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Wiederentdeckung verborgener Schriften

08.10.2002 - (idw) Universität Leipzig

Die Universitätsbibliothek Leipzig ist zur Zeit Gastgeber für Palimpsest-Forscher. Das sind Wissenschaftler, die sich mit der Sichtbarmachung überschriebener Handschriften (Palimpseste) des Mittelalters beschäftigen. Gestern prüften sie ein transportables Gerät von kretischen Informationstechnologen, das sich für diese Zwecke bestens eignet.


Unter den braunen Flecken kann man gut die ursprüngliche, längs verlaufende Schrift erkennen
Die Einrichtung, mit der verborgene Schriften lesbar gemacht werden können Die Universitätsbibliothek Leipzig ist zur Zeit Gastgeber für Palimpsest-Forscher. Das sind Wissenschaftler, die sich mit der Sichtbarmachung überschriebener Handschriften (Palimpseste) des Mittelalters beschäftigen. Gestern prüften sie ein transportables Gerät von kretischen Informationstechnologen, das sich für diese Zwecke bestens eignet.

Pergamente wurden im Mittelalter aus Tierhäuten gewonnen und waren dementsprechend wertvoll. Aus ökonomischen Gründen wurden sie manchmal wiederverwendet. D.h. ältere Schriften wurden abgeschabt und neu beschrieben.

Schon lange versuchen Wissenschaftler, die verlorenen Schriften wieder an die Oberfläche zu holen, sind sie doch Zeugen der Geschichte. Schon im letzten Jahrhundert war es gelungen, z.B. mit Blaulaugensalz alte Schriften wieder ans Tageslicht zu holen - leider um den Preis der Beschädigung der wertvollen Dokumente.

Nun haben Wissenschaftler aus Kreta eine digitale Multispektralkamera im Verbund mit einem computergestützten Spezialbearbeitungsprogramm entwickelt, mit der man virtuell die verborgenen Schriften wieder an die Oberfläche holen kann. Das Pergament bleibt wie es ist, aber auf dem Bildschirm kann die obere Schrift quasi ausgeblendet werden und nur die untere wird sichtbar. Die Einrichtung ist transportabel, kann also von vielen Bibliotheken genutzt werden. Bisher war nur eine schwere, daher kaum zu transportierende Apparatur in Italien bekannt.

Die Leipziger Universitätsbibliothek gehört zu den wissenschaftlichen Bibliotheken, die über Palimpseste verfügt. Sechs solcher mit griechischer Schrift beschriebenen Bücher waren hier bekannt. Jetzt stellte Dr. Ekkehard Henschke, der Direktor der Leipziger Universitätsbibliothek noch ein siebentes, kürzlich entdecktes, in Leder gebundenes Exemplar vor, dessen 88 Seiten allesamt Palimpseste sind. Im 12. Jahrhundert überschrieben Mönche eine kirchliche Monatsschrift aus dem 10. Jahrhundert mit sogenannten dogmatischen Texten, d.h. wissenschaftlichen Abhandlungen über die Grundsätze der christlichen Lehre.

An der Bearbeitung der Palimpseste arbeitet eine Gruppe von Wissenschaftlern aus vielen europäischen Ländern, u.a. aus Italien, Griechenland, Spanien, Österreich, Deutschland und den Niederlanden. Projektleiter ist Prof. Dieter Harlfinger von der Universität Hamburg. Das Vorhaben wird mit insgesamt 1,5 Millionen Euro von der Europäischen Kommission gefördert.

weitere Informationen: Prof. Dieter Harlfinger
Telefon: 040 42 838 47 66
E-Mail: Dieter.Harlfinger@Uni-Hamburg.De
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