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Durch Umzug ist Bayreuth nun eine richtige Campus-Universität

02.05.2001 - (idw) Universität Bayreuth

Die Universität Bayreuth kann sich nun wirklich "Campus-Universität nennen, nachdem heute im Beisein des bayerischen Wissenschaftsminister Hans Zehetmair das neue Gebäude des vorher am nördlichen Stadtrand beheimateten Kulturwissenschaftlichen Fakultät seiner Bestimmung übergeben wurde. Damit sind alle sechs Bayreuther Fakultäten (Mathematik und Physik; Biologie, Chemie und Geowissenschaften; Rechts- und Wirtschaftswissenschaften; Sprach- und Literaturwissenschaften, Kulturwissenschaften, Angewandte Naturwissenschaften) auf dem Campus am südlichen Stadtrand Bayreuths untergebracht.

Neues Fakultätsgebäude der Kulturwissenschaften eingeweiht
Bayreuth ist nun eine
richtige Campus-Universität
Gebäude im Leasing-Verfahren in nur knapp zwei Jahren errichtet

Bayreuth (UBT). Die Universität Bayreuth kann sich nun wirklich "Campus-Universität nennen, nachdem heute im Beisein des bayerischen Wissenschaftsminister Hans Zehetmair das neue Gebäude des vorher am nördlichen Stadtrand beheimateten Kulturwissenschaftlichen Fakultät seiner Bestimmung übergeben wurde. Damit sind alle sechs Bayreuther Fakultäten (Mathematik und Physik; Biologie, Chemie und Geowissenschaften; Rechts- und Wirtschaftswissenschaften; Sprach- und Literaturwissenschaften, Kulturwissenschaften, Angewandte Naturwissenschaften) auf dem Campus am südlichen Stadtrand Bayreuths untergebracht.

Das gut 18 Millionen Mark teure Gebäude, das an die Zentralbibliothek angebaut wurde und deren Funktionsfläche vergrößerte, ist wissenschaftliche Heimat für 31 Professoren und 10 Privatdozenten und deren Mitarbeiter aus sechs Fächergruppen (Ethnologie, Geschichte, Pädagogik, Religion, Philosophie, Soziologie) und drei Einzelprofessuren (Psychologie, Musikwissenschaft, Volkskunde). Eine siebte Fachgruppe der Sportwissenschaft ist schon seit einigen Jahren mit eigenem Gebäude und Sportanlagen auf dem Campus zu finden. Mit dem Lehrpersonal sind auch rund 500 Studierende vorwiegend aus der Lehrerbildung aber auch aus dem Angebot der Magister, Master- und Bachelor-Ausbildung quasi mit auf den Campus gezogen.

Im Gegensatz zu der sonst durchweg üblichen staatlichen Gebäuderealisierung und -finanzierung ist das neue Gebäude nach einem Art Leasing-Verfahren entstanden. Ein privater Bauträger, die Bayreuther Firma Markgraf kümmerte sich um die Vorfinanzierung und die Bauausführung des neuen Gebäudes, das der Freistaat Bayern angesichts strapazierter öffentlicher Kassen in 20 Jahresraten abbezahlt.

Bauunternehmer Dr. h.c. Gerhard Markgraf, der den symbolischen Schlüssel an den Universitätspräsidenten und den Dekan der Fakultät, den Historiker Professor Dr. Franz Bosbach übergab, sprach in diesem von einer der interessantesten Bauleistungen in Oberfranken, das in knapp zwei Jahren realisiert worden sei anstatt innerhalb der sonst üblichen vier bis fünf Jahre. Angesichts knapper öffentlicher Kassen könne diese Art des Bauens modellhaft sein für kommunale und Bauvorhaben der Gebietskörperschaften, meinte Markgraf.

Minister Zehetmair beklagte in diesem Zusammenhang den schleppenden Gang von Bauvorhaben im Bereich der sogenannten Gemeinschaftsaufgaben, bei den sich Bund und das betreffende Land etwa im Hochschulbau die Finanzierung teilen. Der Politiker sprach in diesem Zusammenhang von "elendigen Vorschriften", die die Baumaßnahmen über Gebühr verzögerten.

