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Die Nase im Wind: Greifswald gibt besten Bachelorstudenten gleich das Promotionsrecht

07.10.2002 - (idw) Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Es sieht so aus, wie wenn die Universität Greifswald wieder einmal ganz vorne mitspielt. Nicht nur in Gedanken, sondern Taten. In der Greifswald Graduate School in Science (GGSS) beginnen die ersten Studenten aus dem Ausland zu promovieren, die bisher nur einen Bachelorgrad (BSc) erworben haben. Die GGSS steht aber nicht nur Ausländern offen, sondern jedem Besten, der einen Bachelorgrad erworben hat. Das gibt es in Deutschland bisher sonst nirgendwo.

Im Januar 2000 hatte der (Bundes-)Wissenschaftsrat empfohlen, "in Anknüpfung an seine Empfehlungen zu Graduiertenkollegs und Doktorandenstudien, grundsätzlich die Möglichkeit zu eröffnen, besonders qualifizierte Bakkalaureus-/Bachelorabsolventen direkt in ein Promotionsstudium aufzunehmen".

Schönes Deutsch. Schöner Plan für Greifswald mit a) dem bereits international beispielgebenden Bachelorprogramm, b) der DAAD-geförderten Außenstelle in Hanoi, in der sich vietnamesische Bachelorabsolventen in Frühlingsschulen mit starker Greifswalder Dozentenbeteiligung und in anderen Veranstaltungen ein Jahr auf ein Studium in Deutschland (möglichst Greifswald!) vorbereiten.

Im Juni trat eine Ergänzung der Greifswalder Promotionsordnung in Kraft. Wie vom Wissenschaftsrat gewünscht, darf nun auch der/die promovieren, die/der nicht Magister ist, das 2. Apothekerexamen hat oder das 1. Juristische Examen, ein Diplom oder einen Mastergrad besitzt. Besonders Qualifizierte dürfen sich in der Math.-Nat. Fakultät in die GGSS einschreiben, wenn er/sie einen Betreuer gefunden hat. Nach Eingangstest und einer einjährigen Aufbauphase (bereits mit Doktorandenstatus) folgt eine mindestens zweijährige Promotionsphase. Gewöhnlich läge vor einer Promotion nach einem Bachelorexamen eine zweijährige Masterphase (mit Prüfung), d. h. die GGSS-Teilnehmer sparen, wenn sie erfolgreich sind, mindestens ein Jahr (& eine Prüfung).

Ob (und ob!) das Ganze funktioniert, probiert ab diesem Monat als erster vietnamesischer Student Nguyen Trung Nam (26) aus. Er wird in nach einem Dreimonatspraktikum bei Prof. Christine Schütt in Immunologie promovieren; er stammt aus dem Institut für Biotechnologie. Dieses leitet in Hanoi Prof. Dr. Le Tran Binh. Er studierte in Greifswald Biologie; zusammen mit seiner Frau, der (Geologie, Greifswald) Dr. Le Thi Lai, schrieb er am Hanoi-Greifswalder-Programm mit. Im November strömen dann die nächsten zehn bis zwölf soeben glücklich in Hanoi von Greifswaldern Geprüften (die das Aufbaujahr also in Hanoi absolvierten) in die Geowissenschaften und die Biotechnologie-Fächer. Z. T. werden sie am MPI für Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm und am Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenzüchtung Gatersleben arbeiten.

Le Thi Nguyen Binh schreibt noch ein anderes Stück deutscher (Alumni-)Unigeschichte; als Tochter von Le Thi Lai und Le Tranh Binh wählte sie nach dem BSc den "Normalweg", schreibt hier erst ihr Biologiediplom, um dann (ohne GGSS) zu promovieren und setzt die Alumnitradition ihrer Eltern fort.
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