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Ministerin Behler auf der ICDE-Weltkonferenz: Fernlehre und Weiterbildung werden wichtiger

03.04.2001 - (idw) FernUniversität in Hagen

"Fern- und Präsenzlehre, Fern- und Schulunterricht, berufliche Erst- und Weiterbildung müssen und werden in Zukunft zusammenwachsen und in ein geregeltes und reflektiertes Miteinander überführt", unterstrich Gabriele Behler, nordrhein-westfälischen Ministerin für Schule, Wissenschaft und Forschung bei der 20. ICDE-Weltkonferenz in Düsseldorf am Montag, 2. April. Dabei werde das Lernen außerhalb formeller Bildungsinstitutionen eine größere Bedeutung erhalten und der Anteil der Weiterbildung steigen. Die Ministerin warnte jedoch davor, Lernen nur an ökonomischen Bedürfnissen zu orientieren. Die 20. ICDE Weltkonferenz für Fernlehre und Fernstudium mit über 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus fast 100 Staaten in aller Welt steht unter dem Hauptthema "Die Zukunft des Lernens - Lernen für die Zukunft: Den Wandel gestalten". Organisiert wird sie in der NRW-Landeshauptstadt von der FernUniversität Hagen. Diese Zukunft des Lernens hat bereits begonnen, denn mit 380 Millionen Internetnutzern weltweit, davon 25 Millionen alleine in Deutschland, ist Wissen der wichtigste Produktionsfaktor geworden, so Erwin Staudt, Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH: "Wir haben den Status der Informationsgesellschaft bereits erreicht!" Und diese benötigt Beschäftigte mit Kompetenzen, die über reines Fachwissen weit hinausreichen.

Orte der formellen Bildung wie Schule und Hochschule und die Arten und Weisen der informellen Bildung müssten enger verzahnt werden, so Gabriele Behler: "Anders werden wir den Übergang zum lebensbegleitenden Lernen nicht bewerkstelligen können."

Nordrhein-Westfalen habe nicht nur die dichteste Bildungs-, Hochschul- und Forschungsregion Europas, sondern sei bereits das deutsche Stammland des "distance-learning". Denn hier habe die einzige Fernuniversität Deutschlands - die mit rund 60.000 Studierenden zu den größten in Europa zählt - ihren Sitz. Nicht von ungefähr spiele die Hagener Universität - deren Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer für das wissenschaftliche Programm der ICDE-Weltkonferenz verantwortlich ist - in der Gesamtorganisation und Durchführung dieses Kongresses eine zentrale Rolle: Sie schlage eine Brücke zwischen formeller und informeller Bildung, verbinde Forschung und grundständige Lehre mit grenzüberschreitender Weiterbildung und dem selbst organisierten, lebenslangen "distance-learning". Nicht zuletzt sei sie Vorreiterin bei der Entwicklung einer virtuellen Universität.

Virtualität - genauer gesagt, Multimedia und Telematik - sind für Gabriele Behler die großen Innovationen für das Lernen von morgen. PC und Laptop, Internet, Plattformen und Lernsoftware seien zentrale Wegbereiter der neuen Lernkultur für das 21. Jahrhundert, in der auch die Lernansätze vielfältiger und vielseitiger werden. Neben das Lernen durch Anleitung, Verstärkung und Einsicht werde mehr und mehr das Lernen durch Entdecken, Erleben und Interpretieren treten. Dieser Aufgabe hat sich die FernUniversität bereits gestellt.

Gegenstand und Ziel der neuen Lernkultur seien nicht nur lernende Menschen, sondern lernende Organisationen und Institutionen. Der Einzelne "muss das Erlernte auch aktiv und gestaltend, verteilt und vernetzt einsetzen." Die bildungspolitische Vision der Zukunft wäre demnach für die Ministerin ein sinnvoll geknüpftes Bildungsnetz von Elementen der formellen und der informellen Bildung, des zentralen und dezentralen, des fremd- und selbst gesteuerten Lernens, des aufeinander abgestimmten Präsenz- und Fernunterrichts, des beruflichen und des allgemeinen. Hochschulen und Schulen (Behler: "Basislager für das lebenslange Lernen") müssten sich dabei fragen, was nur bei ihnen selbst möglich ist, aber auch, wo sie sich verändern und öffnen müssen.