Bayreuths Universitätspräsident Professor Dr. Dr. h.c. Helmut Ruppert hatte bei seiner Begrüßung darauf hingewiesen, dass die Kulturwissenschaftliche Fakultät in ihrer heutigen Bedeutung weit über ihre Ursprünge - sie war Mitte der 70er Jahre aus einer Fakultät der Pädagogischen Hochschule Nürnberg hervorgegangen - hinausreiche. Die Bayreuther Sportwissenschaft genieße genauso wie der von ihr zusammen mit den Wirtschaftswissenschaftlern kreierte Diplomstudiengang Sportökonomie bundesweit hohes Ansehen, eine Zusammenarbeit von Theologen beider Konfessionen und von Religionswissenschaftlern in einer Facheinheit Religion gebe es in dieser Ausprägung in ganz Deutschland nicht und auch mit seinen neuen Bachelor- und Master-Angeboten stehe die Kulturwissenschaftliche Fakultät in vorderer Reihe.

Durch die kurzen Wege auf dem Campus und die dadurch noch bessere Möglichkeit zum fachübergreifenden Dialog würden alle Fakultäten profitieren, fügte Ruppert hinzu. Eine noch effektivere und zukunftsgerichtete Forschungskooperation sei dadurch zu erwarten. Auch für die Studierenden sei der Umzug zum Campus vorteilhaft, da sie nun nicht mehr zwischen zwei Standorten pendeln müßten.

Professor Ruppert wies auch darauf hin, dass gerade wegen der starken Drittmittelforschung in Bayreuth die vorher bestehende Notsituation an Räumen insofern gelindert werde, als die alten Räumlichkeiten nun besonders für Drittmittelvorhaben der Geisteswissenschaften genutzt werden könnten.

Dekan Professor Bosbach machte bei der Einweihungsfeier klar, dass der Umzug auf den Campus für die Fakultät "seit 24 Jahren größter Wunsch und unverzichtbares Ziel" gewesen sei. Es müsse jetzt noch daran gearbeitet werden, auch die Integration der Musik- und der Kunsterziehung - beide Facheinheiten bleiben wegen ihres benötigten Raumbedarfs im alten Gebäude - ebenfalls zu realisieren. Der Historiker beschrieb seine Fakultät als diejenige mit der größten Zahl an Studienmöglichkeiten in Bayreuth und betonte die starke interdisziplinäre Ausrichtung der einzelnen Fächer und Fächergruppen. "Die bunte Vielfalt der Fächer ist eine Stärke der Fakultät", betonte Professor Bosbach, und das fachübergreifende Element sei heute für den Erkenntnisgewinn unverzichtbar.

Wissenschaftsminister Zehetmair ging bei seiner Festansprache auf den Hinweis Universitätspräsidenten auf fehlende Flächen für Drittmittelvorhaben ein und meinte, dies sein ein "Strickfehler", den man beheben müsse. Allerdings seien Änderungen im Gewirr der Vorgaben und Bestimmungen außerordentlich schwierig durchzusetzen.
Der bayerische Wissenschaftsminister bezeichnete die fachübergreifende Zusammenarbeit, so wie sie in Bayreuth gepflegt werde, als "unglaublich bedeutungsvoll", da Wirtschaft und Wissenschaft in ihrem Zusammenspiel nicht mehr ohne sie auskämen. Die Geisteswissenschaften seien schon deswegen unverzichtbar, weil in der heutigen, weitgehend von den Natur- und Ingenieurwissenschaften dominierten Welt eine Reflexion des Fortschritts unerläßlich sei und man eine überzeugende Wertorientierung brauche. "Ikarus soll fliegen", meinte der Minister, "aber dabei seine Flügel nicht verbrennen". Zehetmair verteidigte die in letzter Zeit wieder in Kritik geratene bayerische Lehrerausbildung und lobte die Bayreuther als "gute Lehrerausbildung", bei der es auch bleiben solle.

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