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Israel, der Philister-Riese Goliat und der Nahostkonflikt

10.05.2001 - (idw) Universität Rostock

Rostocker Bibelwissenschaftler auf internationaler Archäologie-Konferenz

Eine wissenschaftliche Arbeitskonferenz ("workshop") zu archäologischen Spe-zialfragen, Keramikfunden des 13. - 10. Jahrhunderts vor Chr. - typische "Wis-senschaft im Elfenbeinturm" ? Oder hat so etwas Gegenwartsbedeutung ?

Vom 1. - 3. Mai diskutierte eine Gruppe hochspezialisierter Archäologen aus Is-rael, den USA, Großbritannien, der Türkei, Italien, Griechenland, Zypern, an der Universität Haifa/Israel Typen von Keramik(scherben) aus Ausgrabungsstätten, die sich von Griechenland über die türkische Südküste, die heutige libanesische und israelische Küste bis nach Ägypten erstrecken. Dieses Gebiet wurde zwi-schen 1300 und 1000 vor Chr. von Flüchtlingen unsicher gemacht, die vor Krieg,
Gewalt und Hunger eine neue Heimat suchten.

Welche Gruppe kam woher, zog wo vorbei? Wo ließ sie sich erneut nieder? Durch Analyse der jeder Kulturregion eigenen Keramiktypen kann die Archäologie Her-kunft, Wege und Neuansiedlung solcher Flüchtlinge feststellen. Die Philister sind die berühmteste dieser Wandergruppen.
Sie wurden an der Mittelmeerküste zwischen Haifa und Gaza für lange Zeit der - meist kulturell und militärisch überlegene - Nachbar der berglandbewohnenden Israeliten. Die Bibel ist voll von Erzählungen über diese Auseinandersetzungen. Der Kampf des späteren Königs David mit dem riesenhaft erscheinenden Einzel-Elitekämpfer Goliat (in der Bibel im 1. Buch Samuel, Kapitel 17) ist der berühm-teste.

Der Rostocker Bibelwissenschaftler Professor Hermann Michael Niemann
war von der Konferenzleitung zur Beleuchtung des "übergreifenden Zusammen-hangs" eingeladen worden: Er sollte den archäologischen Keramikspezialisten aus aller Welt die historischen, sozialen und auch biblisch-religiösen Hintergründe der Auseinandersetzungen zwischen Israeliten im Bergland und Philistern in der Küstenebene erläutern.

Die Philister kamen als Flüchtlinge aus dem griechischen Raum bis nach Gaza. Technisch und militärisch überlegen, integrierten sie sich erfolgreich in den ur-banen Handel und Wandel der Küstenebene und deren Elite. Verständlich, dass die im rückwärtigen Bergland hinter der Küste sitzenden Israeliten, bescheidene Hirten und Bauern, sie als Gegner empfanden. Im Laufe der folgenden Jahrhun-derte ergab sich nach Anfangskämpfen (z.B. zwischen David und Goliat) ein bei-derseits nützliches politisch-wirtschaftliches Mit- und Nebeneinander: Die Bibel erwähnt keine nennenswerten Kämpfe mehr zwischen Israel und Philistern. Soll-te diese Entwicklung zu Vernunft und gemeinsamem Nutzen nur damals eine Chance gehabt haben?

Dr. Jobst Bösenecker

Theologische Fakultät
Altes Testament/Biblische Archäologie
Phone +49-381-498 3876
or +49-381-498 3873
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