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Karl Plagge - Ein "Schindler" aus Darmstadt

18.04.2001 - (idw) Technische Universität Darmstadt

Karl Plagge (1897 - 1957) - ein "Schindler" aus Darmstadt
TUD-Archiv hilft Überlebenden bei der Spurensuche nach ihrem Retter
In die Zeit der brutalen Judenverfolgung und -vernichtung in Wilna, dem "litauischen Jerusalem", in der Zeit des Zweiten Weltkriegs führen die Spuren, auf denen die Familie der dort 1929 als Perella Esterowicz geborenen Amerikanerin Dr. Pearl Good nach ihrem Helfer und Retter, dem deutschen Leiter des Heereskraftfahrparks 562 "Major Plagge", fahndete. Plagge kam aus Darmstadt, und so erreichte der Hilferuf von Pearls Sohn Dr. Michael Good auf Umwegen Anfang dieses Jahres das Archiv der TU Darmstadt. Wer Karl Plagge war und was wir heute von ihm wissen, umreisst Marianne Viefhaus in der neuen Ausgabe der Uni-Zeitung "TUD intern" vom 17.4.2001.
Karl Plagge, 1897 in Darmstadt als Sohn einer angesehenen Familie geboren, hatte von 1919 bis 1924 an der TH Darmstadt Maschinenbau mit Schwerpunkt in der Chemischen Technologie studiert und die Hochschule mit dem Diplom verlassen. Die politisch wie wirtschaftlich schwierigen 20er Jahre machen ihn zu einem Anhänger der NSDAP, der er 1931 beitritt. Nach Hitlers "Machtübernahme" erkennt er zunehmend das wahre Gesicht der Nazis: die Verfolgung der jüdischen Mitbürger im eigenen Land und die Vorzeichen des Eroberung- und Vernichtungskriegs gegen die Nachbarn entsetzen ihn. Er geht auf Distanz zu den Nazis, ablesbar zum Beispiel auch an seiner engen, das dritte Reich und die Nachkriegszeit überdauernden Freundschaft zu Kurt Hesse, dem Inhaber der Maschinenfabrik Hessenwerke GmbH in der Siedlung Tann, der mit einer Frau jüdischer Herkunft verheiratet ist und Karl Plagge 1938 als Ingenieur einstellt.
Im Krieg wird Karl Plagge eingezogen und erhält 1941 das Kommando über den Heereskraftfahrpark in Wilna. Wie vielfach bezeugt und in den von Marianne Viefhaus aufgespürten Entnazifierungsakten Karl Plagges nachlesbar, setzt er sich in dieser Funktion mit großem Mut für litauische Juden ein, die er als Arbeiter anfordert und beschäftigt, vor Deportationen bewahrt und in der ganzen Zeit einfach menschenwürdig behandelt. Kurz vor Abzug der Wehrmacht aus Wilna signalisiert er "seinen Juden" in einer von den Überlebenden bis heute nicht vergessenen Rede, sich vor der SS zu verstecken, die das Regime im Kraftfahrpark übernehmen würde. Zu den Überlebenden, die sich in einer kurz zuvor entdeckten Kloake drei Tage lang versteckten, gehörten Perella Esterowicz, ihre Eltern, eine Cousine und rund hundert andere Lagerinsassen.
1999 machte sich Dr. Pearl Good mit ihrer Familie auf den Weg nach Litauen und auf die Suche nach Karl Plagge, für den sie in Yad Vashem die posthume Verleihung der Würde eines "Gerechten unter den Völkern" erreichen möchte. Die Erinnerungen Pearls an die Zeit im Lager, das Ergebnis ihrer Recherchen und Eindrücke von dieser Reise in die Vergangenheit sind von Dr. Michael Good ausführlich im Internet zusammengetragen worden und dort nachlesbar unter www.hometown.aol.com//michaeldg/ .
Hinweis an die Redaktionen: Den Beitrag von Marianne Viefhaus und ein Foto von Karl Plagge können wir Ihnen elektronisch zur Verfügung stellen. Bitte richten Sie Ihre Anfragen an presse@pvw.tu-darmstadt.de

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