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Baden-Württemberg: Rot-Grün auf dem Vormarsch

16.03.2001 - (idw) Gerhard-Mercator-Universität Duisburg (bis 31.12.2002)

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg liegt eine rot-grüne Mehrheit durchaus im Bereich des Möglichen und könnte damit die 47-jährige Regierungszeit der CDU im Südwesten Deutschlands beenden.

Dies ist das wichtigste Ergebnis einer Repräsentativ-Umfrage des Sozialwissenschaftlichen Umfragezentrums der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Faulbaum. Befragt wurden insgesamt 1.200 Wahlberechtigte in Baden-Württemberg. Eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl ergaben sich folgende Ergebnisse:

Sonntagsfrage ("Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl wäre"):

SPD 39,3 Prozent
CDU 41,6 Prozent
Bündnis'90/Die Grünen 8,9 Prozent
FDP 6,8 Prozent
Die Republikaner 1,6 Prozent
PDS 0,2 Prozent
sonstige Parteien 1,7 Prozent

Sollte sich dieses Ergebnis am Wahlsonntag (25.3.) tatsächlich einstellen, ist eine rot-grüne Mehrheit durchaus möglich. Eine rot-grüne Koalition käme demnach auf 48,2 Prozent, CDU und FDP kämen zusammen auf 48,4 Prozent. Das Abschneiden der CDU erklärt sich vor allem daraus, dass mehr als 70 Prozent (71,9) der Meinung sind, dass es nicht gut ist, wenn eine Regierung zu lange am Ruder ist. Erfreulich ist das schlechte Abschneiden der Republikaner. Auch die PDS spielt in Baden-Württemberg praktisch keine Rolle.

Die Wahlbeteiligung wird vermutlich relativ hoch ausfallen. In der Umfrage gaben 89,4 Prozent an, sich an der Landtagswahl zu beteiligen. Selbst wenn man Effekte der sozialen Erwünschtheit berücksichtigt, ist dieses Ergebnis als hoch einzuschätzen. Möglicherweise hat die Polarisierung der Parteien in diesem Wahlkampf zu einer Aktivierung des Wählerpotentials geführt.

Auf die Frage, ob sie für oder gegen einen Regierungswechsel in Baden-Württemberg seien, antworteten 43,2 Prozent mit Ja und 44,6 Prozent mit Nein.

Bedenklich ist, dass ein wesentlicher Prozentsatz der Menschen die Spitzenkandidaten gar nicht kennen. So ist 30,3 Prozent der Befragten Erwin Teufel gar nicht bekannt. Ute Vogt ist 44,1 Prozent unbekannt. Und den Spitzenkandidaten von Bündnis'90/Die Grünen, kennen 82,6 Prozent nicht.


Einschätzungen der Spitzenkandidaten von SPD und CDU

Immerhin trauen 35 Prozent der Befragten der in Regierungsämtern noch unerfahrenen Ute Vogt am ehesten zu, die anstehenden Probleme des Landes Baden-Württemberg zu lösen. 44,6 Prozent trauen dies Erwin Teufel zu. Ein gewisser Vertrauensverlust der CDU drückt sich darin aus, dass zwar die Mehrheit, aber insgesamt nur 64,1 Prozent mit der bisherigen Arbeit der Landesregierung zufrieden sind.

Es ist nicht auszuschließen, dass hier die Situation der Bundes-CDU eine Rolle spielt. Immerhin machen 70,5 Prozent der Befragten für einen eventuellen Verlust der Regierungsmehrheit die schlechte Darstellung der CDU auf Bundesebene verantwortlich. In diesem Zusammenhang ist auch zu sehen, dass nur 50 Prozent der Meinung sind, Angelika Merkel hätte bislang eine gute Figur gemacht.

Obgleich immerhin 35,5 Prozent der Meinung sind, dass Ute Vogt für das Amt der Ministerpräsidentin noch zu unerfahren ist und 23,3 Prozent sie für zu jung halten, sind immerhin 67,1 Prozent der Ansicht, dass sie frischen Wind in die Politik bringt.


Eine Selbstverständlichkeit: Frauen in der Politik

Die Umfrage widmete sich speziell der Rolle der Frauen in der Politik. Es konnte bestätigt werden, dass Frauen in der Politik inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Nur 6,4 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass Frauen sich aus dem politischen Alltagsgeschäft heraushalten sollen. 87,9 Prozent sind der Meinung, dass es ganz natürlich ist, wenn Frauen verstärkt in berufliche Bereiche hineingehen, die früher den Männern vorbehalten waren.

Auch das landläufige Vorurteil, dass Männer eigentlich die kompetenteren Politiker sind, wird von der weitaus überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr geteilt. In diesem Zusammenhang begrüßen auch 70,2 Prozent der Befragten, dass die CDU im Bund zur Zeit eine Frau als Parteivorsitzende hat. 82 Prozent sind der Meinung, dass es bei der Besetzung einer politischen Führungsposition keine Rolle spielt, ob der Kandidat eine Frau oder ein Mann ist. Nicht nur für Ute Vogt sondern für Frauen insgesamt gilt nach Meinung der Befragten, dass sie frischen Wind in die Politik bringen (78,2 Prozent).


Ansprechpartner:
Prof. Dr. Frank Faulbaum (Tel.: 0203/379-2532; Mobil: 0172/29 49 248), e-mail: faulbaum@uni-duisburg.de
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