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"Homo Areligiosus"

04.05.2001 - (idw) Universität Erfurt

Ringvorlesung "Weltreligionen im 21. Jahrhundert" am 8. Mai mit Prof. Tiefensee

"Gott ist tot", verkündete Friedrich Nietzsche am Ende des 19. Jahrhunderts. "Der überwiegende Teil der Menschheit wird hier Protest anmelden, aber inzwischen kann man diesen Satz zumindest als Problemanzeige akzeptieren", meint Prof. Dr. Eberhard Tiefensee von der Theologischen Fakultät Erfurt. Die weltweit drittgrößte "Konfession" - nach den Christen und Muslimen - bestehe aus "Konfessionslosen" oder "Areligiösen". "Diese Entwicklung ist relativ jung: Soweit feststellbar, ist erst seit reichlich 100 Jahren der "homo areligiosus" zum Massenphänomen geworden", stellt Tiefensee fest. Besonders auffallend sei die ungewöhnlich hohe Konzentration in den neuen Bundesländern. Hier habe sich aus Gründen, die zu prüfen seien, ein areligiöses Milieu herausgebildet, das sich in den alten Bundesländern bzw. Westeuropa erst ansatzweise finde und eigentümliche Merkmale aufweise. Schon die Art der Entkirchlichung in Deutschland Ost sei anders als die in Deutschland West, und manches erinnere an volkskirchliche Verhältnisse anderswo. Ein Verständnis für dieses Phänomen sei nicht leicht zu gewinnen, so der Erfurter Wissenschaftler. Das gelte besonders für religiös sozialisierte Betrachter (die immer noch die Mehrheit bildeten, sogar wenn sie sich keiner Konfession mehr zuordnen ließen).
"Ist die oft gehörte Behauptung, dass der Mensch "unheilbar religiös" sei, angesichts dieser Entwicklung noch aufrechtzuerhalten? Was sind die individuellen und gesellschaftlichen Folgen des weitflächigen und vielleicht auch langfristigen Ausfalls eines religiös geprägten Welt- und Selbstverständnisses? Wie ist mit dieser Erscheinung umzugehen?"

Diesen und weiteren Fragen will Prof. Dr. Eberhard Tiefensee in der Ringvorlesung "Weltreligionen im 21. Jahrhundert" am Dienstag, dem 8. Mai um 18.00 Uhr, in der Erfurter Michaeliskirche (Universitätskirche) nachgehen. Tiefensee, Jhg. 1952, war nach seinem Studium der Philosophie und Theologie in Erfurt von 1982-1986 Assistent am Philosophisch-Theologischen Studium. Hier promovierte er zum Dr. theol. Sein seelsorgliche Tätigkeit führte ihn u.a. als Studentenpfarrer nach Leipzig. Von 1991 bis 1996 habilitierte er sich in Bonn (bei Prof. L. Honnefelder) und Tübingen (bei Prof. G. Wieland)mit dem Thema "Philosophie und Religion bei Franz Brentano (1838-1917)" Seit 1997 ist Professor für Philosophie an der Theologischen Fakultät Erfurt.
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