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Pilotprojekt Kunststoff-Recycling am Start

27.04.2001 - (idw) Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Das Land Baden-Württemberg will das Kunststoff-Recycling voranbringen. Eine kürzlich abgeschlossene Machbarkeitsstudie ergab, dass sich Kunststoffe aus Elektro- und Elektronikaltgeräten so zurückgewinnen lassen, dass man sie wieder in neue Geräte einbauen kann. Die Erkenntnisse aus der Studie sollen nun in einem Pilotprojekt umgesetzt werden.

Es ist technisch machbar und wirtschaftlich möglich, bei der Demontage von Elektro- und Elektronikaltgeräten gezielt Kunststoffe so zurückzugewinnen, so dass sie bei der Herstellung neuer Produkte wiederverwendet werden können. Dies ergab eine Machbarkeitsstudie, die das Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg beim Fraunhofer IPA in Auftrag gegeben hat. Die Erkenntnisse aus der Machbarkeitsstudie sollen nun in einem Pilotprojekt umgesetzt werden. Ziel des Projekts ist es, aus der Demontage von Elektroaltgeräten zurückgewonnene Kunststoffe am Markt so zu etablieren, dass sie unabhängig von ihren Eigenschaften und ihrem Preis wiederverwendet werden und der Produktionskreislauf geschlossen wird.

Elektro- und Elektronikaltgeräte bestehen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Kunststoffe, die bislang nahezu ausschließlich energetisch verwertet, d. h. verbrannt und zur Wärmeerzeugung genutzt werden. Die Machbarkeitsstudie sollte untersuchen, ob unter den gegebenen Rahmenbedingungen auch eine stoffliche Verwertung der Kunststoffe in der Elektroindustrie möglich ist. Stoffliche Verwertung bedeutet, dass aus den sortenreinen und von Verunreinigungen befreiten Kunststoffen wieder neue Produkte entstehen. Die Untersuchung zeigte, dass sich sowohl unter ökologischen als auch ökonomischen Gesichtspunkten insbesondere die Kunststoffsorten PP, ABS, PC und PS für eine weitere werkstoffliche Verwertung eignen. Um an diese Werkstoffe zu gelangen, müssen allerdings neue Demontage- und Zerlegestrukturen entwickelt werden, da in den einzelnen Zerlegebetrieben zumeist nur geringe Mengen dieser Kunststoffe anfallen.

Nachdem die Firma Bauknecht Hausgeräte GmbH, Schorndorf, im Vorfeld der Untersuchung Interesse an einem Pilotprojekt bekundet hat, wurde modellhaft für den Werkstoff PP ein strategischer Lösungsansatz vertiefend betrachtet. Im Verlauf der Untersuchung konnten sowohl die geforderten technischen Eigenschaften des gebrauchten Kunststoffs für ausgewählte Bauteile als auch die geforderte Wirtschaftlichkeit belegt werden. Allein die ausreichende Verfügbarkeit der geforderten Menge an PP aus dem Elektronikaltgerätebereich stellt im Moment in der Entscheidungsrechnung noch eine Unbekannte dar. Hier hofft das Ministerium auf weitere Firmen, die sich für das Thema aufgeschlossen zeigen und am Pilotprojekt teilnehmen werden.

Gerade die produzierenden Unternehmen in der Elektroindustrie sind gefordert, konkrete Schritte auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft einzuschlagen, denn der Absatz von Elektronikgeräten der Informations- und Kommunikationstechnik wird in Zukunft noch zunehmen. Bei der heute in diesem Bereich gebräuchlichen Entsorgungspraxis gehen wertvolle Stoffe verloren, die an anderer Stelle wieder unter hohen Belastungen der Umwelt hergestellt werden müssen. Nur wenn die Produktionskreisläufe in diesem Bereich geschlossen werden, kann die Politik bei den kommenden Regelungen zur Rücknahme von Elektro- und Elektronikaltgeräten auf ordnungsrechtliche Eingriffe verzichten.

Unternehmen, die Interesse haben, sind eingeladen, an dem geplanten Pilotprojekt mitzuwirken. Einzelheiten erfahren sie von Günther Albrecht, Referat 26, "Kommunale Abfallwirtschaft" beim Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg, Telefon 0711/126-2694.

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:

Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA
Dipl.-Ing. Markus Hornberger
Telefon: 0711/970-1301, Telefax: 0711/970-1400, E-Mail: myh@ipa.fhg.de
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