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Studierende der Uni Würzburg surfen schnurlos im Internet

08.10.2002 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Gunnar Franke müsste mal eben ins Internet. Er will zwischen zwei Vorlesungen schnell einen Artikel aus der brandneuen Online-Ausgabe der Wirtschaftswoche nachlesen. Dafür braucht der BWL-Student nicht extra in den Computerraum zu gehen: Er kann auch sein Notebook anwerfen und sich direkt im Hörsaal per Funk ins WWW einklinken - das Rechenzentrum der Universität Würzburg macht's möglich.


Wirtschaftsinformatik-Student Christian Appel nutzt an der Uni Würzburg mit seinem Notebook die Funkverbindung zum Internet. Christian Rossa, Leiter des Rechenzentrums, zeigt eine der Basisstationen, die das möglich machen. Foto: Emmerich Die Funkverbindung ins Internet funktioniert wie ein schnurloses Telefon: Eine Basisstation von der Größe einer Zigarrenschachtel, die per Kabel mit dem Hochschulnetz verbunden ist, schickt die Signale von der Decke des Hörsaals zum Notebook. Diesen Service kann Gunnar Franke zwar nicht in allen, aber doch schon in sehr vielen Gebäuden der Universität nutzen: Bislang haben die Mitarbeiter des Rechenzentrums insgesamt 36 Basisstationen installiert (siehe Liste am Ende des Textes). Derzeit nutzen rund 400 Mitarbeiter und Studierende das Funknetz, wobei pro Tag im Mittel 50 bis 60 unterschiedliche Benutzer zu verzeichnen sind.

Was muss ein Student tun, wenn er drahtlos ins Netz aller Netze will? Natürlich braucht er zuerst die herkömmliche Benutzungsberechtigung inklusive Modem-/ISDN-Zugang, um überhaupt auf die EDV-Ressourcen der Universität zugreifen zu können: Dazu muss er bei der Immatrikulation seine Unterschrift unter die Benutzerordnung setzen und eine einmalige Gebühr von 30 Euro zahlen. Im Gegenzug erhält er von der Zentralverwaltung eine Benutzernummer, eine E-Mail-Adresse, ein Initialpasswort und eine Info-CD-ROM des Rechenzentrums. Wer schon eingeschrieben ist, bekommt all diese Dinge direkt beim Rechenzentrum.

Derart ausgestattet, stehen dem Studenten dann schon viele Angebote des Rechenzentrums offen: Unter anderem kann er E-Mails verschicken und empfangen sowie PC-Arbeitsplätze mit vielen Programmen, Scanner, Drucker und CD-Brenner in Anspruch nehmen. Von zu Hause aus kann er sich mit seinem eigenen PC via Modem ins Hochschulnetz einklinken.

Wer auf dem Campus per Funk ins Internet will, braucht außerdem natürlich ein Notebook und dazu eine spezielle Funknetzkarte, die es im Rechenzentrum für 80 Euro zu kaufen gibt. 30 Euro Gebühr und 80 Euro für die Karte - das macht zusammen 110 Euro: Für dieses Geld kann an der Uni Würzburg jeder Student mit Laptop sein gesamtes Studium hindurch per Funk ins Internet, sei es nun im Hörsaal oder in der Mensa. Weitere Kosten fallen für ihn nicht an.

Wer sich einen tragbaren Rechner noch zulegen muss, sollte zuerst auf die Homepage des Rechenzentrums schauen: "Viele Firmen legen Sonderprogramme auf, über die sich Studierende günstig Notebooks anschaffen können", so Christian Rossa, Leiter des Rechenzentrums.

Muss der komplett ausgerüstete Student befürchten, dass er sich über den Funkzugang nur im Schneckentempo im Web bewegen kann? Offenbar nicht, denn Rossa nennt eine Übertragungsrate von bis zu elf Megabit pro Sekunde: "Das entspricht dem, was ein ganz normaler Rechnerarbeitsplatz schafft." Anders könne es aussehen, wenn viele Leute gleichzeitig an einer Basisstation arbeiten. Nach Einschätzung von Rossa müssten es 20 bis 30 Anwender sein, die zugleich von einer Station Daten abzapfen, damit es zur Überlastung kommt. Bislang seien derartige Engpässe aber noch nicht bekannt geworden.

"Oft werden wir danach gefragt, wie schädlich die Funkwellen sind, die von den Basisstationen ausgehen", sagt Rossas Stellvertreter Dr. Matthias Reichling. Mit aller Sicherheit kann man das wohl nicht sagen, weil bislang wissenschaftlich untermauerte Ergebnisse fehlen - genau so wie für Mobilfunkmasten oder Handys.

Mit der Strahlenbelastung hat sich auch der Sicherheitsingenieur der Universität beschäftigt. Fest steht, dass die von den Basisstationen abgestrahlten Leistungen maximal 35 Milliwatt betragen. Das ist nach Angaben des Rechenzentrums weit weniger als bei Mikrowellengeräten, Handys oder schnurlosen Telefonen. Letztere zum Beispiel weisen eine 10- bis 20-fach höhere Strahlungsleistung auf als die Basisstationen. Dazu kommt, dass diese - anders als Mobilfunkstationen - nicht permanent senden, sondern nur dann, wenn sie tatsächlich Daten übertragen.

Der Aufbau der Funkvernetzung, des so genannten WLAN (Wireless Local Area Network), an der Uni Würzburg läuft seit Anfang 2001. Er wurde zunächst im Rahmen der Initiative "Funkvernetzung von Hochschulen" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 150.000 Euro gefördert und nun mit eigenen Finanzmitteln weiter vorangetrieben. Laut Rossa soll die Funkvernetzung demnächst auf einige Hörsäle ausgedehnt werden, die zurzeit mit Multimedia-Technik aufgerüstet werden.

An folgenden Orten im Bereich der Universität können Studierende zurzeit mit einem Notebook per Funk ins Internet vordringen: Biozentrum (Foyer, drei Hörsäle, Teilbibliothek, zwei Kurssäle), Universitätsbibliothek am Hubland (beide Lesesäle, Aufenthaltsraum im Erdgeschoß, Gruppenarbeitsräume, Handschriftenabteilung im vierten Stock), Institut für Informatik (Foyer und Hörsäle), Rechenzentrum (Foyer und Benutzerraum), Zentralgebäude Chemie (Eingangsbereich und Cafeteria), Mensa am Hubland, Neue Universität (Foyer und Teilbibliothek Wirtschaftswissenschaften), Alte Universität (Teilbibliothek Jura), Alte Industrie- und Handelskammer am Josef-Stangl-Platz (Hörsaal), Institut für Pharmakologie und Toxikologie (Hörsaal) sowie Hörsaalbau der Naturwissenschaften am Hubland (Bereich vor dem Max-Scheer-Hörsaal in Richtung Mensa).

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