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Berufsfähigkeit der Studierenden

09.05.2001 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Career-Center sollen Übergang vom Studium in den Beruf erleichtern - Mehr als 250 Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik fordern stärkeren Praxisbezug

Die deutschen Hochschulen müssen sich künftig stärker um die Berufsfähigkeit ihrer Studenten und Absolventen kümmern und dazu ihre Beratungsangebote und Praxisprogramme deutlich
ausbauen. Das ist das Fazit einer gemeinsamen Tagung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Hamburger Körber-Stiftung zum Thema "Hochschulbildung und Berufsfähigkeit". Die Stiftung unterstützt das Konzept der Career Center im Rahmen ihres Transatlantischen Ideenwettbewerbs USable. Im vergangenen Jahr gehörte der Koordinator des Career-Service an der Universität Münster, Andreas Eimer, zu den Preisträgern des USable-Wettbewerbs; Eimer hatte die Arbeit mehrerer Career Center an amerikanischen Unis und Colleges vor Ort unter die Lupe
genommen.

Ein wirkungsvolles Mittel für einen besseren Übergang vom Studium in den Beruf und einen intensiveren Austausch von Hochschul- und Arbeitswelt sahen die rund 250 Teilnehmer aus Hochschulen, Politik, Wirtschaft und Arbeitsverwaltung in sogenannten "Career-Center" nach angelsächsischem Vorbild, wie sie inzwischen an einer Reihe von deutschen Hochschulen existieren. Nach Ansicht der nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerin Gabriele Behler soll die Arbeit dieser und ähnlicher Einrichtungen künftig auch stärker bei der Mittelvergabe an die Hochschulen berücksichtigt werden. "Auch Karrierebildung ist eine Aufgabe der Hochschulen, an der sie sich messen lassen müssen", sagte die SPD-Politikerin, die als prominentester Tagungsgast am Montag nach Münster gekommen war. Darüber hinaus plädierte Behler dafür, Fragen der Berufspraxis auch stärker in die Studiengänge und -pläne zu integrieren.

Vor allem die tiefgreifenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt machen eine stärkere Berücksichtigung der Berufsfähigkeit für die Hochschulen dringend notwendig, betonten auf der Münsteraner Tagung einhellig Referenten aus den Hochschulen und der Wirtschaft. "Die Berufsbilder werden immer unschärfer, die klassischen Karrierewege sind immer seltener, die Studenten und Absolventen brauchen immer mehr Orientierung", sagte Martina Michel, Leiterin des "Career Service" an der Universität Hannover. So wie in Hannover haben inzwischen mehr als 50 Hochschulen hier zu Lande Career Center, Career Services oder ähnliche Praxisprogramme eingerichtet. Sie bieten Vorträge und Workshops rund um den Berufseinstieg, vermitteln die vielfach gefragten sozialen Schlüsselqualifikationen und helfen Studenten und Absolventen, ihre Qualifikationen besser einzuschätzen und gezielter bei der Jobsuche einzusetzen. Erst kürzlich hatte der Wissenschaftsrat, das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium von Bund und Ländern, allen deutschen Hochschulen empfohlen, Career Center einzurichten.

Nach Ansicht des renommierten Politikwissenschaftlers Hans Weiler sind die Voraussetzungen dafür gerade jetzt günstig. "Die derzeitige Hochschulreform bietet gute Chancen, Praxisprogramme aufzubauen und die berufliche Praxis zugleich auch stärker in das Studium einzubeziehen", sagte Weiler auf der münsterschen Tagung. Sowohl für den Staat als auch für Studenten und die Wirtschaft seien damit neue Aufgaben und Herausforderungen verbunden. So müsse etwa die Wirtschaft künftig deutlich mehr Praktika für Studenten bereit stellen, andererseits aber auch stärker an der Planung von Studiengängen beteiligt werden. "Dies bedeutet jedoch weder die oft gefürchtete Pragmatisierung des Studiums noch die alleinige Ausrichtung der Hochschulen am Arbeitskräftebedarf der Unternehmen", stellte Weiler klar. Die größten Herausforderungen aber kommen nach Ansicht Weilers auf die Hochschulen selbst zu. "Sie müssen als Institutionen endlich ein Bewusstsein entwickeln, wie wichtig die Berufsfähigkeit ihrer Absolventen ist", forderte Weiler, der lange an der kalifornischen Eliteuniversität Stanford lehrte und zuletzt Rektor der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder war.

Vor allem in den USA und Großbritannien, aber auch etwa in den Niederlanden haben die Hochschulen ein solches Bewusstsein längst entwickelt, wie die Berichte ausländischer Referenten auf der münsterschen Tagung zeigten. "Jede amerikanische Universität hat ganz selbstverständlich ein Career Center", betonte Rae Ann Bories-Easley, die sich an der American University in Washington mit alleine fünf Mitarbeitern um Kontakte zu Unternehmen kümmert. Die Career Center an den deutschen Hochschulen sind dagegen sowohl personell als auch
finanziell deutlich schlechter ausgestattet, auch ihre Verankerung in der Hochschule sowie die Zusammenarbeit mit den einzelnen Studiengängen und mit anderen Beratungsstellen für Studenten sind oftmals ungeklärt. Hier plädierten die Teilnehmer der münsterschen Tagung für eine stärkere Vernetzung hin zu einer "konzertierten Aktion für Berufsfähigkeit", so Hans Weiler.

Welche Rolle dabei die Körber-Stiftung mit ihren Wettbewerb USable spielen kann, unterstrich Wolf Schmidt, Vorstandsmitglied der Körber-Stiftung: "Wir suchen gute Ideen aus den USA, die auch in Deutschland zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen können", sagte er ain Münster. Er kündigte an, dass die Stiftung die Career Center an den deutschen Hochschulen auch künftig bei ihrer Zusammenarbeit und Vernetzung unterstützen wird. Um weitere Ideen wie die des amerikanischen Career Centers zu fördern, schreibt die Stiftung in diesem Jahr zum dritten Mal den Transatlantischen Ideenwettbewerb USable aus. Bis zum 31. Oktober 2001 können Vorschläge zum Thema "Bürgerengagement in der Neuen Welt" eingereicht werden. Erstmals schreibt die Stiftung im Rahmen von USable in diesem Jahr zusätzlich einen Textwettbewerb für Journalisten aus. Weitere Informationen gibt es unter www.usable.de oder bei der Körber-Stiftung.

Bitte wenden Sie sich bei Rückfragen an:

Karin Haist M. A., Körber-Stiftung, Kurt-A.-Körber-Chaussee 10, 21033 Hamburg, Telefon 040 / 72 50-28 93, Fax: 040/ 72 50-39 22, E-Mail: usable@stiftung.koerber.de
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