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Steuerrechtsexpertin ist jüngte Professorin der Uni Jena

09.10.2002 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena


Prof. Dr. Anna Leisner: Die frisch ernannte Rechtswissenschaftlerin will das Steuerrecht entrümpeln. (Foto: FSU-Fotozentrum/Scheere) Prof. Dr. Anna Leisner mit 31 Jahren zur Professorin ernannt

Jena (09.10.02) Der Lehrstuhl für "Steuerrecht und Öffentliches Recht" an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) ist zum Wintersemester mit Prof. Dr. Anna Leisner besetzt worden. Die 31-Jährige, die gerade ihre Ernennungsurkunde erhalten hat, ist nun die jüngste Professorin der Jenaer Universität.

Dass sie es so schnell nach oben geschafft hat, schreibt die Münchnerin zum einen dem beschleunigenden Einfluss der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität München zu: "Doktoranden werden zu effektivem Arbeiten angehalten". Zum anderen hatte sie für den Zeitraum ihrer Habilitation ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhalten. So konnte sie sich drei Jahre intensiv ihrer selbst gewählten Forschungsarbeit zur "Kontinuität als Verfassungsprinzip" widmen. Aus der Verfassung leitete sie ab, dass Gesetze nicht abrupt, sondern in homöopathischen Dosen geändert werden müssen. So müsse der Bürger zum Beispiel davor geschützt werden, dass Steuern um mehrere Prozent innerhalb ganz kurzer Zeit erhöht werden. Andernfalls müsse der Staat Ausgleichslösungen schaffen. Ein heißes Thema, das sie für ihren neuen Lehrstuhl prädestiniert. "Das Steuerrecht muss entrümpelt werden, damit jeder Bürger seine Steuererklärung selbst ausfüllen kann", fordert sie. Für diese Vereinfachung will sie in Zukunft eigene Vorschläge unterbreiten. Stark machen will sie sich auch in der Lehre. Die müsse so gut sein, dass teure Repetitorien - externe Nachhilfekurse für Jurastudenten - überflüssig werden.

Anna Leisner genießt es, an der Uni tätig zu sein. Bei ihrem Intermezzo im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie lernte sie Aufbau und Organisation eines Verwaltungsapparates kennen, fand jedoch zahlreiche Kritikpunkte. Grundsätzlich will sie den Beamten nicht ans Leder, denn "auch deren Rechte unterliegen dem durch die Verfassung gewährleisteten Kontinuitätsprinzip", argumentiert die Juristin. Aber es könne ja nicht schaden, Hierarchien und Verfahrensweisen zu entkrusten, gibt sie zu bedenken.

Mit solchen gemäßigten, sachlichen Diskussionen ist Anna Leisner groß geworden, ihr Vater ist ebenfalls Juraprofessor. Zweisprachig (deutsch-französisch) ist sie aufgewachsen. Mehrere Studienaufenthalte führten sie an die Pariser Universität. Die Vorliebe für französische Filme ist geblieben, aber bei den Uni-Systemen gibt sie dem Deutschen den Vorrang. "In Frankreich wird vor allem auswendig gelernt, vieles ist verschult", begründet sie. "Selbstständiges Denken und Ideen im Dialog entwickeln", das fordert sie von den Studierenden.

Jetzt will sich die frisch gebackene Professorin Jena als Stadt erobern. Im vergangenem Jahr, als sie vertretungsweise in Jena lehrte, hat sie schon viele reizvolle Aspekte kennen gelernt. In ihrer Freizeit lässt sie sich die Paragrafen am liebsten beim Joggen und Skifahren aus dem Kopf wehen oder flüchtet sich ans Klavier. Frühzeitig entschied sie sich allerdings gegen eine Karriere als Konzertpianistin. Zehn Stunden täglich üben erschien ihr nicht erstrebenswert. Dann doch lieber zehn Stunden in der Bibliothek über Gesetzestexten brüten, Frau Professor? "Na ja, das war die Entscheidung", sagt Leisner und lacht.
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