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'Just in time' - Vorlesungsbeginn auf dem Campus Westend

23.04.2001 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

Umzug weitgehend abgeschlossen - 8000 Studierende und 500 Mitarbeiter der geisteswissenschaftlichen Fachbereiche starten im umgebauten und sanierten IG-Hochhaus ins Sommersemester

FRANKFURT. "Wir haben es trotz aller Widrigkeiten geschafft: Vorlesungsbetrieb für die 8000 Studierenden der Geisteswissenschaften auf dem Campus Westend beginnt heute Morgen pünktlich", so der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Dr. Rudolf Steinberg, am Montag (23.) sichtlich erleichtert und fügt begeistert hinzu: "Das ist der schönste Campus aller deutschen Universitäten". Selbstverständlich stünden Seminarräume und Hörsäle für Veranstaltungen zur Verfügung; dies gelte auch für den großen Hörsaal im Nebengebäude, dem ehemaligen Laborgebäude. Das als Mensa vorgesehene Casino wird dagegen erst im August fertig gestellt. Bis zur Fertigstellung hat das Studentenwerk eine Zeltmensa westlich des Casinos errichtet; sie hat nach wenigen Wochen Betrieb bereits 'Kultstatus' erlangt.

Bei aller Freude müssen sich Wissenschaftler, Studierende und Mitarbeiter allerdings in den nächsten Wochen auf baubedingte Unannehmlichkeiten einstellen: Der Campus ist zunächst nur über den Eingang an der Fürstenbergerstraße zu erreichen; die Eingänge und Zufahrten Platz an der Bremer Straße und Lübecker Straße /Siolistraße sollen zeitnah für die Allgemeinheit erschlossen werden. Die Zahl der Pkw-Stellplätze ist zunächst auf 200 Plätze beschränkt. Einige Baumaßnahmen sind zudem noch nicht vollständig abgeschlossen. So verfügen die 450 Büroräume beispiels- weise noch nicht über einen Netzanschluss, da der hohe Staubbefall eine Herstellung der Verbindungen bisher nicht erlaubt hat.

Auch das Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften (BzG) eröffnet am Montag - übrigens am 'Welttag des Buches' - seine Pforten: Über 850.000 Bücher - insgesamt 25 Regalkilometer - die bisher auf die verschiedenen Instituts- und Fachbereichsbibliotheken verteilt waren, sind nun für alle Studierenden in den beiden äußeren Querbauten Q1 und Q6 auf 9 Geschossen verfügbar. Glanzstück ist der zweigeschossige Lesesaal im ehemaligen Sitzungssaal des IG-Farben-Konzerns. Ebenfalls in das IG-Hochhaus einziehen werden das Fritz Bauer Institut und das Frobenius Institut .

Das denkmalgeschützte neungeschossige Hochhaus war Ende der zwanziger Jahre von dem Berliner Architekten Hans Poelzig als moderne Verwaltungszentrale für den damals größten Chemiekonzern der Welt, die I.G. Farben AG, entworfen und realisiert worden. Das markante IG-Hochhaus mit seiner Travertin-Natursteinfassade und der großzügigen Eingangshalle ('Rotunde') wurde nach Kriegsende von den Amerikanern als Hauptquartier des US-Hochkommissars für Deutschland ('Eisenhower-Zimmer') und von 1952 bis 1996 vom 5. US Korps genutzt. 1996 erwarb das Land Hessen das 14 Hektar umfassende Poelzig-Ensemble mit seiner großzügigen Parkanlage für die Goethe-Universität.

Seit 1998 wurde es saniert und mit einem Gesamtaufwand von rund 140 Millionen Mark den Erfordernissen einer modernen Universität im 21. Jahrhundert angepasst. Das Sanierungskonzept stammt vom Architekturbüro Dissing + Weitling aus Kopenhagen, oberstes Ziel war es die architektonische Qualität des einmaligen Gebäudes mit einer Hauptnutzfläche von 35.000 Quadratmeter wieder herzustellen und eine zeitgemäße Nutzung der Räume zu ermöglichen.

Die bewegte Geschichte des Gebäudes, insbesondere die Verstrickung des Chemiekartells mit der nationalsozialis- tischen Vernichtungs- und Zwangsarbeiterpolitik, sei ebenso Verpflichtung zur Aufarbeitung wie Herausforderung für Studierende und Wissenschaftler der Goethe-Universität, betonte der Universitätspräsident zum Einzug.

Der von einem Logistik-Unternehmen gemeinsam mit der Universität geplante und ausgeführte Umzug von 24 Instituten und Forschungseinrichtungen aus 30 Liegenschaften konnte gerade noch zum spätestmöglichen Zeitpunkt abgeschlossen werden. Gefährdet war der minutiös geplante Umzug durch zahlreiche nicht termingerecht fertig gestellte Baumaßnahmen. Anfang März drohte der enggesteckte Zeitplan zu platzen, da das projektleitende Staatsbauamt Frankfurt am Main II der Universität mitteilte, zugesagte Fertigstellungstermine nicht einhalten zu können. Doch Einflussnahme von höchster Stelle aus dem vorgesetzten Hessischen Finanzministerium brachte neuen Schwung in die Arbeiten. Steinberg bedankte sich deshalb besonders bei Finanzminister Karlheinz Weimar und seinem Staatssekretär Bernd Abeln für ihr "energisches Eingreifen".

Mit dem Umzug ins Westend beginnt ein neues Kapietel in der Geschichte der Goethe-Universität. Präsident Steinberg zu den nächsten Projekten, die zeitnah angegangen werden sollten: "Nun wollen wir den AfE-Turm in Bockenheim möglichst rasch aufgeben und die darin befindlichen Fachbereiche so schnell wie möglich in einem Neubau auf dem Campus Westend ansiedeln." Auch die Fachbereiche Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften hatten unlängst eine Übersiedlung ins Gespräch gebracht und ihr Interesse bekundet, den Standort Bockenheim aufzugeben.

Campus Westend - Geisteswissenschaften auf einen Blick

Nutzer:
- Fachbereiche: Evangelische Theologie (FB 6); Katholische Theologie (FB7); Philosophie und Geschichtswissenschaften (FB 8); Teile der Sprach- und Kulturwissenschaften (FB 9); Neuere Philologien (FB 10)
- Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften (BzG): über 850.000 Bücher, insgesamt 25 Regalkilometer, aller im IG-Hochhaus untergebrachten Fachbereiche und sonstiger Einrichtungen, in den beiden äußeren Querbauten über jeweils 9 Ebenen

- Fritz Bauer Institut
- Frobenius Institut
- 8000 Studierende; 500 Mitarbeiter

Nutzflächen: 35.000 qm; 450 Büroräume, 50 Seminarräume

Gesamtfläche: 14 ha

Postanschrift:
Goethe-Universität
Name des Instituts
60629 Frankfurt

Telefonnummern für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Vermittlung über die Sammelnummer der Universität 069/798-1

E-Mail: so weit die Mitarbeiter ihre E-Mails nicht an einem anderen Arbeitsplatz abrufen können, sind sie erst ab Mitte Mai per E-Mail erreichbar

Kontakt: Prof. Rudolf Steinberg, Präsident, Telefon 069/798-22232; Peter Rost, Leiter der Planungsabteilung, Telefon 069/798-23836
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