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Zwei Graduiertenkollegs belegen die Forschungsqualität an der Universität Essen

11.04.2001 - (idw) Universität Essen (bis 31.12.2002)

Die beiden Sprecher der mit insgesamt mehr als 2,6 Millionen Mark von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenkollegs an der Universität Essen erläuterten auf einer Pressekonferenz Ziele und Inhalte ihrer Veranstaltungen.

101/2001
11. April 2001

Der Historiker Professor Dr. Wilfried Loth stellte das Kolleg "Europäische Gesellschaft" vor, das voraussichtlich in den kommenden neun Jahren Forschungen zu Umbrüchen gesellschaftlicher Ordnung und Orientierung im Prozess der europäischen Integration betreibt. Die Diskussion über die Entwicklung der europäischen Gesellschaft ist hochaktuell, zahlreiche begriffliche und empirische Klärungen stehen jedoch noch aus. Vor allem müssen die verschiednen Disziplinen, die sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit Europa befassen, stärker kooperieren. Zum ersten Mal führt das Graduiertenkolleg Vertreter eines breiten Fächerspektrums zusammen, insgesamt sieben Gebiete aus vier Fachbereichen sind beteiligt: Geschichte, Philosophie, Soziologie, Pädagogik, Sportpädagogik, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre. Zunächst sind drei Jahre Laufzeit beantragt, in denen 12 Doktoranden/innen von der DFG geförderte Stipendien erhalten. Fünf weitere Kollegiaten werden nicht aus Mitteln der DFG gefördert.

Im Graduiertenkolleg "Europäische Gesellschaft" wird beispielsweise geforscht, auf welchen Traditionen Überlegungen zur europäischen Gesellschaft beruhen. Empirisch wird untersucht, wieweit die europäischen Gesellschaften einander ähnlich werden, welche Vernetzungen entstehen oder wie weit eine europäische Identität an Bedeutung gewinnt. Mögliche Handlungsstrategien zur Unterstützung des Prozesses der Entfaltung einer gelebten Idee von Europa werden diskutiert. Auch folgende Fragen finden Berücksichtigung: Befinden wir uns auf der Rückkehr zu einer europäischen Gesellschaft, wie sie wohl vor dem Zeitalter der Nationalstaaten existierte? Oder zu einer neuen Art vereinheitlichter Zivilisation in Europa, in der durch die Herausforderungen der Globalisierung ein produktives Zusammenwirken entsteht? Laufen die Gesellschaften Europas Gefahr, in der Spannung zwischen Globalisierung und Individualisierung ihre Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit zu verlieren? Fragen, denen sich die Wissenschaftler stellen werden.

Bereits 1998 war an der Universität Essen der fächerübergreifende Forschungsverbund "Europäische Gesellschaft" entstanden. Hieraus ging nun das Graduiertenkolleg hervor. Teilnehmer sind neben den Postdoktoranden ausschließlich Doktoranden, die bei einem am Graduiertenkolleg beteiligten Hochschullehrer promovieren.

Der Chemiker Professor Dr. Günter Schmid stellte das Graduiertenkolleg "Reaktivität im oberflächennahen Bereich" vor, das ebenfalls eine voraussichtliche Laufzeit von neun Jahren hat und in dem 15 Doktoranden/innen arbeiten. Hier befassen sich Vertreter aus den Fachbereichen Physik, Chemie, Bauwesen, Maschinenwesen und Medizin mit Oberflächen von Materialien, deren physikalischen, chemischen und strukturellen Eigenschaften entscheidend für das Verhalten des Materials gegenüber der Umgebung ist. Dies ist wiederum bedeutsam für dessen Einsatz als Werkstoff. Die Entwicklung neuer High-Tech-Materialien kann nicht mehr von einer klassischen Disziplin allein vorangetrieben werden, weil die Zusammenhänge allzu komplex geworden sind.

An der Universität Essen ergab sich aus der mehrjährigen Zusammenarbeit verschiedener Arbeitsgruppen der erwähnten Fächer und deren gemeinsamen Interessen an Oberflächenproblemen die große Chance dieses Graduiertenkollegs. So wird eine ungewöhnlich breite Behandlung von Oberflächenprozessen möglich, denn trotz des breiten Spektrums an zu untersuchenden Materialien, basieren alle vier - im Folgenden vorgestellten - Teilprojekte auf prinzipiellen und damit gemeinsamen Fragestellungen.

Das Kolleg umfasst vier Projekte: Erstens werden Elementarreaktionen, die durch Wechselwirkungen von Energie oder Teilchen mit Oberflächen ausgelöst werden, untersucht. Diese Experimente tragen dazu bei, die empirischen "Kochrezepte" für die Herstellung verschiedener Schichten und Strukturen durch ein physikalisches Verständnis der auftretenden Prozesse zu begründen und gegebenenfalls zu verbessern. Das zweite Projekt befasst sich mit praxisnahen chemischen und physikalischen Problemen der Beschichtung bei der Veredelung von Werkstoffen. Ziel ist hier der Zugang zu exakt definierten Schichten, damit die Schichtzusammensetzungen beeinflusst werden können. Im dritten Projekt geht es um die Veränderung von Material-Eigenschaften durch physikalische und chemische Grenzflächenprozesse. Forschungen zu diesem Thema sind besonders wichtig, wenn Oberflächeneigenschaften gezielt beeinflusst werden sollen. Die Wechselwirkung von inneren Oberflächen, wie sie beispielsweise in porösen Baustoffen vorkommen, mit "aggressiver" Umgebung wird untersucht. Dazu gehört auch die Dynamik so kleiner Moleküle wie Wasser in den Poren von Beton. Mit Hilfe von Berechnungen der molekularen Strukturen kann zum Beispiel die Charakterisierung von Betonen durch natürliche und künstliche Auslaugeprozesse vorangetrieben werden. Auch das Verständnis der Vorgänge, wenn Wasser in porösen Materialien gefriert, soll verbessert werden. Biokompatible Implantate mit verbesserter Lebensdauer stehen im Interesse des vierten Projekts. Hier werden Wechselwirkungen von Oberflächen mit Biomolekülen und biologischen Systemen untersucht. Dem Ziel, ein verbessertes Implantat zu schaffen, dient eine biologisch aktive, immobilisierte Proteinschicht auf Werkstoffen wie Titan, Stahl oder Glas. Im Rahmen dieses Projekts sollen derartige Proteinfilme detailliert untersucht werden.


Redaktion: Maren Beuscher, Telefon (02 01) 1 83 - 45 18
Weitere Informationen: Professor Dr. Wilfried Loth, Telefon (02 01) 183-35 79
Professor Dr. Günter Schmid, Telefon (02 01) 183-24 01
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