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Zeitschrift ARBEIT: "Nachhaltigkeit und Beschäftigung"

05.04.2001 - (idw) ISO Institut zur Erforschung sozialer Chancen Köln

Seit einiger Zeit wird die Nachhaltigkeitsdiskussion, die sich anfangs auf ökologische Aspekte beschränkt hat, um die ökonomisch-soziale Dimension erweitert. Die Erkenntnis, dass sowohl Umwelt- als auch Beschäftigungskrisen die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft bedrohen, steht im Blickpunkt von Heft 1/2001 der Zeitschrift ARBEIT.

Die Beschäftigungskrise kann als Erfolg entwickelter Wirtschaften gewertet werden, da mit weniger Arbeit immer mehr Güter produziert werden. Dieser "Erfolg" ist solange problematisch, wie die Gesellschaft eine reine Erwerbsarbeitsgesellschaft bleibt, es also eine genügend große Anzahl von Erwerbsarbeitsplätzen geben muß, um Exklusion für Teile der Gesellschaft zu vermeiden. Daher wird man auch über eine Umverteilung von Arbeit im formellen Sektor (Arbeitszeitverkürzungen in vielen Varianten) und über eine Neuorganisation des Verhältnisses zwischen Erwerbsarbeit und anderen Formen gesellschaftlicher Arbeit ("Tätigkeitsgesellschaft") nachdenken müssen. Wenn dies geschieht, stellen sich sofort und verstärkt Verteilungsfragen. Wie müssen die Verteilungsmodi für Einkommen, Vermögen und Arbeit aussehen?

Auch im Rahmen der Nachhaltigkeitsdebatte haben soziale Integration und Gerechtigkeit große Bedeutung erlangt. Dabei geht es zunächst vornehmlich um die Neugestaltung der sozialen Sicherungssysteme und um die Ausgestaltung eines neuen Gesellschaftsvertrags. Diese hochkomplexe Gemengelage von Diagnosen und Therapien ist inzwischen fast unüberschaubar. Die Unübersichtlichkeit wird nochmals durch die unerlässliche Integration der Internationalisierungsdiskussion (Globalisierung, Wettbewerbsfähigkeit) gesteigert. Dabei vermischen sich häufig die klaren Konturen neoliberaler, angebotsorientierter Argumentationsketten mit postkeynesianischen Überlegungen zum Teil bis zur Unkenntlichkeit. Es wird einem modernistischen Pragmatismus das Wort geredet, gelegentlich auch unter dem falsch verstandenen Modell konsensualer Wirtschaftspolitik.

In diese angedeutete Unübersichtlichkeit will die Zeitschrift ARBEIT "Ordnung" bringen mit einer losen Folge von Schwerpunktheften; sie beginnt in Heft 1/2001 mit dem Thema "Arbeit und Umwelt, Nachhaltigkeit und Beschäftigung".

- Udo E. Simonis ordnet Schrumpfung und Wachstum, die beide zu elementaren Bestandteilen einer aktiven Strukturpolitik werden sollten, dem wirtschaftlichen Strukturwandel zu. Theorie und Empirie belegen es: Der autonome wirtschaftliche Strukturwandel ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung einer nachhaltigen Entwicklung. Simonis fordert eine effektivere ökologische Politik, die hauptsächlich von zwei Ressorts formuliert und ergänzt werden muss: zum einen von der Umwelt- und zum anderen von der Wirtschaftspolitik.

- Hermann Bartmann und Jan Schwaab diskutieren einige paradigmatische Grundlagen zur Nachhaltigkeitsdiskussion. Zunächst wird deutlich, dass eine Trennung von ökonomischer, ökologischer und sozialer Dimension von Nachhaltigkeit nicht möglich ist. Im zweiten Schritt wird die Umwelt- und Beschäftigungsproblematik im Zusammenhang mit der Wachstumsdiskussion analysiert. Drei Grunddefizite der neoklassisch-neoliberalen Position werden dargelegt: die Substitutionshoffnung, die Internalisierungsutopie und die umstandslose Wettbewerbshoffnung. Bevor eine ökologisch-soziale Reformstrategie als Resultat skizziert wird, werden die sogenannten Sachzwänge der Globalisierung erörtert und dargelegt, inwieweit auch in Zeiten der Globalisierung Politik möglich ist.

- Karl Georg Zinn behandelt die grundlegenden Entwicklungstendenzen von Beschäftigung und Umwelt bzw. Arbeit und Nachhaltigkeit. Um Stagnationstendenzen und der tertiären Krise entgegenzuwirken, wird langfristig ein Strukturwandel in Richtung nachhaltige Entwicklung angemahnt. Dieser beinhaltet eine ökologische Wachstumsstrategie, die mit einem Wandel zu Tätigkeiten ohne nennenswerten Ressourcen- und Naturverbrauch (Pflegedienste, Bildungsaktivitäten) verbunden ist und von Arbeitszeitverkürzungen begleitet wird.

- Eyko Ewers, Ernst-H. Hoff und Jens Walter schließen mit einer theoretischen Fundierung die Lücke zwischen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln, die dem systemischen Charakter ökologischer Probleme gerecht wird. Hieraus leiten sie Ansatzpunkte für praktische Strategien zur Förderung ökologieverträglichen Handelns am Arbeitsplatz ab.

- Guido Becke, Bärbel Meschkutat und Petra Weddige zeigen mit ihrem Modellprojekt aus der Bauwirtschaft, dass Umweltmanagementsysteme sozial-ökologische Lernprozesse in Kleinunternehmen beschleunigen können.

Die Aufsätze werden von einem Kurzbeitrag über das TaT Rheine, einen Tagungsbericht zum Global Dialogue "Science & Technology - Thinking the Future" und Rezensionen zum Thema ergänzt.

Professor Hermann Bartmann, der dieses Heft wesentlich konzipiert und organisiert hat, starb plötzlich und unerwartet am 24. Dezember 2000. Wir sind darüber sehr traurig.

Das Heft ARBEIT 1/2001 kann zum Preis von DM 34,- beim Buchhandel oder beim Verlag Lucius & Lucius (Gerokstr. 51, 70184 Stuttgart, Fax 0711/24 20 88) bezogen werden (Jahresabonnement DM 108,-).

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