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Hochschulen bereiten Modularisierung der Studiengänge vor - bald "Bachelor" und "Master"

19.03.2001 - (idw) Technische Universität Clausthal

Neue Formen nimmt das Hochschulstudium der Zukunft an: Integrierte Module bilden die Bausteine eines jeden Studiengangs. Unabhängig von Ort und Zeit können sie zusammen getragen werden, bis es zu einer international anerkannten Abschlußprüfung reicht. Das erlaubt ein Voll- wie auch ein berufsbegleitendes Studium - in Deutschland und im Ausland. Acht deutsche Hochschulen arbeiten derzeit an diesem Konzept, eine davon ist die TU Clausthal: Im jüngsten Zwischenbericht stellt sie exemplarisch vor, wie ein Maschinenbaustudent in einem binationalen Studiengang ohne Zeitverlust zum Doppel-Diplomabschluß kommen kann.

"Was heute hier noch wie Utopie klingt, sollte spätestens morgen Wirklichkeit sein, wenn wir weltweit wettbewerbsfähig bleiben wollen", betonte Prof. Dr.-Ing. Peter Dietz, Leiter des Instituts für Maschinenwesen an der TU Clausthal, bei der Vorlage des Zwischenberichts. "Wir" - das ist der Studienstandort Deutschland. Um hausgemachte wie auch internationale Hürden zu überwinden, arbeiten derzeit für die Bund-Länder-Kommission (BLK) fünf Universitäten und drei Fachhochschulen am Projekt "Entwicklung und Erprobung integrierter modularer Studienangebote unter Einbeziehung informations- und kommunikationstechnischer Medien am Beispiel der Ingenieurwissenschaften".

"In dieser Thematik steckt sehr viel Sprengstoff", machte bereits vor einem Jahr der Rektor der koordinierenden TU Ilmenau, Prof. Heinrich Kern, deutlich. Das größte Problem liege darin, in Absprache mit den zuständigen Kultusministerien die unterschiedlichen Vorgaben der Bundesländer "unter einen Hut zu bringen". Doch die Globalisierung der Wirtschaft und die enormen Veränderungen der Arbeitsinhalte zwingen die deutschen Hochschulen, ihre Bildungsangebote zu aktualisieren und umzustrukturieren. So müssen sie im Auftrag der BLK auch über international kompatible Kreditpunktesysteme und Abschlüsse wie "Bachelor" und "Master" brüten sowie über länder-, hochschul- und fachübergreifendes Zusammenwirken in Netzwerken. Bevor diese Hausaufgaben nicht erledigt sind, wird auch der viel zitierte "virtuelle Campus" hierzulande keinen Durchbruch erfahren.

Als international renommierte Universität mit weltweit 30 Hochschulpartnerschaften ist der TU Clausthal die Aufgabe zugefallen, Wege zur Internationalisierung des Studiums aufzuzeigen. Dazu hat die Harzer Universität beispielhaft mit dem "Intensivstudiengang Maschinenbau" zunächst die Möglichkeit eines modularisierten Vollstudiums eröffnet. Dessen Dauer wird nicht mehr über Semester sondern über Kreditpunkte nach dem "European Credit Transfer System" (ECTS) definiert. Kernpunkte sind die semesterbegleitenden Modulprüfungen sowie die Nutzung der vorlesungsfreien Zeit für den Besuch ergänzender Lehrveranstaltungen oder für Praktika außerhalb der Hochschule. Um international unterschiedliche Lehrinhalte eines Studiengangs vergleichen zu können, werden sie nach Kompetenzfeldern bewertet. Ein solcher Vergleich des Clausthaler Diplomstudiengangs Maschinenbau mit dem Masterstudiengang "Mechanical Engineering" an der Universtity Cardiff (Großbritannien) hat nur geringe Abweichungen von maximal 5 Prozent ergeben. Damit ist die Grundlage für einen ersten binationalen Studiengang geschaffen, der "schon in naher Zukunft realisiert werden soll", so die TU Claustahl in ihrem Zwischenbericht.

Demnach besucht der Student an der TU Clausthal in den ersten vier Semestern den Diplomstudiengang Maschinenbau, nach dem Vordiplom wechselt er für ein Jahr zum Masterstudiengang "Mechanical Engineering" an die University Cardiff. Dazu belegt er Englischkurse, je nach Vorkenntnissen schon in Clausthal oder erst parallel zum Studium in Cardiff. Für das vierte Studienjahr geht der Studierende wieder an seine Heimathochschule, besucht dort die Lehrveranstaltungen und erarbeitet die zweite Studienarbeit. Die Diplomarbeit erfolgt im 9. Semester: Diese wird sowohl von einem Professor der TU Clausthal als auch von einem Professor der Cardiff University betreut und bewertet. Die wissenschaftliche Lösung der Problemstellung kann dabei wahlweise in Clausthal oder in Cardiff erfolgen. Spiegelsymmetrisch ist das binationale Studium auch für den englischen Studenten mit Cardiff als Heimathochschule möglich.

Alternativ können Studenten im Rahmen von Teilstudien auch nur ein bis zwei Semester lang modularisierte Studiengänge im Ausland besuchen, die zur Ergänzung oder Vertiefung der Studieninhalte an der Heimathochschule dienen. Als weitere Form kommt ein weiterbildendes Graduiertenstudium im Ausland in Frage, wenn in Deutschland erst einmal die Rahmenbedingungen für Vergabe und internationale Anerkennung eines berufsqualifizierenden Bachelor-, bzw. Masterabschlusses geschaffen sind.

Die Modularisierung und Internationalisierung der Studien sowie die zunehmenden virtuellen Lehrangebote werden eine gründliche Studienorganisation voraussetzen. Dies ist eine der Folgen des neuartigen Bildungssystems, wie es im mittlerweile 3. Zwischenbericht der TU Clausthal heißt. Es erfordere nicht nur eine höhere Eigenverantwortung auf Seiten der Studierenden, sondern "auch einen höheren Beratungsaufwand für die Studienfachberater". So müsse jeder Studierende bei einem Hochschulwechsel einen persönlichen Studien- und Prüfungsplan vorweisen, der von der Heimathochschule zu genehmigen sei. Denn bei aller Freizügigkeit in der Wahl der Fächer und des Studienablaufs soll ein straff organisiertes und damit kürzeres Studium als bisher ermöglicht werden.


Weitere Informationen:
Prof. Dr.-Ing. Peter Dietz
Institut für Maschinenwesen
Robert-Koch-Straße 32
D-38678 Clausthal-Zellerfeld
Tel.: +49 5323 72 2270
Fax : +49 5323 72 3501
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