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Gesundheitswirtschaft - Branche im Stress, aber dennoch mit guten Aussichten

04.10.2002 - (idw) Institut Arbeit und Technik

IAT-Experten legen Analyse der Rahmenbedingungen, Herausforderungen und Zukunftschancen vor

Über das Gesundheitswesen wird viel, heftig und kontrovers debattiert. Zumeist geht es dabei um Kürzungen und Einsparungen. "Die Kostenkrise ist aber nur eine Seite der Medaille. Denn trotz des Zwangs zur Kosteneffizienz ist das Gesundheitswesen grundsätzlich auf Wachstum programmiert und es zeichnen sich darüber hinaus auch vielversprechende neue Perspektiven für die Gesunderhaltung und Heilung ab". Dr. Josef Hilbert, Leiter der Abteilung Dienstleistungssysteme am Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen), fordert einen Perspektivwechsel in der Gesundheitswirtschaft "vom Kostenfaktor zur Zukunftsbranche".

Denn die Chancen dafür stehen gut, wie eine aktuelle Studie aus dem IAT zeigt, die Hilbert jetzt zusammen mit den IAT-Wissenschaftlern Rainer Fretschner und Alexandra Dülberg vorgelegt hat. Diese Analyse der Rahmenbedingungen, Herausforderungen und Zukunftschancen der Gesundheitswirtschaft ist die derzeit umfassendste Untersuchung der Branche von den aktuellen sozialpolitischen Fragestellungen bis hin zu den wirtschafts- und beschäftigungspolitischen Perspektiven.

Die Triebkräfte für das Wachstum der Gesundheitswirtschaft sehen die IAT-Experten neben der sozio-demografischen Entwicklung und dem medizintechnischen Fortschritt vor allem im Bereich Life-Style und Wellness. Abseits von den Leistungen der Kranken- oder Pflegeversicherung gewinnen Gesundheit und Lebensqualität zunehmend Bedeutung als Konsumgut, für das auch privat gerne und viel Geld ausgegeben wird. In wachsenden Teilen der Bevölkerung entwickeln sich Gesundheit und Lebensqualität zu neuen Statussymbolen, um Erfolg und Lebensart zu demonstrieren, so wie früher wertige Gebrauchsgüter wie Autos, Fernseher oder Uhren.

Eine riesige Palette von Produkten und Dienstleistungen zielt heute auf die Aktivierung von privater Nachfrage. Das fängt an bei der Schönheitschirurgie: mit 150 000 bis 200 000 Operationen pro Jahr - vom zierlichen Näschen über die Korrektur von Segelohren bis zum je nach Wunsch größeren oder kleineren Busen - ist die plastische Chirurgie mittlerweile auch in Deutschland ein gutes Geschäft geworden. Pillen zum Wohlfühlen, gegen Haarausfall, gegen das Altern oder gegen die Vergesslichkeit gehören zu den Life-Style-Drugs, die als Chemie-Cocktail oder gerne auch "aus der Natur" - aus Knoblauch, Gingko, Brokkoli und Vitaminen - genossen werden.

Fitness und Wellness bereichern in Hotels, Bädern, Fitnesscentern und bei Reiseveranstaltern das Angebot mit Anwendungen und Behandlungen, die von Akupressur über Thai Chi bis zum Yoga reichen. Auch Luxus-Betreuung in Krankenhäusern oder Gesundheitsangebote beim Service-Wohnen, vom Notrufsystem bis zum Biomonitoring, können beitragen, zusätzlich private Mittel für den Gesundheits- und Sozialsektor zu mobilisieren.

Die Wachstums- und Beschäftigungswirkungen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft sind beachtlich: In der Gesundheitswirt-schaft der Bundesrepublik arbeiteten Mitte der 90er Jahre über 4 Millionen Menschen (11,2 Prozent der Gesamtbeschäftigung). Wie eine vom IAT für das nordrhein-westfälische Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit erstellte Studie zeigt, zählt die Gesundheitswirtschaft zu den personal- und beschäfti-gungsintensivsten Branchen der Bundesrepublik. Bereits in den letzten beiden Jahrzehnten nahm in NRW die Beschäftigung um rund 175.000 oder + 22,4% auf fast eine Million zu. Bis zum Jahr 2015 ist ein weiterer Zuwachs in der Gesundheitswirtschaft NRW´s in einer Größenordnung von 70 000 bis zu 196 000 Be-schäftigten möglich, rechnet das Institut.

Die Entwicklung der Gesundheitswirtschaft zeitigt damit auch politischen Handlungsbedarf: Zum einen ist keineswegs sicher, dass die vorhandenen Chancen auch genutzt werden, zum anderen muss verhindert werden, dass durch zusätzliche private Mittel Ungleichheiten bei der gesundheitlichen Versorgung entstehen. Bei vielen neuen Angeboten sind Qualitätssicherung, Transparenz und Verbraucherschutz noch unzureichend. Die traditionelle Gesundheitswirtschaft, die sich bisher weitgehend aus dem Versicherungssystem finanziert, muss zudem aufpassen, dass sie sich von den Zukunftsmärkten nicht abkoppelt. Der Experte Dr. Hilbert: "Durch mehr Offenheit bei der Entwicklung, Erprobung und Vermarktung innovativer und privat finanzierter Angebote muss dieser Gefahr zügig entgegengewirkt werden."

Josef Hilbert/ Rainer Fretschner/ Alexandra Dülberg: Rahmenbedingungen und Herausforderungen der Gesundheitswirtschaft, Gelsenkirchen 2002 Die Studie ist als pdf-Datei unter http://iat-info.iatge.de im Internet verfügbar.

Für weitere Fragen stehen

Ihnen zur Verfügung:

Dr. Josef Hilbert
Durchwahl: 0209/1707-120
Rainer Fretschner
Durchwahl: 0209/1707-163


Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de
WWW: http://iat-info.iatge.de
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