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Neuauslobung von Wissenschaftspreisen und Forschungsstipendien in Deutschland stark ansteigend

07.10.2002 - (idw) Union der deutschen Akademien der Wissenschaften

Die Zahl der Auszeichnungen für Wissenschaftler/innen hat sich seit Mitte der 1990er Jahre mehr als verdoppelt. Die Auszeichnung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durch Preise und Forschungsstipendien boomt seit Jahren in Deutschland. Zwischen Mitte der 1990er Jahre und 2002 ist die Zahl der Wissenschaftspreise und Forschungsstipendien um über 50 % gestiegen, so das Ergebnis des Handbuchs der Wissenschaftspreise und Forschungsstipendien, das seit 1998 im zweijährigen Turnus veröffentlicht wird. Besonders hohe Zuwachsraten sind bei den Preisen und Stipendien für den wissenschaftlichen Nachwuchs sowie bei den Innovations- und Erfinderpreisen zu verzeichnen. Immer mehr Privatpersonen, Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen stiften Geld, um Wissenschaftler/innen für eine besondere Forschungsleistung oder für ihr wissenschaftliches Lebenswerk auszuzeichnen oder um diesem Personenkreis die Möglichkeit eines Forschungsaufenthaltes im Ausland zu geben.

Die Auszeichnung von Wissenschaftlern in Form von Medaillen, Urkunden und Geldpreisen ist so alt wie die Wissenschaft. Bereits im späten 18. Jahrhundert haben die europäischen Akademien der Wissenschaften diese Tradition als Preisauslobung begründet und gehören bis heute zu den "Hauptauszeichnern" für die Wissenschaft. Derzeit werden von den acht deutschen Wissenschaftsakademien über 70 Wissenschaftspreise und Forschungsstipendien verliehen.

Die Motive der Geldgeber sind im Laufe der Jahrhunderte weitgehend unverändert geblieben: Interesse an Wissenschaft und Forschung, Initiierung oder Stimulanz eines bestimmten Forschungsthemas, aktive Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, gesellschaftliche Anerkennung durch mäzenatische Aktivitäten und Preisvergabe durch forschungsintensive Unternehmen als aktive Öffentlichkeitsarbeit. Da rund 90 % der Preise und Stipendien den Namen des Stifters oder der Stifter oder der stiftenden Institution tragen, dürfte die Möglichkeit, den Namen zu "verewigen", auch ein zeitloses Motiv für dieses wissenschaftsfördernde Engagement sein.

Die Auszeichnung mit Wissenschaftspreisen und Forschungsstipendien hatte bis weit in die 1980er Jahre hinein in Deutschland nicht den Stellenwert wie in den angelsächsischen Ländern, wo die Auszeichnung durch "awards", "scholarships" und "fellowships" entscheidende Kriterien für die wissenschaftliche Reputation und Karriere sind; hierzulande gelten bis heute die wissenschaftlichen Veröffentlichungen als die primären Indikatoren für die Beurteilung der Qualifikation eines Wissenschaftlers.

Mit der abnehmenden Bedeutung der Habilitation und der Einführung der Juniorprofessur sowie der Internationalisierung und Globalisierung der Wissenschaft ist der Boom von Wissenschaftspreisen und Forschungsstipendien in Deutschland nicht alleine zu erklären, die gesteigerten Aktivitäten sind auch Ausdruck eines gestiegenen gesellschaftlichen Interesses an Wissenschaft und Forschung und ihrer Bedeutung für die wirtschaftliche und technologische Entwicklung.
Seit den 1990er Jahren und hier vor allem in der zweiten Hälfte, setzte in Deutschland eine Welle von Neuauslobungen ein. Mehr als jeder zweite der in den Jahren 2000 bis 2002 verliehenen Preise ist nach 1993 erstmals verliehen worden.

Derzeit, so das Ergebnis des Buches, gibt es in Deutschland rd. 2.400 Wissenschaftspreise und Forschungsstipendien, die jährlich oder in einem festen Turnus von über 600 Geldgebern und Sponsoren an Wissenschaftler/innen in der staatlich geförderten Forschung oder in der Industrieforschung verliehen werden. Sie decken mittlerweile fast alle Disziplinen und Fachgebiete ab. Nach Fächergruppen gibt es die meisten Preise und Stipendien für die Medizin, für die Naturwissenschaften und für die technischen Disziplinen, gefolgt von den Geisteswissenschaften und den Gesellschaftswissenschaften. Aber auch bei den zuletzt genannten Fächergruppen ist die Tendenz, neue Auszeichnungen auszuloben, steil ansteigend.


Das Buch gibt einen differenzierten Überblick über das System der Wissenschaftspreise und Forschungsstipendien in Deutschland und über ausländische Preise, für die deutsche Wissenschaftler/innen antragsberechtigt sind. Außerdem führt es auf über 500 Seiten alle Preise und Forschungsstipendien mit den wichtigsten Informationen einschließlich Bewerbungsmodalitäten und
-fristen, Adresse, Homepage und Ansprechpartner detailliert auf.

Die Initiatoren des Verzeichnisses sind Dr. Dieter Herrmann, Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, Regierungsdirektor Dr. K.P. Christian Spath, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, und Bernhard Lippert, Hochschulrektorenkonferenz. Das Geleitwort hat der Präsident der HRK, Prof. Dr. Klaus Landfried, übernommen.

Bibliographische Angaben: Handbuch der Wissenschaftspreise und Forschungsstipendien einschließlich Innovations- und Erfinderpreise, 3. Auflage 2002/3, ISBN 3-9803983-3-1, 560 Seiten, 13,60 EUR. Zu beziehen über den Buchhandel oder über den Verlag (ALPHA Informations-GmbH, Finkenstraße 10, 68623 Lampertheim, Telefax 06206-939243, E-mail: bestellung@alphawerbung.de).


Weitere Informationen: Dr. Dieter Herrmann, Tel. 06135 / 950067 oder 06131 / 218528-12, E-mail: dpherrmann@aol.com
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