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Landwirtschaftliche Unternehmen in der Transformation: die neuen Bundesländer, Polen und Ungarn

08.10.2002 - (idw) Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa

Workshop in Halle (Saale) mit 130 Teilnehmern aus 13 Ländern vom 29. - 30. September zur Perspektive landwirtschaftlicher Betriebe in den neuen Bundesländern, Polen und Ungarn. Empfohlene Maßnahmen: Trennung von Agrar- und Sozialpolitik - Direktbeihilfen nur zielorientiert - alle Rechtsformen gleichberechtigt behandeln - anhaltenden Strukturwandel nicht behindern - Marktwirtschaft braucht entsprechende Institutionen

Eine gemeinsame Arbeitsgruppe des Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) und der Martin-Luther Universität (MLU) Halle-Wittenberg hat untersucht, ob und in welchem Umfang Maßnahmen, die in einem Land die Umstrukturierung landwirtschaftlicher Betriebe gefördert haben, auch in Nachbarländern erfolgversprechend Anwendung finden können. Das Ziel des abschließenden Workshops vom 29. - 30. September war, die Ergebnisse vorzustellen und in der Diskussion mit AgrarökonomInnen aus den mittel- und osteuropäischen Staaten (MOEL) daraus Schlussfolgerungen für die Fortführung des Transformationsprozesses abzuleiten.

Die Veranstaltung war mit 130 TeilnehmerInnen aus 13 Ländern sehr gut besucht. Ein zur Konferenz herausgegebener Tagungsband ist schon im Vauk-Verlag erschienen (verlag@vauk.de).

Im Folgenden die wichtigsten Ergebnisse:

In der Einführung wurde von Dr. Schweizer (BMVEL) auf die Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe und des ländlichen Raumes in den MOE-Staaten aus Sicht der EU hingewiesen. Er beschäftigte sich unter anderem mit der unterschiedlichen Verteilung und dem Einsatz der von der EU bereitgestellten SAPARD Mittel für die Entwicklung des ländlichen Raums in den Beitrittsländern. So werden in Polen diese Mittel vorwiegend für den Marktbereich, in Ungarn dagegen für Betriebsinvestitionen verwendet.

GROSSE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEN NBL, POLEN UND UNGARN

Der erste Themenbereich, Transformation landwirtschaftlicher Unternehmen im Überblick, behandelte die Problematik der Verteilung von Produktionsquoten, die Ausgestaltung der Direktzahlungen, die unterschiedlichen Tendenzen der Tierhaltung in Familien- und Großbetrieben und die Frage nach der richtigen Betriebs- und Rechtsform.
Dr. Heinrich (MLU) präsentierte Erfahrungen aus zehn Jahren Umgestaltung landwirtschaftlicher Unternehmen in den neuen Bundesländern. So stieg in einer Dekade die Zahl der Betriebe von ehemals 4500 LPGen auf 30.000 Betriebe, von denen 50% im Nebenerwerb bewirtschaftet werden.
Prof. Varga (Budapest) und Prof. Zietara (Warschau) vertraten die Ansicht, dass die MOEL bezogen auf den Entwicklungsstand der Agrarwirtschaft und ihrer Annäherung an die EU erhebliche Unterschiede aufweisen. Trotzdem werden sie von der EU in den Betrittsverhandlungen alle gleich behandelt.
Dr. Hinners-Tobrägel zeichnete anschließend ein überzeugendes Bild über die Ausgangslage und die Einflussfaktoren in den NBL, Polen und Ungarn. Ein großes Problem war die hohe Fluktuation bei den Agrarministern und die häufig wechselnden politischen Zielrichtungen der Agrarpolitik in Polen und Ungarn.

ZIELORIENTIERTE DIREKTBEIHILFEN UND GLEICHBERECHTIGTE RECHTSFORMEN

Der zweite Themenbereich, Agrarpolitik, schloss an die Analyse zur Lage und den Entwicklungstendenzen der ungarischen und polnischen Landwirtschaft an. Prof. Hajos (Gödöllö) und Dr. Lizinska (Olsztyn) behandelten in ihren Vorträgen vorzugsweise sowohl den Wandel in der Betriebsstruktur und Probleme des mangelnden Managements als auch die Ursachen von Liquiditätsschwierigkeiten.
Dr. Pfeiffer (Warschau) verglich in seinem Vortrag anhand von Kennzahlen Betriebe in Brandenburg und der Region Wielkopolskie (Polen). Zum Abschluß des Tages bot Frau Prof. Elekes (Budapest) einen detaillierten Vergleich der Agrarförderung in der EU und Ungarn.

DIE UNTERNEHMERISCHE TÄTIGKEIT RÜCKT IN DEN VORDERGRUND

Der dritte Themenbereich handelte von den betrieblichen Anpassungen im Transformationsprozess. Herr Kasztelan (Warschau) untersuchte die Rechtsform, Ökonomik und Organisation von großflächigen Agrarunternehmen. In seinem Vortrag präsentierte er die Entwicklungen der Tierbestände und der Wirtschaftlichkeit bei verschiedenen Rechtsformen. Er wies dabei auf einen stetigen Rückgang der Tierproduktion und der Beschäftigten in der Landwirtschaft hin.
Prof. Balmann (IAMO) stellte in seinem Vortrag die Effizienz und Produktivität landwirtschaftlicher Unternehmen in West- und Ostdeutschland vor. Seine Analyse zeigte bei Einzelunternehmen in den neuen Bundesländern eine höhere Effizienz als in den alten Bundesländern. Der Grund liegt vor allem in der Ausrichtung der Unternehmen. Der Vergleich der Rechtsformen zeigte dagegen ein unterschiedliches Bild. Am effizientesten waren die Personengesellschaften im Marktfruchtbau. Im Futterbau waren dagegen juristische Personen erfolgreicher.

MARKTWIRTSCHAFT BRAUCHT ENTSPRECHENDE INSTITUTIONEN

Im letzten Themenbereich, Transformation in der Landwirtschaft, wiesen Prof. Berg (Bonn) und Dr. Schulze (IAMO) mit Nachdruck auf die Trennung von Agrar- und Sozialpolitik für eine erfolgreiche Restrukturierung der Betriebe hin. Die Umgestaltung des Arbeitssektors in den MOEL wird nicht so schnell wie in den NBL erfolgen, weil die NBL durch Sonderbedingungen gekennzeichnet waren. Das unterstützte auch Dr. Lang (Tellow) mit seiner Schlussfolgerung, dass die Produktionsorganisation der Landwirtschaft in der DDR im Unterschied zu anderen Wirtschaftssektoren nicht umgebaut, sondern nur zurechtgeschnitten werden musste.

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