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Gründung der Handelshochschule Köln am 1. Mai 1901

03.05.2001 - (idw) Universität zu Köln

59 /2001 (gründung)

Gründung der Handelshochschule Köln am 1. Mai 1901
Festakt an der Universität zu Köln

Am 1. Mai 1901 wurde der Studienbetrieb in der Städtischen Handelshochschule, einer der drei Vorgängereinrichtungen der 1919 wiedergegründeten Universität zu Köln, eröffnet. An dieses Datum knüpft der zentrale Festakt des heutigen Universitätstages an. Er nimmt den Rückblick auf die Gründung der Handelshochschule vor 100 Jahren zum Anlaß, die Notwendigkeit einer intensiven wirtschaftswissenschaftlichen Hochschulausbildung zu unterstreichen und die Bedeutung von Marktwirtschaft und Freiheit für einen angemessenen Umgang mit den gegenwärtigen weltweiten Herausforderung hervorzuheben. Nach einer Grußansprache des Rektors der Universität, Professor Dr. Tassilo Küpper, sprechen Professor Michael Jensen, Harvard Universität, und Professor Dr. Dr. h.c. Herbert Hax, Universität zu Köln, sowie der Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität, Professor Dr. Wolfgang Jagodzinski.

Die Gründung der Handelshochschule vor hundert Jahren ging auf Bestrebungen des Unternehmers und Ehrenbürgers der Stadt Köln Gustav von Mevissen (1815 - 1899) zurück. Von Mevissen konnte bei seinen Initiativen auf den letzten gewählten Rektor der alten Universität (1388 -1798), Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824), verweisen, der schon 1786 die Errichtung einer "Handlungs-Akademie" angeregt hatte. Von Mevissen selbst hat trotz seines starken Engagements die Eröffnung der Handelshochschule nicht mehr erlebt. Doch trug eine von ihm 1879 gegründete Stiftung wesentlich zur Finanzierung der neuen Einrichtung bei. Zudem kommt ihm das Verdienst zu, den Gedanken einer akademischen Ausbildung für Kaufleute unermüdlich propagiert zu haben. Aus Anlaß seines 100. Todestages hat denn auch der damalige Rektor der Universität am 13. August 1999 zusammen mit dem Oberbürgermeister der Stadt am Grab Mevissens auf dem Melatenfriedhof einen Kranz niederlegt. Das Andenken Mevissens wird auch in der Fachhochschule Köln gepflegt. Dort findet sich im Eingangsbereich ein Portrait dieses Mannes, der Zeit seines Lebens für eine akademische, zugleich aber auch praxisnahe Ausbildung der Kaufleute eingetreten ist.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es in Deutschland zu vielbeachteten Universitätsneugründungen. Sie sollten sich als "moderne" Großstadteinrichtungen schwerpunktmäßig den Problemen des 20. Jahrhunderts zuwenden. Frankfurt am Main (1910; Aufnahme des Studienbetriebs 1914), Hamburg und Köln (beide 1919 gegründet) wirkten insoweit vorbildlich. Die neuen Universitäten zogen schon bald einen beträchtlichen Teil der Studierenden in Deutschland an. In Köln gehörte die Handelshochschule, die sich dann als Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in der neuen Universität etablierte, zu den drei Vorgängereinrichtungen der Universität. Bei den beiden anderen Kölner Einrichtungen handelte es sich um die "Akademie für praktische Medizin" und die "Hochschule für kommunale und soziale Verwaltung". Die Neugründung der Universität zu Köln ging vornehmlich auf das Betreiben des Rektors der Handelshochschule (und späteren ersten Rektors der Universität) Christian Eckert zurück, der seit der Gründung der Frankfurter Universität unermüdlich in Denkschriften und Vorträgen für die Überführung der Handelshochschule in eine neu zu gründende Universität eingetreten war.

In der Handelshochschule selbst war die von Eckert eingeschlagene Linie keineswegs unumstritten. Manche, unter ihnen der berühmte Rechnungslegungs-Spezialist Eugen Schmalenbach, befürchteten eine zu starke Akademisierung, eine Überwältigung des Lehr- und Forschungsbetriebes durch die neu zu gründende Philosophische Fakultät und eine Entfremdung des Lehrbetriebes von der Praxis, die sich zum Nachteil der Studierenden auswirken müßte. Auch außerhalb von Köln gab es Widerstände gegen die Neugründungsprojekte, von denen man eine Beeinträchtigung der vorhandenen Universitäten befürchtete. Auch wurde der wachsende Bedarf an Akademikern verkannt. Schließlich gab es eine verbreitete Besorgnis, daß nicht genügend qualifizierte Professoren gefunden werden könnten, um die neuen Universitäten mit Lehr- und Forschungspotential angemessen zu versorgen.

Die Motive für die Neugründung in Köln waren vielschichtig und wurden auch je nach Zuhörerkreis unterschiedlich akzentuiert. Ein städtisches Motiv brachte der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer ins Spiel, wenn er darauf verwies, daß von den acht größten Städten des Deutschen Reiches damals Berlin, München, Leipzig, Breslau und Frankfurt am Main über eine Universität verfügten, daß Hamburg mit Universitätsgründungsplänen schon weit fortgeschritten war, so daß Köln nachziehen mußte, wenn es seine Attraktivität erhalten und nicht abseits stehen wollte.

Hinzu kam ein nationales Argument. Nach dem Ersten Weltkrieg erschien es wichtig, am Rhein einen Platz zur Förderung und Entwicklung von Wissenschaft und Kultur in Deutschland zu etablieren. Der große Ausbildungsbedarf im wirtschaftlichen Bereich wurde ebenfalls mit großem Engagement hervorgehoben. Schließlich wurden auch historische Gründe reaktiviert. Denn Köln war bis 1798 Universitätsstadt gewesen. So hatte auch Karl Bücher (1847 - 1930) auf dem Hochschullehrertag im Jahr 1913 hervorgehoben, daß "Helmstedt und Köln historische Ansprüche auf die Wiederbelebung ihrer untergegangenen Universitäten" erheben.

Zur Neugründung nur wenige Wochen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wäre es nicht gekommen, wenn nicht der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer gewandt und mit vollem Einsatz in Köln und Berlin für das Projekt Christian Eckerts gefochten hätte. Ihm gelang das Unwahrscheinliche, den während des ganzen 19. Jahrhunderts nicht bezwungenen Widerstand der preußischen Regierung gegen die Wiedergründung der Kölner Universität zu brechen. Zur Würdigung der großen Verdienste Konrad Adenauers um die Wiedergründung der Universität fand im März dieses Jahres eine Feier in der Universität statt, in dessen Verlauf ein Portrait Konrad Adenauers an die Universität übergeben wurde. Das aus dem Besitz der Familie Adenauer stammende Bild hat seinen Platz im Dienstzimmer des Rektors gefunden.


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Verantwortlich: Eva Faresin


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