Auch zukünftig gelte für das Lernen insgesamt: Bildung ist viel mehr als nur die Anpassung an die Bedürfnisse der Wirtschaft. Es wäre eine intellektuelle Verarmung und pädagogische Verödung, wenn das Lernen der Zukunft nur mehr auf ökonomisch verwertbares Anpassungswissen zielte und allein darin bestünde, fit zu machen für Beruf und Arbeit: "Börsenfeste Tausendsassas als Ziel unserer Bildungsanstrengungen, das wäre mir entschieden zu wenig!"

Für den IBM-Deutschland-Chef Erwin Staudt hat die zunehmende Bedeutung des Internet als treibende Kraft der internationalen Zusammenarbeit Auswirkungen und Folgen für jede Organisation und jeden Einzelnen. So werden sich Marktstrukturen radikal ändern. Der rasante, grenzenlose just-in-time-Datenverkehr ermöglicht z. B. globale Geschäftsbeziehungen. Das Kapital wird dahin kommen, wo es die besten und kreativsten Menschen findet. In der Informationsgesellschaft werden daher von den Beschäftigten ganz neue Qualifikationen gefordert.

Heute müssen Beschäftigte ihr Berufswissen zwei- bis dreimal erneuern, so Staudt. In seinem Unternehmen wird hierfür e-learning genutzt. Zukünftig ist lebenslanges Lernen der Normalfall. 1975 hatte ein Beschäftigter 75 Prozent des berufsnotwendigen Wissens in seinem Kopf, heute nur noch 15 bis 20 Prozent, den Rest findet er im PC, im WordWideWeb oder im wissenschaftlichen Bereich. Doch wie entdeckt er es in der rasant ansteigenden Informationsflut?

Das globale Wissen der Menschheit nimmt immer schneller zu. Zurzeit verdoppelt es sich alle fünf Jahre, im Jahre 2020 voraussichtlich alle 72 Tage. Beschäftigte müssen gelernt haben, die richtigen Fragen zu stellen. Basis hierfür sind eine erstklassige Ausbildung und die Fähigkeit, die Kompetenzen und das Wissen zu kennen, die für den Beruf benötigt werden. Und die Beschäftigten müssen die Quellen des Wissens finden können. Hinzu kommen eine neue Teamfähigkeit, die von Internet und e-Business erfordert wirde. Also muss man in virtuellen Gruppen über großes Distanzen hinweg zusammenarbeiten können, die auch die Grenzen von Unternehmen überschreiten. Beschäftigte werden "Diplomaten" ihrer Unternehmen sein. Von Managern werden weitere Kompetenzen gefordert: Sie müssen gleichzeitig Führungskraft und Teammitglied sein und u. a. sehr gestiegenen Anforderungen an Kommunikation mit jedermann im Unternehmen entsprechen.

Auf die geänderten beruflichen Anforderungen der Informationsgesellschaft müssen die jungen Leute ganz anders vorbereitet, neue Wege des Lernens und Lehrens entwickelt werden. Lernen wird interaktiver, Lehrer und Lernenden in Teams zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt des Lernens steht die oder der Lernende als Kundin oder Kunde. Vor allem müssen die jungen Leute in die Lage versetzt werden, die Informationstechnologien und Neue Medien so zu benutzen wie Papier und Stift. Diese ermöglichen es ihnen, aktiv, problemorientiert, selbstständig, zeitflexibel und ortsunabhängig zu lernen - so, wie sie es nach der Ausbildung auch lebenslang im Beruf müssen.

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