet unter http://iat-info.iatge.de als PDF-Datei verfügbar oder kann zum Preis von 10 DM beim IAT, Abt. Veröffentlichungen, bestellt werden.

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Renate Büttner
Tel.: 0209 - 1707254

Josef Muth
Tel.: 0209 - 1707123

Claudia Braczko
Tel.: 0209 - 1707176
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